Wir schreiben München – schreibt mit!

Minga, wer bist du?

10 Dinge, die ihr als Münchner über eure Stadt wissen solltet

Wenn wir auf Reisen sind, wollen wir alles über das fremde Land wissen. Wir besuchen Museen, Sehenswürdigkeiten und lesen alles darüber im Reiseführer. Aber wie oft gehen wir in unserer Heimatstadt München, in der wir vielleicht sogar unser ganzes Leben verbracht haben an Orten vorbei, die uns als Touristen faszinieren würden, uns aber so nicht einmal einen zweiten Blick entlocken? Wenn uns jemand fragt, warum der Affenturm Affenturm heißt, warum die Löwen an der Residenz Glück bringen – wie viele von uns wissen dann die Antwort? Wenn ihr sie nicht wisst, sind hier 10 Münchner Geschichten, die euch ein bisschen was über eure Stadt erzählen. 

 

1. Das Wurmeck

Der Lindwurm ©Josephina Richardt

Wie oft sind wir wohl schon beim Marienplatz Ecke Weinstraße am Wurmeck vorbeigegangen ohne den grünen Drachen an der Mauer überhaupt wahrzunehmen. Dabei verbirgt sich dahinter ein Stück Münchner Geschichte, auf die wir noch heute treffen. Der Sage nach schwebte dieser Lindwurm einst über München und hauchte seinen giftigen Atem in jede Gasse und jedes Haus. Die Pest war ausgebrochen und die Menschen trauten sich nicht mal mehr in die Kirche. Keiner konnte dem Herr werden. Eines Tages aber ließ sich der Drache mitten auf dem Platz nieder und ein paar mutige Männer töteten das Ungeheuer mit einer Kanone und befreiten damit die Stadt von ihrem Übel. Als Erstes trauten sich im Anschluss die Fassmacher – die Schäffler – aus ihren Häusern. Sie tanzten und musizierten in ihren bunten Gewändern und lockten somit die Menschen wieder auf die Plätze. Der Drache am Wurmeck erinnert an diese Geschichte und die Schäffler tanzen auch heute noch jeden Mittag als Figuren im Glockenspiel des Neuen Rathauses.

2. Das Affentürmchen

©Josephina Richardt

Im alten Hof steht ein Turm, der als Affentürmchen bekannt ist. In der ersten Burg Münchens hauste seinerzeit Herzog Ludwig der Strenge und mit ihm, so sagt man, ein Haufen exotischer Tiere wie Löwen, Bären, Papageien und Affen. Ein besonders putziges Äffchen durfte mit am Esstisch sitzen, in der Burg herumtollen und sich mit der Amme im Kinderzimmer aufhalten. Eines Tages als die Amme neben der Wiege des kleinen Prinzen Ludwig eingeschlafen war, nahm der Affe das Baby in die Arme und wiegte es ganz wie es die Amme immer tat. Diese erschreckte sich aber fürchterlich als sie aufwachte und das Baby in den Händen des Affen sah und schrie so laut, dass sie wiederum das Äffchen so erschreckte, das es mitsamt dem Prinzen die Flucht ergriff. Die Burgbewohner konnten den Affen nicht erwischen, er sprang aus dem Fenster und kletterte übers Dach hinauf zur Turmspitze. Dort blieb er sitzen bis der Küchenchef es schaffte das Tier mit Hilfe eines Schmankerls herunterzulocken. Affe und Prinz kamen wohlbehalten wieder unten an, der Turm bekam den Namen Affentürmchen und aus dem kleinen Prinzen wurde Kaiser Ludwig der Bayer.

 

3. Der Teufelstritt in der Frauenkirche

In der Vorhalle unter der Orgelempore findet man in der Frauenkirche einen Fußabdruck. Man sagt er stammt vom Teufel, soviel wissen die meisten. Was ist damals geschehen? Der Teufel erfuhr vom Bau der Kirche erst als sie schon fast fertig war. Aber die Kirche war noch nicht geweiht und so suchte er eine letzten Chance um das neue Gotteshaus doch noch zu verhindern.

©Josephina Richardt

Mit seinem Gehilfen dem Sturm schloss er einen Pakt; gemeinsam würden sie den Bau einreißen. Der Teufel die inneren Wände, der Sturm die äußeren. Doch als der Teufel unter der Orgelempore stand stellte er fest, dass er sich die Mühe sparen konnte: die Kirche hatte keine Fenster und er war der Überzeugung so würde kein Mensch hereinkommen und beten wollen. Voller Freude stampfte er mit dem Fuß auf und flog davon. Den Sturm aber hatte er vergessen und deswegen bläst der Wind seitdem das ganze Jahr unerbittlich um die Kirche. Natürlich ist das eine Sage. Doch von der Stelle des Fußtritts aus sieht man außer dem „Scharfzandtfenster“ im Chorumgang tatsächlich keine Fenster.

