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Münchner Bullen scharren mit den Kufen

Open Locker Room beim EHC

Don Jackson erklärt. © Michael Kraus

Am Sonntag ist es so weit. Das erste Spiel in der Best-of-seven-Serie um die deutsche Eishockeymeisterschaft steht auf dem Programm. Wieder mit dabei: der EHC Red Bull München. Der amtierende Meister tritt wie im Vorjahr gegen die Grizzlys Wolfsburg an. Das Team unter Trainer Don Jackson, ist dabei in der Favoritenrolle. Die Mannschaft beendete die Hauptsaison auf dem ersten Platz und spazierte mit nur einer Niederlage durch die Play-offs, während die Niedersachsen sowohl im Viertelfinale gegen die Kölner Haie, als auch im Halbfinale gegen die Nürnberg Ice Tigers deutlich mehr zu kämpfen hatten. Am Freitag nun waren Pressevertreter geladen, die vorletzte Trainingseinheit des EHC im Olympiaeisstadion zu verfolgen und die Mannschaft anschließend in der Kabine zu besuchen.

Eishockeytraining hautnah

Die Trainingseinheit dauerte eine gute Stunde, der Chefcoach Don Jackson betrat das Eis als Letzter, nachdem sich seine Mannen locker eingespielt hatten. Zunächst gab es eine längere Ansprache samt Taktiktafel, anschließend wurden über eine Stunde verschiedene Trainingsformen durchgespielt. Oft fegten dabei nur eine Handvoll Spieler über das Eis, während der Rest sich an der Bande erholte und auf den nächsten Einsatz vorbereitete. Den Abschluss bildete ein Spiel aufs kleine Feld mit mehreren Mannschaften im fliegenden Wechsel. Abgesehen von der ersten Erläuterung schaute der Trainerstab hauptsächlich zu und redete wenig. Abgesehen von krachenden Pucks und kratzenden Kufen auf dem Eis war es im Stadion sehr ruhig. Man merkte, dass hier eine Meistermannschaft spielte, die vor ihrer größten Aufgabe seit einem Jahr steht.

Direkt nach dem Training öffneten sich die Tore des Allerheiligsten eines jeden Sportteams: der Umkleidekabine. Frank Mauer, der Stürmer mit der Nummer 28 und außerdem noch Student beantwortete die Fragen von Unikat.

UNIKAT: Am Sonntag geht es los mit dem ersten Spiel, steigt die Aufregung schon oder kommt das erst kurz vor der Partie?                                                                                         

MAUER: Heute geht es noch, ich denke am Spieltag selbst da merkt man  erst, dass es dann losgeht. Aber natürlich wird es eine coole Sache, Finals spielt man nicht allzu oft, wir haben uns wieder in eine gute Situation gebracht und wir hoffen, dass wir das erste Spiel auf jeden Fall so starten werden.

UNIKAT: Die letzten 7 von 8 Spielen gegen Wolfsburg habt Ihr ja gewonnen, wieso wird es auch diesmal für die Grizzlys nichts zu holen geben?

MAUER: Weil wir hoffentlich, auf den Punkt genau die bessere Mannschaft sind.

UNIKAT: Unser Oberbürgermeister Dieter Reiter hat sich ja angekündigt, ist das noch mal extra Ansporn oder nimmt man das bei so einem wichtigen Spiel gar nicht richtig wahr?

Sehr aussagekräftig: Die Taktiktafel in der Kabine © Michael Kraus

MAUER: Es ist natürlich schön, dass der Bürgermeister vorbeischaut und uns die Daumen drückt, nichts desto trotz wissen wir, was zu tun ist, auch wenn der Bürgermeister mal nicht vor Ort ist. Wir werden es genauso angehen, aber ist natürlich schön, dass er uns unterstützt.

UNIKAT: Der Bürgermeister ist ja auch bekennender Bayernfan, kann man als Eishockeyspieler eigentlich ernsthaft Fußball verfolgen oder lacht man sich da automatisch kaputt?

MAUER: Nein, also ich verfolge natürlich Fußball, wie wahrscheinlich 90 Prozent der Männer in Deutschland, aber ich bin kein übertriebener Fan. Trotzdem verfolge ich was passiert, denn Fußball ist dennoch ein interessanter Sport, aber Eishockey gefällt mir besser.

UNIKAT: Also auch wenn man sieht, wie Fußballer sich bei minimalstem Körperkontakt zu Boden werfen, kann man ernsthaft zuschauen?

MAUER: Ja doch, natürlich geht das. Man muss auch fair sein, jede Sportart ist spezifisch für sich. Beim Fußball geht es mit Sicherheit auch hart zur Sache, was man vielleicht nicht immer so sieht. Manchmal ist es natürlich ein bisschen zweifelhaft, was man da zu sehen bekommt, aber das hat sich halt in der Sportart so durchgesetzt. Trotzdem schaut man sich Fußball auch gerne mal an.

Frank Mauer. © Michael Kraus

UNIKAT: Beim Eishockey gibt es ja neben hartem Körpereinsatz auch sogenannte Fights, also Faustkämpfe, bei denen die Schiedsrichter erst dazwischen gehen, wenn ein Spieler am Boden ist, was sind denn die Anlässe dafür? Also wann sagt man im Match: „Jetzt reichts, jetzt machen wir einen Faustkampf“ ?

MAUER: Manchmal bekriegen sich die Spieler das ganze Spiel, dann merkst du schon, ok da könnte was passieren, aber manchmal passiert das auch aus dem Affekt heraus. Das gehört einfach dazu, es ist eine schöne Sache. Also das Schöne dabei ist, man bleibt auch relativ fair dabei. Das klingt jetzt bisschen seltsam, aber sobald jemand am Boden liegt, weiß jeder, dass es vorbei ist. Es gibt da so eine Art Kodex, wo jeder weiß, ok bis hierhin und nicht weiter und gerade das macht es auch wieder fair in einem anderen Sinne.

UNIKAT: Abseits vom Eishockey sind Sie ja auch Student, wie muss man sich das vorstellen, gleichzeitig Student und Eishockeyprofi?

MAUER: Na gut, Ihr studiert ja auch, also Ihr wisst, wie das Studentenleben ist, mal härter und mal leichter, bei mir ist es ein Fernstudium, das heißt, ich muss nicht immer so präsent sein wie Ihr, aber ich muss mich auch öfters mal zu Hause oder woanders hinsetzen und lernen, sowie Klausuren schreiben und Hausarbeiten. Aber es gibt mir einen ganz guten Ausgleich, Bestätigung und macht Spaß.

UNIKAT: Und feiermäßig verglichen zu anderen Studenten? Unter der Saison geht da nichts oder?

MAUER: Unter der Saison geht da nichts, aber im Sommer bin ich natürlich auch gerne unterwegs so wie das Studenten halt gerne machen und da lass ich mich auch nicht lumpen (lacht).

UNIKAT: Also zum Beispiel jetzt nach dem Titel?

MAUER: Ja also, wenn es denn der Titel sein sollte, dann lässt sich bestimmt eine Möglichkeit finden.

UNIKAT: Ja dann danke und viel Erfolg!

MAUER: Danke!

 

Thomas Jensen

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