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Die Verführten

Ein Thriller über Frauen und Männer

Die Südstaaten während des amerikanischen Bürgerkriegs. Sofort hat man Bilder von Schlachtfeldern und kämpfenden Männern im Kopf. Der Süden gegen den Norden. Aber was haben die Frauen zu dieser Zeit gemacht? Der neue Film der Star-Regisseurin Sophia Coppola befasst sich mit diesen „vergessenen“ Frauen und behandelt damit das ewige Machtspiel zwischen Frauen und Männern.

Filmplakat zu „Die Verführten“ © UPIMedia

Die Verführten (engl. The Beguiled) spielt in den Südstaaten im Jahr 1864 während des amerikanischen Bürgerkriegs. Der Krieg dauert zu dieser Zeit schon vier Jahre an und nur noch wenige Mädchen sind in dem Mädcheninternat von Miss Martha (sehr überzeugend gespielt von Nicole Kidman) übrig geblieben. Miss Martha versucht, trotz des Krieges, den Alltag aufrecht zu erhalten und ihre Schülerinnen vor äußeren Einflüssen zu schützen. Die Mädchen (u.A. Elle Fanning) und ihre Lehrerin Miss Edwina (Kirsten Dunst) vertreiben sich die Zeit mit Sticken, Französischstunden und Gartenarbeiten im hoffnungslos verwilderten Garten.

Das jüngste der Mädchen findet eines Tages beim Pilzesammeln einen verwundeten Soldaten (überzeugend charmant und manipulativ, Colin Farrell) der feindlichen Armee. Entgegen jeder Vernunft nimmt sie ihn mit ins Internat. Die Frauen wollen ihn zuerst ihren Truppen übergeben, entscheiden sich dann aber, ihn erst gesund zu pflegen. Dieser irische Corporal namens McBurney, der als Söldner in der Armee kämpft, hat einen großen Einfluss auf das Verhalten der Bewohnerinnen. Alle hatten schon lange nicht mehr oder sogar noch nie so nahen Kontakt mit einem Mann und der Soldat verdreht ihnen bald den Kopf. Er kann seine Mitmenschen sehr gut einschätzen und weiß genau, was sie sich wünschen. Bald sorgt seine Anwesenheit für großen Konkurrenzkampf zwischen den Frauen. Als er sich schließlich für eine von ihnen entscheidet, eskaliert die Situation in einem tödlichen Abwärtsstrudel.

Vom Bett aus manipuliert der Soldat die Frauen. © UPIMedia

Für die aus Kalifornien stammende Regisseurin ist es der erste Thriller ihrer Karriere. Wie schon bei ihren bisherigen Filmen wie Virgin Suicides (1999) und Lost In Translation (2003) hat sie sowohl Regie geführt als auch das Drehbuch geschrieben. Die Verführten ist eine Adaption des Romans The Beguiled von Thomas Cullinan. Anders als in der Buchvorlage und Verfilmung von 1971 hat Coppola keine afroamerikanische Sklavin und Haushälterin in ihre Handlung eingebaut, wofür sie im Vorfeld kritisiert wurde. Sie begründet ihre Entscheidung in einem Interview so: „Ich wollte in Die Verführten keine Sklavin auftreten lassen, weil das ein sehr wichtiges Thema ist, das ich nicht so nebenbei erledigen wollte.“ Der Fokus in ihrer Adaption sollte nur auf den Frauen des Mädcheninternats liegen.

Wie für ihre Filme üblich, drehte Coppola auch diesen Film an Originalschauplätzen in den Südstaaten. Eine Villa, auf einer ehemaligen Plantage nahe New Orleans gelegen, wurde vor allem für die Außenaufnahmen genutzt. Der Film ist geprägt von poetischen, langen Landschaftsaufnahmen, wobei der Fokus immer auf den Figuren liegt und nicht auf dem Hintergrund. Gefilmt wurde mit historischen Objektiven und auf tatsächlichem Film, heutzutage eine Seltenheit. Eine Besonderheit ist auch, dass der Soundtrack eher unauffällig und leise ist. Oft ist nur das Zirpen der Grillen im Garten zu hören. Das Donnern der Kanonen ist immer präsent. Die Frauen haben sich aber so daran gewöhnt, dass es nicht thematisiert wird und mit der Zeit gerät das Geräusch auch für den Zuschauer in den Hintergrund.

Die Regisseurin Sophia Coppola (Mitte) mit ihren Darstellerinnen. © UPIMedia

Sophia Coppola zeigt ein gutes Gespür für Charaktere, denn die Rollen sind alle perfekt besetzt. Nicole Kidman als alternde Südstaatenschönheit, die nun nicht mehr nur die Rolle der Schulleiterin, sondern auch die der Beschützerin und fast schon Mutter der Schülerinnen übernimmt. Elle Fanning in der Rolle der ältesten Schülerin, die ihre Wirkung auf Männer austestet und von dieser selbst überrascht ist. Oder Kirsten Dunst als unterdrückte Lehrerin, die nichts mehr will, als aus dem Süden zu fliehen. Auch die jüngeren Schauspielerinnen sind überraschend stark besetzt und tragen die Handlung mit. Colin Farrell spielt sehr überzeugend den gutaussehenden Soldaten, der hinter der Fassade alle Frauen gegeneinander ausspielt. Farrell selbst beschreibt seinen Beitrag im Film vor allem als „Herumliegen und meinen begabten Kolleginnen bei der Arbeit zusehen.“

Die Verführten spielt zwar zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges, aber der thematisierte Konflikt zwischen Mann und Frau hat nichts an seiner Aktualität eingebüßt. Sophia Coppola selbst hat am meisten fasziniert, wie anders sich Frauen in der Gesellschaft von Männern verhalten und wie das ewige Machtspiel zwischen Mann und Frau immer aktuell bleibt. Coppola ist auch der Meinung, dass sich viele in die Frauen hineinversetzen können. „Es geht (…) um einen charmanten Typ, dem man lieber nicht trauen sollte, selbst wenn man es sich wünscht. Ich glaube, dass wir alles das nachvollziehen können. Jeder hat so etwas schon erlebt.“

Annika Wiedemann

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