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Könige der Tauben

Zu Besuch bei King Pigeon – Die Newcomer der Münchner Indie-Szene

Von wegen München ist langweilig und lahm! Die junge Musikszene hat einiges zu bieten. Man muss eben nur ein bisschen die Augen und Ohren offen halten. Heute stellen wir euch die Indie-Rock Band King Pigeon aus München vor: Die Newcomer mit dem kuriosen Namen und dem Proberaum im gmiatlichen Giesing.

Giesing: Raum für Kreative

Durch einen Hinterhof führen die vier Jungs von King Pigeon in ihren Proberaum, den sie sich mit anderen Bands teilen. Treppen runter. Ein bisschen eng ist es. Da sind wir schon. Chris öffnet die Tür und schon befindet man sich inmitten von Instrumenten in einem kleinen Raum. Musikalische Ausrüstung der Band, roter Teppich mit Muster am Boden und an der Wand hängt ein einsamer Tramfahrplan. Christian, Marius, Fabian und Moritz – zusammen sind sie King Pigeon. Seit 2014 gibt es sie schon, die Bandmitglieder haben über verschiedene musikalische Veranstaltungen und soziale Netzwerke zu einander gefunden. „Wir waren alle 2013 auf dem Konzert von den Foals in München – und kannten uns da aber alle gegenseitig noch gar nicht,“ erinnert sich Chris. Eine Fügung des Universums? Wir werden es nie erfahren. Ist ja auch egal, denn Fakt ist: Die Jungs harmonieren. Nicht nur musikalisch, sondern auch privat sind sie ein unschlagbares Team. Eine Band mit der man gerne auch mal ein Bier trinken gehen möchte. Oder zwei. Oder drei.

Ein heißer Sommer für King Pigeon

Die Musik der vier Münchner, die fast alle noch studieren, ist vor allem eines: tanzbar. Dies zeigt sich auch immer wieder bei den Live-Auftritten der Band. In diesem Punkt sind sich alle vier einig. Aber was kann man sich darunter vorstellen, wenn man noch nie einen Song von King Pigeon gehört hat?  „Was sich auf jeden Fall in unseren Songs widerspiegelt, ist dieser klassische Indie-Rock aus den Nullerjahren, diese gute alte Atomic-Mucke,“ bemerkt Moritz, Drummer von King Pigeon. Das Atomic-Café war vor der Schließung im Januar 2015 die wohl beste Indie-Location der Stadt.

Für Traurigkeit haben King Pigeon in ihrem Terminkalender aber gerade absolut keinen Platz. Auf die Jungs wartet ein heißer Sommer mit vielen Auftritten. „So viele Gigs wie in diesem Sommer hatten wir bisher noch nicht,“ meint Marius, einer der Gitarristen. Am vergangenen Wochenende waren sie bei der Freisinger Nacht der Musik zu sehen und schon am kommenden Sonntag, 21. Mai, spielen sie auf dem Streetlife Festival in München. Und auch beim StuStaCulum oder Free & Easy Festival im Backstage kann man sich in den kommenden Monaten live von King Pigeon überzeugen lassen, um nur ein paar von den vielen Terminen zu nennen.

Cover der EP Sonic Fields (2016)

Die Liebe zum Wort, eine kratzige Stimme und der ausgefallene Bandname

Wer bis dahin einen schon ein bisschen in die EP Sonic Fields (2016) reinhören möchte, kann das am besten auf Soundcloud oder Spotify tun. Die Songs Blood Seas und English Bands gehen besonders schnell ins Ohr, während Cast a Spell ein eher nachdenklich stimmenderes Stück ist. My Girl ist einer der ersten Songs und in sich viel geschlossener als die anderen Titel. Man merkt daran, dass sich die Band in ihren Songs auch musikalisch weiterentwickelt hat. Besonders die kratzig-raue Stimme von Frontmann Chris hat großen Wiedererkennungswert. Aber auch Marius und Moritz beteiligen sich mittlerweile am Gesang. Für die Lyrics ist übrigens meistens Fabian verantwortlich, er spielt bei King Pigeon Bass und studiert Anglistik. Daher auch die Liebe zum Wort.

„Die Texte drehen sich oft um Beziehungen zwischen Menschen und deren Geschichten. Blood Seas zum Beispiel erzählt aus der Perspektive einer Person, die sich Vorwürfe macht, weil sie denkt, dass sie für jemand anderen nicht oft genug da gewesen ist,“ erzählt er. Chris ist außerdem der Meinung, dass jeder die Texte auf seine eigene Situation übertragen könne und somit auch seine eigenen Schlüsse daraus ziehen kann. Ein sehr offenes Interpretationsfeld der Texte also. „Offenheit macht die Songs einfach spannender,“ findet er.Und der Bandname? Googelt man diesen findet man nicht nur Fotos von (mehr oder weniger) niedlichen Tauben, sondern auch von Frauen in Yoga-Pose. Diese bestimmte Haltung heißt: King Pigeon. Der Taubenkönig. Diesen Namen vergisst man nicht so schnell. Allein deshalb, weil er so ausgefallen ist. Das ist aber auch gut so, denn die Jungs aus München sollte man als Indie-LiebhaberIn im Auge behalten. Ein Video mit Monacosessions ist auch schon in Planung.

Zum krönenden Abschluss des Gesprächs mit UNIKAT spielen King Pigeon noch drei Songs und spätestens dann – selbst wenn man beim Hören der EP vielleicht noch das gewisse Etwas vermisst hat – muss man sie einfach ins Herz schließen. Denn die Stärke der Band liegt eindeutig in der Live-Musik. Bitte mehr davon!

Alle Live-Termine findet ihr auf der Facebook-Page von King Pigeon und auf der Band-Homepage.

Ornella Cosenza

 

 

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