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10 Dinge, die den Winter in Süditalien von dem in München unterscheiden

Überwintern in Sizilien

Nur zwei Flugstunden und 39€ (mit der Fluggesellschaft Transavia) von München entfernt, befindet sich auf einer Insel, die zu den schönsten und geschichtsträchtigsten des gesamten Mittelmeerraums zählt, die zehntgrößte Stadt Italiens – Catania. Während meines Auslandssemesters dort von Oktober bis Februar machte ich, wie wohl jeder Erasmus-Student, gute und schlechte Erfahrungen, lernte eine neue Kultur kennen und lieben und stellte mich neuen Herausforderungen. Gleichzeitig wurde mir im Laufe der fünf Monate eine Tatsache immer mehr bewusst: Der Winter in Sizilien unterscheidet sich deutlich von dem, was man in München gewohnt ist. Diese Erkenntnis will ich anhand von 10 Beispielen veranschaulichen:

Anfang Januar über den Dächern Catanias. (c) Marina Babl

1: Der Winter beginnt deutlich später.

Während man in Deutschland schon lange die Herbst- und Winterklamotten aus den Schrankecken hervorkramen musste, kann man sie in Sizilien guten Gewissens noch ein wenig verstauben lassen. Mit etwas Glück locken spätsommerliche Temperaturen bis in den November hinein nach draußen und an den Strand. Der große Vorteil dabei: Den Sizilianern ist es schon ab September zu kalt zum Baden, die Hauptsaison für Touristen ist vorbei und so hat man wunderschöne Strände fast für sich alleine.

2: Bestes Ausflugswetter ohne Touristenströme.

Auch wenn irgendwann der Zeitpunkt kommt, ab dem man sich mit T-Shirt und kurzer Hose eher eine Erkältung als einen Sonnenbrand holt, sind die Wetterbedingungen im sizilianischen Winter perfekt, um die Insel zu erkunden, ohne sich dabei schwitzend durch Touristenmassen zu schieben. Städtetrips und Wanderausflüge gestalten sich so deutlich angenehmer als im Hochsommer und mit etwas Glück spart man sich dank Nebensaison an manchen Orten sogar die Eintrittspreise.

Bestes Wanderwetter im Dezember – hier auf „La Rocca“ in Cefalù im Norden Siziliens. (c) Marina Babl

3: Das Leben spielt sich weiterhin draußen ab.

Der Sizilianer hält es auch im Winter auf Dauer nicht in seiner Wohnung aus. Die Piazzas sind weiterhin voller Menschen und die Cafés und Bars rüsten ihre Sitzplätze draußen (oft ist drinnen der Platz recht begrenzt) mit Heizpilzen und Zelten so auf, dass man auch abends ohne zu frieren an der frischen Luft Pizza essen oder Cocktails schlürfen kann.

4: Weihnachten ohne Glühwein, dafür mit vielen Lichtern und Musik.

Hier in Deutschland gehören Christkindlmärkte, Glühwein und im besten Fall ein wenig Schnee zu den Haupteinflüssen, die uns helfen, in Weihnachtsstimmung zu kommen. In Sizilien sucht man nach diesen Dingen vergeblich. Doch auch der Süditaliener will natürlich zeigen, dass er sich auf Weihnachten freut und so leuchten Straßen, Plätze und Balkone in den buntesten Farben und aus fast allen Geschäften ertönt lautstarke Weihnachtsmusik, meist in englischer Sprache. Man kommt also auch in Sizilien nicht daran vorbei, sich freudig auf Geschenkesuche zu begeben, Handschuhe und Mütze aber kann man getrost zuhause lassen.

5: Keine Heizung – (k)ein Problem.