 

4. Die Mariensäule

©Josephina Richardt

Während des 30-jährigen Krieges zitterte ganz Deutschland vor dem immer näher rückenden schwedischen Kriegsheer. Kurfürst Maximilian I. flehte den Schwedenkönig Gustav Adolf an München zu verschonen, doch der König verlangte dafür 300 000 Goldtaler. Eine Summe, die damals nicht mal Kurfürst und Bürger zusammen hatten. Daraufhin  nahm Gustav Adolf 42 Münchner Bürger solange als Geiseln bis der letzte Taler bezahlt wäre. Zwei Jahre lang saßen die Geiseln im Augsburger Gefängnis, doch München blieb verschont. Aus Dankbarkeit ließ Maximilian mitten auf dem Marienplatz die Mariensäule errichten und erhob die Muttergottes zur Beschützerin der Stadt und des Landes Bayern. Auch dieEngel  am Sockel der Säule sind symbolisch: sie kämpfen gegen die Pest (Basilisk), den Krieg (Löwe), den Hunger (Schlange) und den Unglauben (Drache). Bis heute suchen Menschen die Mariensäule auf um Schutz, Trost und Frieden zu finden.

 

5. Die Löwen an der Residenz

©Josephina Richardt

Wenn man die Löwenschnauzen an den Portalen der Residenz streichelt, bringt das angeblich Glück. Es ist schon zu einer Touristenattraktion geworden einmal über die goldenen Nasen zu berühren. Aber warum eigentlich? Die Geschichte beginnt mit einer Frau. Lola Montez war schön, raffiniert und behauptete trotz ihres Geburtslandes Irland Spanierin zu sein, weswegen sie von den Münchnern „Spanische Fliagn“ genannt wurde. König Ludwig I. verwehrte sie so sehr, das er ihr jeden Wunsch erfüllte. Als er einmal nicht in seiner Residenz weilte fand man ein Blatt Papier an einer Löwenschnauze auf dem er wegen seiner Lola übel verspottet wurde. Eine solche Majestätsbeleidigung konnte der König natürlich nicht ungestraft lassen und er setzte eine hohe Belohnung auf die Ergreifung des Täters aus. Dieser aber dachte sich er könnte die Belohnung mit ein bisschen Glück ja vielleicht selbst verdienen. Er schrieb auf ein weiteres Blatt Papier: „Deren Täter waren vier: ich, Feder, Tinte und Papier!“ Der König fand dies so amüsant, dass der Täter tatsächlich statt der Bestrafung eine Belohnung für seinen Mut und Witz bekam. Seitdem gelten die Löwen als Glücksbringer.

 

6. Viktualienmarkt

„Viktualien“ bezeichnet ein anderes Wort für Lebensmittel. Nicht immer befand sich der Markt aber da wo wir ihn heute alle kennen. Bis 1807 war er auf dem Schrannenplatz, dem heutigen Marienplatz, zu finden. An seinem heutigen Standort war damals das Heilig-Geist-Spital, eine aus dem Mittelalter stammende Stiftung für Arme, Kranke, Witwen und Weisen, angesiedelt. Doch der Schrannenplatz war als Handelsort für Getreide und Agrarprodukte zu klein geworden und so befahl König Max I. Joseph einen Teil des Marktes zwischen Heilig-Geist Kirche und Frauenstraße zu verlegen. Schon kurz darauf musste der Markt wesentlich erweitert werden und das Heilig-Geist-Spital wurde abgebrochen. Seit 1870 gibt es fest Stände. 1890 erreichte er seine heutige Größe. Seit den 1950er Jahren entwickelte er sich zum Feinschmeckermarkt. Heute beherbergt er auf einer Fläche von 22.000 Quadratmetern 140 Firmen, die von Brot, Früchten und Fleisch bis zu Blumen und Kunsthandwerk alles anbieten. Die Mitte des Platzes schmückt ein Maibaum und über den Markt verteilt stehen Brunnen mit den Figuren Münchner Originale.

 

7. Frauenkirche

Die Frauenkirche ist wohl das bekannteste Wahrzeichen Münchens. Trotzdem gibt es einiges, das nur die wenigsten tatsächlich über sie wissen. Vor ungefähr 700 Jahren stand an Stelle der Frauenkirche schon einmal eine Marienkirche. Die reichen Münchner Bürger aber fanden diese zu unmodern und klein und beschlossen deshalb eine neue zu bauen. Mit dem Bau begonnen wurde 1468; fertiggestellt wurde sie um 1488. Bis die berühmten Türme allerdings abgeschlossen waren dauerte es noch weitere 37 Jahre. Als „Welsche Hauben“ oder auch „Zwiebelturm“ bezeichnet man diese Dachform. Die Türme sind nicht gleich hoch: der Nordturm misst 98, 57 Meter, der Südturm 98,45 Meter. Warum dies so ist, darüber gibt es bloß Spekulationen. Der nördliche Turm wurde als Nullpunkt der bayerischen Landesvermessung gewählt. Sogar Namen wurden für die beiden Türme gewählt: Stasi für den Südturm und Blasi für den Nordturm. Zurück geht das auf einem Zeitungsaufruf in den 50er Jahren, wo Leser Vorschläge einreichen konnten. Stasi und Blasi waren bekannt aus der Erkennungsmelodie der Münchner Geschichten in der beliebten Radiosendung „Die weißblaue Drehorgel“.

