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Datenschutz-Negativpreis für Münchner Unis

MOOC-Experte äußert sich zum Big-Brother-Award

Bildung, unabhängig von Zeit und Raum – sogenannte MOOCs (Massive Open Online Courses) öffnen die Türen in die Welt des Onlinelernens. Die LMU und TUM sind überzeugte Pioniere dieser Form der Bildungsglobalisierung. In Kooperation mit der amerikanischen Plattform Coursera, dem Weltmarktführer von Online-Lehrangeboten, verfügen Studierende aus aller Welt über die Möglichkeit, Kurse von auserlesenen LMU- und TUM-Dozenten kostenfrei zu belegen.

Coursera bietet nicht nur Studenten einen „universal access to the world’s best education“, auch unsere Münchner Eliteuniversitäten nutzen die internationale Profilierung. Umso schockierender die Nachricht am 5. Mai: LMU und TU erhalten den “Big-Brother-Award”.

Digitalcourage, ein Verein, der sich seit 1987 für Grundrechte, insbesondere Datenschutz und Privatsphäre einsetzt, warnt mit der Verleihung dieses Negativpreises vor der mutmaßlichen Datenkrake Coursera auf öffentlichen Wege und sorgt somit für Bad Publicity.

MOOCs schön und gut – Big Data, nein danke?

Herr Prof. Dr. Tobias Kretschmer, Dekan der LMU-Fakultät Betriebswirtschaft und Repräsentant der LMU zum Thema MOOCs, zeigt sich im Interview mit Unikat über die Verleihung des Negativpreises durchaus überrascht: „Was ich allerdings sehr erstaunlich finde, ist dass es der LMU und der TU zur Last gelegt wird, solche Inhalte bereit zu stellen.“

MOOC-Experte © Tobias Kretschmer

Laut Prof. Kretschmer ist eine deutliche Trennung zwischen MOOCs und der Plattform, auf der sie bereit gestellt werden, wichtig für konstruktive Kritik. Denn das geistige Eigentum der Kurse gehöre schließlich der LMU und nicht Coursera. Die Lernerdaten werden hingegen von den Lernenden an Coursera übermittelt.

Die Vorwürfe werden jedoch nicht gänzlich isoliert betrachtet. Etwaige Vorbehalte bezüglich einer Kooperation mit Coursera wurden ausreichend im Vornherein bereinigt und vertraglich festgelegt: „Auch gerade weil wir uns natürlich dessen bewusst sind, dass wir eine gewisse große Verantwortung haben gegenüber unseren lokalen Studierenden und unseren Lernenden, die über Coursera zu uns gefunden haben.“

Zur Erklärung von dem Attraktivitätspotenzial diverser Plattformen verwendet Prof. Kretschmer Facebook als Beispiel. Voraussetzung für die Nutzung von Inhalten ist ein Registrierungsprozess der Teilnehmer – und das auf freiwilliger Basis: „Wir bestimmen nicht, welche Daten die Studierenden und Lernenden weitergeben.“

Prof. Dr. Tobias Kretschmer vor laufender Kamara © Tobias Kretschmer

Prof. Kretschmer erläutert auch, dass Datenkonzerne wie Coursera vom Sammeln und Verarbeiten, aber auch vom Verkauf der Daten leben. Die Weitergabe von Daten ohne Einverständniserklärung sei äußerst kritisch zu betrachten und hohe Vorsicht sei geboten. Sobald eine Evidenz von Fehlverhalten, also unbefugter Datenweitergabe seitens Coursera, gegeben wäre, würde man die Kooperation beenden – dies sei aber ohnehin schon in den Rahmenbedingungen geklärt. „Insofern hat die Erstellung der Contents erstmal gar nichts zu tun mit der gewählten Plattform,“ fasst Prof. Kretschmer zusammen.

Für Prof. Kretschmer ist die Wissensvermittlung über die Kamera eine spannende Abwechslung zu herkömmlichen Vorlesungen. Das Gesamtpaket, also die Wissensvermittlung anhand von Lehrvideos, die Darstellung Münchens als attraktiven Studentenstandort und die Moderation von Diskussionsforen, bestimmen die Qualität eines Kurses: „Man erreicht Leute, die man auf konventionelle Weise nie erreichen würde.“

Begeisterung fürs Fach ist die gemeinsame Variable der Lernenden und Lehrenden, und das weltweit. Die Plattform Coursera dient eben als eine von vielen Gleichungsfunktionen, die uns zum selben Ergebnis führt: Offenere, zugänglichere Bildung.

Nadine Noppinger

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