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Gehen wir jetzt nur noch zu zweit aufs Klo?

Der Umgang mit dem Vorfall an der LMU

„Um weitere Verletzungen zu vermeiden, ließ sie die sexuellen Handlungen schließlich über sich ergehen.“ – Wer diesen Satz liest, muss erst mal schlucken. Eine Vergewaltigung ist keine Verletzung, die heilt. Vielleicht äußerlich, sicherlich nicht innerlich. Es ist kein gebrochener Arm oder eine Mandelentzündung. Es ist eine sexuelle Vergewaltigung. Und schlimmer noch. Es ist keine Verletzung, die man zeigt. Von der man spricht.

Erleichternd: Der Täter wurde gefasst.

Nach dem Vorfall am Freitag, trifft die nächste Meldung ein. Ein weiteres Mal wollte ein Mann in eine besetzte Kabine der Frauentoilette eindringen. Doch die Studentin konnte sich erfolgreich wehren und wurde von zwei anderen gehört, die die Polizei verständigten. Der mutmaßliche Täter wurde mittlerweile festgenommen und gestand beide Taten. Und trotzdem fragen wir uns: Wie gehen wir damit um? Wie schützen wir uns am besten?

Allgemeiner Konsens ist, dass auch wir Frauen uns sicher an der LMU fühlen. Der Vorfall macht uns jedoch aufmerksamer und das sollen wir laut LMU Pressestelle auch sein. Bei über 150 Gebäuden ist die Fläche nun mal zu groß, um überall Sicherheitspersonal zu haben.

Eine unserer Redakteurinnen beschreibt jedoch sehr genau, wie sich manche von uns fühlen:

Am Montagabend bin ich auf die Toilette im Schweinchenbau gegangen. Schon auf dem Weg zum Klo hatte ich ein mulmiges Gefühl. Während ich in der Kabine war, wurde die Außentür stürmisch aufgerissen und ich hörte jemand in den Toilettenraum rennen. Mir brach der Schweiß aus. Panisch lauschte ich der Stimme und überlegte mir, was ich als nächstes tue. Doch das Gekicher von zwei Mädchen erlöste mich. Die zwei Studentinnen waren offensichtlich aus Spaß oder aus Dringlichkeit in den Raum gestürmt. Nicht ahnend, dass irgendjemand das falsch interpretieren könnte. Warum auch? Deutschland ist sicher, München ist sicher und unsere Universität erst recht. Dachten wir. Doch so einfach ist es wohl nicht. Sollen wir also nun Selbstverteidigungskurse belegen und in Gruppen aufs Klo gehen? Sollen wir Pfefferspray überall und jeder Zeit griffbereit haben? Das ist sicher nicht der richtige Weg, also stellt sich mir die Frage: Was kann man tun? Wie kann man sich selbst und andere schützen? – Marina Schmidt

Doch mulmig wird einem trotzdem, wenn abends vor der Bibliothek obdachlose Männer umhergehen, die die Schließfächer auf Geld und Pfand prüfen. Kann man das vermeiden?

Ja, universitätsfremden Personen kann man den Zugang verweigern oder zumindest erschweren. Universitäten im Ausland sind längst nicht so offen zugänglich wie in Deutschland. In Frankreich müssen Studenten ihren Ausweis vorzeigen und die Taschen leeren, um ins Gebäude zu kommen. In den Vereinigten Staaten von Amerika haben teils schon Schüler einer High School eigene Zugangskarten mit Foto, die sie vorzeigen müssen. Aber Halt. Wenn auch nicht von der LMU selbst, der Täter war ein Student. Einer von uns. Mit Abitur und Mathekenntnissen.

So einfach ist es nun also doch nicht, denn die meisten Universitäten sind staatliche Institutionen und somit öffentlich zugänglich wie das Rathaus. Der Täter hätte jedoch auch ein Student der LMU sein können und wäre unauffällig durch jede Sicherheitsschranke durchgekommen.

Und jetzt?

In dem Statement von Präsident Huber heißt es, dass Konsequenzen mit der Polizei besprochen werden. Die LMU Pressestelle weist außerdem darauf hin, dass das Sicherheitskonzept an der LMU regelmäßig angepasst und optimiert wird. Doch gerade dieser Fall zeigt, dass man nicht auf alles vorbereitet sein kann. Doch Lösungen bleiben zunächst vage. Kameraüberwachung hätte die Tat von Freitag schneller aufgeklärt, jedoch nicht verhindert. Auch die Fläche der Universität macht es schwierig. Sicherheitspersonal für so viele Gebäude können das Risiko eines Übergriffs mindern, jedoch nicht ausschließen.

Auch nach diesem Vorfall sollten wir uns in so alltäglichen Dingen nicht eingeschränkt fühlen. Die Angst soll nicht jedes Mal im Nacken sitzen. Doch benutzt euren Verstand, schaut lieber einmal mehr als weniger oder nehmt euch einfach jemand anderen mit – eine gute Begründung, wieso Frauen immer gemeinsam auf die Toilette gehen, haben wir ja jetzt.

Sandra Will

 

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