 

8. Drückebergergasse

Die etwas über 50 Meter lange Gasse verbindet Residenzstraße und Theatinerstraße, kurz bevor diese beiden an der östlichen und westlichen Seite der Feldherrnhalle in den Odeonsplatz münden. Der Name geht auf Hitlers gescheiterten Putschversuch am 9. November 1932 vor der Feldherrnhalle zurück, bei dem 16 Putschisten

©Josephina Richardt

und vier Polizisten ums Leben kamen. 1933 wurde an der östlichen Seite der Halle ein Ehrenmal mit den Namen der getöteten Putschisten und der Inschrift „Und ihr habt doch gesiegt“ errichtet. Während des dritten Reichs war Tag und Nacht eine SS-Ehrenwache dort positioniert. Von allen Vorübergehenden wurde eine Ehrenbezeugung in Form des Hitlergrußes erwartet. Wer das nicht wollte, der konnte aber die Residenzstraße an dieser Stelle meiden und stattdessen durch die kleine Viscardigasse gehen oder die Theatinerstraße westlich der Feldherrnhalle benutzen. In Anspielung darauf, auf die Drückeberger erhielt die schmale Viscardigasse ihren bekannten Namen Drückebergergassee, oder auch Drückebergergassl.

 

9. Fischbrunnen

Der Fischbrunnen ist einer der beliebtesten Treffpunkte in München. Schon im Jahr 1318 waren Brunnen nachgewiesen, die als Schöpf- und Ziehbrunnen bis zum Münchner Grundwasser reichten. Ab 1471 war der Brunnen am Marienplatz der einzige Brunnen der an die erste Wasserleitung angeschlossen war. Am 19. September 1866 kam der Vorgänger des uns heute bekannten Fischbrunnens in Betrieb.

©Josephina Richardt

Er wurde von Konrad Knall gestaltet. Im Brunnen selber standen vier Metzgerburschen, die Wasser in Eimern in den Brunnen schütteten. Über ihnen fanden sich vier musizierende Kinder und ganz oben ein Altgeselle mit erhobenem Becher. Die am Beckenrand eingemeißelte Zahlt 1884 steht für das Jahr seit dem aus dem Brunnen Wasser aus dem Mangfalltal fließt. Nach der kriegsbedingten Zerstörung 1944 gestaltete Josef Henselmann den Brunnen unter Verwendung der drei erhalten gebliebenen Metzgerfiguren neu. Die von einem bronzenen Fisch gekrönte Mittelsäule wurde von Henselmanns Schüler Otto Kallenbach entworfen und erinnert an jene Zeit, als der Marienplatz noch als zentraler Marktplatz galt und Fischhändler ihre noch lebende Ware in das frische Brunnenwasser hängten. Die Metzgerfiguren spielen auf die Tradition des Metzgersprungs an, wo bis zum zweiten Weltkrieg am Rosenmontag die Metzgerlehrlinge als eine Art Taufe ins Wasser sprangen und untergetaucht wurden.

 

10. Das Münchner Kindl

Das Münchner Kindl ist die offizielle Wappenfigur Münchens. Im silbernen Wappenschild blickt es nach rechts und ist als Mönch mit goldgeränderter schwarzer Kutte und roten Schuhen dargestellt. In der linken Hand hält es ein rotes Eidbuch, die rechte hat es zum Schwur erhoben. Manche vermuten, dass es sich bei dem Eidbuch ursprünglich um das Stadtrechtbuch oder ein Evangelienbuch und bei der Schwurhand um eine segnende Hand handelt. Der Mönch weist auf ein im Stadtgebiet bestehendes Kloster von Mönchen hin, auf die laut einer Theorie der Name München beruht. Mit der vermehrten Darstellung der Wappenfigur wurde der Mönch immer mehr verkindlicht und in den 1920er Jahren wurde aus einem Jungen ein Mädchen, das Münchner Kindl.

Das Münchner Kindl auf dem Rathausturm

Das Münchner Kindl findet sich heute überall wenn man die Augen offen hält; es thront auf dem Rathausturm, den Säulen am Odeosplatz, versteckt sich auf unzähligen Logos, Trambahnwagen, Bierkrügen, Plakaten und Postkarten. Die heutige offizielle Graphik des Münchner Kindls stammt von Eduard Ege.

 

Josephina Richardt

2 Kommentare

  1. „Minga“ anstelle von „München“ haben die Einwohner der Landeshauptstadt im Übrigen noch nie (oder höchstens in grauer Vorzeit) gesagt, solch bäuerischen Ausdruck überließ man den Menschen vom flachen Land.

    Kommentar absenden
  2. „Minga“ anstelle von „München“ haben die Einwohner der Landeshauptstadt im Übrigen noch nie (oder höchstens in grauer Vorzeit) gesagt, solch bäuerischen Ausdruck überließ man den Menschen vom flachen Land.

    Kommentar absenden

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.