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Er fragt – Sie fragt

Sie fragt Ihn – Zwei Gesichter

Unsere beiden Autoren eint ein Wunsch: Das andere Geschlecht zu verstehen. “Schnurzelburzel” und “Honigmäulchen” stellen sich in dieser unikaten Serie regelmäßig Fragen, deren Antworten die Gemütslagen, Vorstellungen und Gedankengänge des anderen Geschlechts erhellen sollen. Diese Woche:

Wieso redet ihr unter Kumpels oft anders als mit eurer Freundin?

Liebes Honigmäulchen,

stell dir einmal vor, du würdest zum Arzt gehen. Vielleicht hast du nur einen Furunkel am Fuß. Eventuell willst du aber auch nach dem restlosen Absturz vom Wochenende mal wieder ein prophylaktisches großes Blutbild machen lassen, um zu sehen, ob deine Blutkörperchen bereits durch Hopfenzellen ersetzt wurden. Der Arzt kommt zur Tür rein und begrüßt dich, anstatt mit einem „Guten Tag“ oder einem „Na, was fehlt uns denn?“, mit den Worten: „Servus alte Wurschthaut, alles senkrecht im Gebälk?“.

Wäre irgendwie komisch oder? Okay, das Beispiel ist vielleicht ein bisschen extrem. Aber im Prinzip läuft es genau auf deine Frage hinaus. Warum erwartet man gegenüber bestimmten Personen ein anderes Verhalten bzw. wieso verhält man sich in der Gegenwart verschiedener Leute jeweils unterschiedlich? Denn dass ich mit meinen Freunden teilweise anders rede, als mit meiner Freundin ist ja auch nur eine Form von spezifischem Verhalten.

Romeo als Wurstverkäufer

Ehrlich gesagt ist das eine Frage, die sich wohl kaum so einfach beantworten lässt. In der Soziologie gibt es dazu das Konzept der sozialen Rollen. Knapp zusammen gedampft spielen wir demnach (wie Schauspieler im Theater), unterschiedliche Rollen, je nachdem mit wem wir interagieren. Jede Rolle bringt ein mehr oder minder festes Set von Handlungen mit, welche in der Situation möglich sind. Die Rolle schränkt also den Spielraum der Akteure ein. Romeo stirbt eben am Ende des Stücks immer und eröffnet keinen Laden für italienische Wurstspezialitäten.

Abseits der trockenen Theorie, lässt sich das auch im echten Leben überall finden. Unser Chef verhält sich uns gegenüber anders als unsere Mutter und unsere Freunde agieren auch anders als unsere Geschwister. Naja und in Bezug auf Kumpels und Freundin lässt sich das eben auch anwenden. Meine Freunde kennen und erwarten eben gewisse andere Züge von mir als meine Partnerin.

Einfach etwas anderes

Aber ganz so klar abgegrenzt lässt sich das auch nicht sehen. Immerhin teilen ja auch nicht alle meine Freunde meine Interessen und nicht alles was ich Kumpel „A“ erzähle, würde ich auch Kumpel „B“ mitteilen. Es kann eben nicht jede Facette meines Charakters in jeder Situation zum Vorschein kommen. Was aber im Umkehrschluss auch nicht heißen muss, dass die Wesenszüge, die bei einem Treffen mit meinen Freunden viel wahrscheinlicher sind als beim Date mit der Freundin, dieser komplett verwehrt bleiben.

Zusätzlich machen Frauen das ja ebenfalls. Jeder, der schon mal eine Gruppe Freundinnen beim „Germany’s next Topmodel“ gucken beobachtet hat, weiß das ganz genau. Denn da kreischt die ein oder andere Herzensdame teilweise so oft unkontrolliert umher, wie es beim gemeinsamen Fernsehabend wohl auch eher nicht vorkommt.

Die Antwort mag vielleicht unbefriedigend sein. Aber im Grunde sprechen wir Männer (oder verhalten uns) untereinander eben anders, weil es schlicht etwas anderes ist, als mit der Freundin zu reden.

Ich hoffe also, du kannst mein Verhalten nun etwas besser verstehen,

Dein Schnurzelburzel

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