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10 Dinge, die Heimkehrer an München nerven

München, du nervst!

Dahoam ist es ja bekanntlich immer am schönsten. Schneebedeckte Berge, saftige Wiesen mit blühenden Blumen, idyllische Seen und schattige Wälder – Bayern im Frühling veranlasst reihenweise Instagramer ihre Schnappschüsse mit #heimatliebe zu versehen und demonstriert, dass die Bayern eben da wohnen, wo andere Urlaub machen. Mitten in der ganzen Natur liegt die Weltmetropole München, komplett mit Olympiaturm, Frauenkirche und laut der Times Higher Education World Reputation Ranking auch die renommierteste Uni Deutschlands. Eigentlich ja der perfekte Ort um zu leben, studieren und arbeiten. Außer dann, wenn’s halt nicht so ist. Zum Beispiel wenn man gerade nach mehreren Monaten Ausland wieder Fuß in München fasst und merkt: Woanders ist es eigentlich auch ganz schön. Und nicht nur das. Es gibt mindestens zehn Dinge, die einen an München richtig ankotzen können, wenn der Eigenkulturschock noch in vollem Gange ist.

Öffentliche Verkehrsmittel

1. Man steht seit langer Zeit wieder an einem Münchener Fahrkartenautomaten und kriegt einen Anfall, weil man vergessen hatte, dass das Semesterticket teurer geworden ist.

2. U-Bahn oder S-Bahn leiden mal wieder unter Störungen. Am besten beide gleichzeitig und während der Rush Hour.

3. Damit verbunden: Bei Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zu Stoßzeiten kommt man in den Genuss von übermäßigem und ungewolltem Körperkontakt mit anderen Menschen, während man mit der Backe an der Scheibe festklebt und einen fremden Arm in den Rippen stecken hat.

Eine prall gefüllte U-Bahn bedeutet immerhin, dass der Bahnsteig endlich leer ist. © Stephanie Berens

Das Wetter

4. Zwei Tage nach Ankunft aus einem sonnigen und warmen Fleckchen der Welt stellt man fest, dass es in München im April noch schneit.

5. Überhaupt ist es arschkalt! Wenn man dann auch noch durch den Laimer Tunnel laufen muss, fällt die Temperatur gefühlt gleich nochmal um 10 Grad, während der Wind einem um die Ohren pfeift und man auf dem kurzen Weg von Bus zu Bahn zum Kollateralschaden der Nikotinabhängigen wird. Der Laimer Tunnel ist einfach überhaupt scheiße.

Aus dem Abgrund des Laimer Tunnels kommend geht es zurück in den Münchener Regen. © Stephanie Berens

Mietpreise und Baustellen

6. Zum ersten Mal nach Monaten tauchen die Münchener Mietpreise wieder auf dem Kontoauszug auf. Falls man so viel Glück hatte und sein Zimmer untervermietet hat, anstatt es komplett aufzugeben.

7. Die Baustelle in der Schellingstraße und somit auch die langsamste Fußgängerampel der Welt sind immer noch da.

Die Philologen bekommen eine eigene Bibliothek – bis dahin steht der pflichtbewusste Deutsche jedes Mal fünf Minuten an der Fußgängerampel vor Schelling 3. © Stephanie Berens

Menschen

8. Die Menschen rennen alle mit einem mürrischen Gesichtsausdruck und Kopfhörern durch die Gegend, vermeiden Blickkontakt und rempeln sich gegenseitig an, ohne sich zu entschuldigen.

9. Übermotivierte Menschen stehen an irgendwelchen sozialen Ständen und quatschen Leute an. Hallo, siehst du denn nicht, dass ich ein mürrischer, blickkontaktmeidender, kopfhörertragender Mensch bin, der gerade extra einen Umweg gemacht hat, um nicht mit dir reden zu müssen?

Münchener Chaos. © Stephanie Berens

10. Ganz ehrlich: Das nervigste ist eigentlich man selbst. Weil man trotz aller Vorsätze viel schneller zurück in den gewohnten Alltagstrott verfällt als einem lieb ist. Und anstatt sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren sich ständig an den Ort zurückträumt, an dem alles noch ein bisschen aufregender und anders war.

Stephanie Berens

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