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Von Teilchen zu Teilen

Im Interview mit XOHO-Labelgründer Thomas Kafka

Eigentlich hat technische Mikrobiologie nicht viel mit Mode zu tun. Im Leben von Thomas Kafka gehen sie Hand in Hand: Der gebürtige Schwabe promoviert an der TU und hat sich als Kontrastprogramm ganz der Mode verschrieben. Er gründete sein eigenes Label XOHO, weil er seine „kreative Abwechslung“ braucht.
Wie ein typischer Tagesablauf bei ihm aussieht und was seine Mode ausmacht, das erklärt er uns im Interview.

Wie schaffst du den Spagat zwischen Modelabel und Promovieren an der Uni?

Es ist manchmal schon kompliziert. Meistens bin ich von morgens bis Mittag an der Uni und mache dort meine Arbeit. Dann nachmittags, wenn ich zuhause bin, setze ich mich an meinen PC und entwerfe neue Produkte. Aber es ist dann doch nicht immer so einfach, weil man natürlich abends auch nicht immer motiviert ist (lacht).

Führst du das Label ganz alleine oder hast du noch Leute, die dich in den Aufgaben unterstützen?

Also momentan bin ich noch ganz alleine.

Thomas Kafka. © XOHO.

 

 

 

 

 

 

Woher kommt denn eigentlich die Idee und was bedeutet „XOHO“?

Ich war schon immer an Mode interessiert und habe mir schon früh Gedanken darüber gemacht, mir selbst Kleidung zu machen, weil ich oft unzufrieden war. Dann habe ich das einfach während der Doktorarbeit in die Hand genommen und habe die ersten paar Produkte produzieren lassen. Meiner Freundin hat es richtig gut gefallen und dann dachte ich mir, wenn ich mir schon die ganze Mühe mache, dann kann ich es auch gleich online anbieten. Und „XOHO“ hat keine spezielle Bedeutung. Ich wollte einen Namen, der schlicht ist, den man sich aber gleichzeitig auch gut merken kann. Und nach langem hin und her bin ich dann auf „XOHO“ gekommen.

©  XOHO.

Du warst unzufrieden mit der Mode. Inwiefern?

Ich beziehe das vor allem auf die Qualität. Dass man zum großen Hersteller geht, sich ein Shirt kauft und es dann nach einmal waschen doch gut einläuft und man es schnell wegwirft. Und ich hatte die Inspiration für einen besonderen Druck auf einem T-Shirt. So wie ich mir das vorgestellt habe, konnte ich das aber nirgendwo finden. Diese zwei Gründe haben mich dann dazu gebracht, eigene Shirts zu machen. Und ich versuche, meine eigenen Shirts jetzt auch in hoher Qualität anzubieten.

Also hat es für dich auch viel mit Individualität zu tun?

Ja auf jeden Fall, das ist der Hauptfokus. Dadurch, dass ich auch stark limitierte Auflagen habe, will ich den Leuten die Möglichkeit geben, auch nach meinem Motto „be limited edition all around the world“ als limitierte Auflage rumzulaufen und etwas zu tragen, was nicht jeder hat.

Ist das deine Hauptmotivation oder möchtest du auch ein Zeichen im Sinne von „Slow Fashion“ und Nachhaltigkeit setzen?

Heute ist alles geprägt von dieser Wegwerfgesellschaft und das ist ein Grund, warum ich keine übertrieben billige Ware anbieten will. Denn wenn man sich ein Shirt für 25-35 € statt 5-10 € kauft, denkt man viel eher drüber nach, ob man das wirklich haben will. Dazu will ich die Leute anregen, dass sie sich mehr Gedanken über ihren Konsum machen. Meine Teile sollen dann auch wirklich ein paar Jahre halten.

Wie stark bist du beeinflusst von aktuellen Trends?

Also eigentlich mache ich nur das, was mir gefällt (lacht). Aber letztes Jahr kam zum Beispiel die Gym-Bag, die man dann auf der Straße gesehen hat und die hat mir dann so gut gefallen, dass ich das Modell auch mit in meinen Online-Shop aufgenommen habe. Aber grundsätzlich orientiere ich mich nicht an irgendwelchen Fashionmagazinen, sondern mache es, wie es auch angefangen hat: ich mache das worauf ich Lust habe, was mir gefällt, was ich tragen würde.

©  XOHO.

Wen siehst du in deiner Kleidung?

Ich denke so von 15 bis 40 oder noch älter. Jeder, der sich mit der Marke identifizieren kann, der ein bisschen rausstechen will. Ich habe aber keine spezielle Zielgruppe. Ein bisschen sportlich ist die Kleidung halt vom Schnitt her schon. Und am ehesten würde ich mich daher bei jungen Menschen ansetzen, die zum Beispiel Snowboarder, Surfer oder Skater sind, also irgendeine Affinität zum Sport haben.

Du hast das Ziel, die Leute auf der ganzen Welt anzusprechen. Wie willst du das durchsetzen?

Das ist gerade nicht so einfach, vor allem, weil ich jetzt auch am Ende meiner Promotion stehe. Aber ich plane, eine Kooperation einzugehen mit Leuten, die sich dann primär um das Marketing kümmern. Ich versuche auch, Kooperationen mit anderen Fotografen zu suchen.

Auch mit anderen Modelabels?

Ja, da hat sich bis jetzt noch nichts ergeben, aber ich bin jetzt schon so ein bisschen in der Szene drin und merke, dass andere Labels da auch sehr offen sind, dass den Leuten gefällt, was ich mache und dass sie mich als Newcomer auch Supporten möchten. Es sind jetzt auch ein paar Projekte geplant.

Zum Beispiel die Kooperation mit dem Tatoostudio Lausbub aus Heilbronn.

Unser Slogan ist „Spread Love“.

„Spread Love“, da musste ich jetzt sofort an Mick Jenkins denken. Wie sieht es denn mit deiner Verbindung zur Musik aus? Woher nimmst du deine Inspiration?

Eine Beziehung zur Musik habe ich definitiv. Aber angesiedelt bin ich vom Genre her eher im Melodic House. Aus dem Hip-Hop kann es sein, dass ich da mal ein Wort aufschnappe und dann verwende. Die Musik ist aber auf jeden Fall eine sehr wichtige Inspirationsmöglichkeit.

©  XOHO.

Du hast bisher nur einen Onlineshop. Könntest du dir vorstellen auch einen Shop in München oder Freising mit deiner Ware zu bestücken?

Das auf jeden Fall, das ist auch eines meiner nächsten Ziele. Einen Shop zu finden, der dann meine Ware führt, damit jeder auch die Möglichkeit hat, meine Kleidung vor Ort zu erwerben. Ich bin gerade auf der Suche und hoffe, dass ich bald fündig werde.

Welche Chancen und Probleme siehst du allgemein für Modelabels in München?

Um sich in der Modeszene im Allgemeinen durchzusetzen, braucht man schon wirklich ein sehr gutes Marketing oder eine Idee, die vorher noch nicht da war. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass die Ware präsent ist, dass man sie vor Ort anschauen kann und nicht erstmal die Hürde über den Onlineshop nehmen muss.

Wie zufrieden bist du mit der Auswahl an individueller Mode in München?

Eigentlich bin ich ganz zufrieden. Gerade auch den Münchenbezug haben ein paar Labels und das gefällt mir. Also ich denke, da kann man sich nicht beschweren. Da ist für jeden was dabei.

Miriam Fendt

 

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