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Der UniKater – Streifzüge durch Münchner Geschichten

Langhaarmenschen

Ein kleiner Kater streift seit einigen Wochen durch die Münchner Straßen. Besonders im Univiertel häufen sich die Sichtungen – anscheinend ist er sogar Justus schon vor den Porsche gelaufen. Wir kennen weder seinen Namen noch seinen Hintergrund, haben aber festgestellt, dass er die tollsten Geschichten aus dem Münchner Alltag erzählen kann. Beim Zuhören scheint es sogar oft, als wäre er im Herzen einer von uns.

Miau, ihr Menschen!

Gestern habe ich einen sehr verkaterten Tag mit nichts als Essen und in der Sonne liegen verbracht. Und jeder, der sagt, ein Kater könne keinen Kater haben, lügt! Habt ihr schon mal überlegt, wer wohl die ganzen Cocktails mit Milch kreiert hat? Wer zum Beispiel auf die Idee gekommen ist, 43er mit Milch zu trinken? Na seht ihr! Nach diesem faulen Start in die Woche verspürte ich heute einen gewissen Durst nach Wissen, vielleicht wollte ich mir so auch ein gutes Gewissen verschaffen, und mischte mich unter die Menge der Studenten, die ins Hauptgebäude liefen. Dort steuerte ich das Audimax an, denn da ist eigentlich immer was los und ich kann mich ganz ungehindert hineinschleichen, da die meisten Vorlesungen auf dem Handy übertragen zu werden scheinen und die Studenten deshalb gar keine Augen für etwas anderes haben. Bis auf die, die herkommen, um zu schlafen natürlich.

Ich sprang also in einer der hinteren Reihen auf den Tisch und setzte mich ganz still hin, um nicht weiter aufzufallen.  Kurz nach Beginn der Vorlesung (es gab viele bunte Bilder mit Kreisen und Balken und das hat mir gut gefallen) kam eine Frau rein, eine der Sorte Langhaarmensch, und setzte sich in die Reihe vor mir. Ich mag Menschen mit langen Haaren. Wenn diese Menschen sich bewegen, dann tanzen die Haare um ihre Schultern. Immer muss ich der Versuchung widerstehen, hochzuspringen und mit meinen Pfoten hindurchzufahren.

Die Attacke

Nun, in diesem Fall fand ich diese Haare aber nicht so toll. Nachdem die Frau etwa zwei Minuten still da saß, fing sie an, sich einen Zopf zu binden. Und patsch, landeten ihre Haare auf dem Tisch direkt vor meinen Pfoten. Ich zuckte erschrocken zusammen, aber immerhin waren die Haare jetzt ja wohl fertig gestylt. Falsch gedacht! Nun ging es erst richtig los. Im Zwei-Minuten-Takt wurde der lange Haarzopf nun nach hinten geworfen. Ich begann einen kleinen Tanz und hatte beinahe meinen Spaß dabei: Links ausgewichen, rechts, wieder links…

Der UniKater kann das einfach nicht verstehen. © Sophie Obwexer

Mein Sitznachbar hatte nicht so viel Glück. Als die Frau ihren Kopf ein weiteres Mal grazil aber gefährlich in den Nacken warf, hatte er sich grade konzentriert über sein Blatt gebeugt und wurde voll ins Gesicht getroffen. Völlig baff von dieser unerwarteten Attacke entfuhr ihm ein lautes „Aua“. Das Mädchen drehte sich mit hoch gezogenen Augenbrauen zu ihm um, er sah sie an und öffnete den Mund und – schloss ihn wieder. Warum sagte er denn nichts? Stattdessen verbrachte er den Rest der Vorlesung damit, ihrem Zopf auszuweichen und ihre Haare vorsichtig von seinem Blatt herunter zu schieben, wenn sie wieder darauf gelandet waren.

Das war mir dann doch zu viel und als die Haare das nächste Mal in Reichweite kamen, streckte ich meine Pfote aus und fing ein paar von ihnen, während ich leise fauchte. Wieder dieses Umdrehen mit den hochgezogenen Augenbrauen. Doch als sie mich sah, sprang sie plötzlich auf und fing an zu kreischen: „Was macht denn diese Katze hier drin? So kann man sich doch nicht konzentrieren, wenn hier Tiere rumspringen!“ Ich machte mich schnell aus dem Staub, aber ich war schon ziemlich sauer. Ich soll gestört haben? Sie war diejenige, die nicht einen Moment darüber nachgedacht hat, dass da vielleicht Menschen hinter ihr sitzen, die keine Lust hatten, ihre Notizen auf ihre Haare zu schreiben. Die spinnen die Menschen!

Bis bald! Euer UniKater

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