Da es den Sizilianern einen Großteil des Jahres eher zu warm als zu kalt ist, sind die Häuser bewusst darauf ausgelegt, Wärme schlecht zu speichern und in den meisten Fällen wird eine Zentralheizung als unnötige Geldausgabe betrachtet. Für gewöhnlich ist dies kein allzu großes Problem, aber wie in ganz Europa war dieser Winter auch für Sizilien ungewöhnlich kalt. So versteckte ich mich einen Großteil des Januars über mit mehreren Schichten aus Socken, Pullis und Decken in meinem Bett und bewegte mich nur ausgerüstet mit Deckenumhang oder Winterjacke durch die Wohnung. Meine italienischen Mitbewohnerinnen, die ebenfalls froren, zeigten sich ein wenig verwundert: „Du kommst doch aus Deutschland, da ist man doch Kälte gewohnt.“

6: Jacke oder keine Jacke – das ist hier die Frage.

Die Kälte innerhalb der eigenen vier Wände kann sehr verwirrend sein. Wenn man mit zwei dicken Pullovern und Schal am Schreibtisch sitzt und trotzdem friert, vergisst man viel zu schnell, dass es draußen eigentlich sogar recht warm wäre. Verlässt man dann das Haus und zieht sich vorher zusätzlich noch eine Jacke über, wird einem ironischerweise schnell viel zu warm und man zieht die Hälfte der Kleidungsschichten wieder aus.

7: Feierwahnsinn Teil 1: Fest der Stadtheiligen Sant’Agata.

Catania während der Sant’Agata-Festlichkeiten mit überfüllten Straßen und einem geschmückten Domplatz. (c) Marina Babl

Während in Deutschland nach Weihnachten kaum noch bunte Lichter die dunklen und kalten Winternächte erhellen, nehmen in Catania die Feierlichkeiten kein Ende: Kaum ist Weihnachten vorbei, beginnen die Vorbereitungen für das Fest der Stadtheiligen Sant’Agata und die Stadt zeigt sich noch beleuchteter, geschmückter und lebendiger als vorher. Offiziell fällt der Feiertag auf den 5. Februar, tatsächlich beginnen die „Catanesi“ aber schon Wochen vorher, kleine, verzierte Minialtäre, sogenannte „Candelori“, tänzelnd durch die Straßen zu tragen und die Stadtheilige anzubeten. Beinahe täglich finden Feuerwerke statt, manchmal unsinnigerweise sogar unter Tags. Am Festwochenende selbst kommen Gläubige aus ganz Italien in Catania zusammen, um zu Agata zu beten, sie in einem Festumzug quer durch die Stadt zu begleiten und dabei die Straßen zu verstopfen – ein faszinierender Feierwahnsinn, den ich so vorher noch nie erlebt habe.

8: Feierwahnsinn Teil 2: Fasching in Acireale.

Auch nach den Sant’Agata-Festlichkeiten nehmen die Feierlichkeiten kein Ende. Der „Carnevale di Acireale“ in einer Kleinstadt nur wenige Kilometer von Catania entfernt, bietet einen der schönsten und größten Faschingsumzüge Italiens. Die Wägen sind mit unglaublich viel Präzision, Kreativität und Liebe zum Detail gestaltet, sodass selbst Faschingsmuffel ins Staunen geraten.

9: Skifahren auf einem Vulkan.

Verschneite Vulkanhänge laden zum Skifahren ein. (c) Marina Babl

Auch wenn es in Sizilien fast immer und überall zu warm für Schnee ist, gibt es hier eine bedeutende Ausnahme: den mit rund 3300 Metern höchsten Vulkan Europas. Während der Ätna im Sommer zu Wanderungen durch beeindruckende Vulkanlandschaften einlädt, lockt im Winter ein kleines, aber feines Skigebiet mutige Wintersportler zu den verschneiten Hängen und einem völlig neuen Skifahrerlebnis.

10: Der Winter geht zu Ende, bevor er richtig angefangen hat.

Während die Skisaison auf dem Ätna noch in vollem Gange ist, verabschiedet sich der Winter im Laufe des Februars schon wieder aus den Küstenregionen Siziliens und Frühlingsgefühle liegen in der Luft. So kann man schon einen kurzen Sprung ins Meer wagen und die Sonne bei einer Kugel Eis genießen.

Marina Babl

 

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