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Der ewige Stenz

Ausstellung im Literaturhaus über den Regisseur und Drehbuchautor Helmut Dietl und sein München

© Rolf Hayo

Monaco Franze, Kir Royal, Münchner Geschichten, Der ganz normale Wahnsinn oder Rossini: In München sind sie Kult. Und mit ihnen der Regisseur und Drehbuchautor Helmut Dietl. 2017 jährt sich sein Todestag bereits zum zweiten Mal, am 30. März 2015 starb er im Alter von 70 Jahren und München musste für immer „pfiadi“ sagen zu einem der größten Regisseure der bayerischen Landeshauptstadt der Siebziger- und Achtzigerjahre. Das Literaturhaus widmet ihm, dem ewigen Stenz, derzeit eine Ausstellung, in dem nicht nur seine Erfolge in der Film- und Fernsehbranche beleuchtet werden, sondern auch die Privatperson Helmut Dietl selbst und sein Verhältnis zur Stadt München.

Über dem Eingang hängt in rotleuchtender Schreibschrift das Wort Monaco – italienisch für die Stadt München und Titel einer der bekanntesten Fernsehserien Münchens in den Achtzigerjahren. Der Boden ist schwarz-weiß kariert, die Wand ist mit Zitaten geschmückt, die aus Dietls verschiedenen Filmen und Serien stammen. Auf der gegenüberliegenden Seite hängen fünf Leinwände, davor stehen Tafeln mit Kerzenleuchtern. Der ganze Raum ist in den Farben weiß, schwarz und rot gehalten und erinnert an ein italienisches Restaurant. Vielleicht an das Romagna Attica, in dem Dietl täglich zu Abend aß und das auch als Vorbild für den Film Rossini diente? Das Ende des Saales schmückt eine Leinwand, die mit Bäumen, Natur und viel grün bemalt ist. Es erinnert an Dietls eigenen Garten in seinem Ferienhaus in Frankreich, der ihm so am Herzen lag. Ein Garten, der genauso inszeniert war wie sein Leben und der so schön war, dass er selbst als Bühne hätte dienen können.

© Florian Wenz

Am 22. Juni 1944 in Bad Wiessee geboren, wächst Dietl in Gräfelfing und Laim auf. Ohne Vaterfigur, aber dafür mit drei Frauen: seiner Mutter Else sowie seinen beiden Großmüttern. Durch die Mutter seines Vaters kommt er erstmals zum Fernsehen und übernimmt bereits als Fünfjähriger seine erste Filmrolle. Als Jugendlicher schreibt er Gedichte und zieht mit seiner Mutter schließlich nach Schwabing, wohin er später den Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens projizieren wird. Nach dem Abitur studiert Dietl in München zunächst Theaterwissenschaften, doch beim Theater bleibt er nicht lange. Lediglich eine Inszenierung für die Münchner Kammerspiele (Lass ma’s bleiben) ist auf seinem Konto zu verbuchen, bevor er die Branche wechselt. Zum Fernsehen kommt er schließlich, wie sollte es anders sein, durch eine Frau. Die 20 Jahre ältere Elfie Pertramer, Star des Bayerischen Fernsehens, wird seine Lebensgefährtin. Als er den Schriftsteller Patrick Süßkind kennenlernt, der bis zu seinem Tod ein treuer Weggefährte bleibt, sowohl beruflich als auch privat, schlägt er eine neue Richtung ein: Er wird Drehbuchschreiber und Autor. Ja, als Autor hat er sich selbst immer gesehen und bezeichnet, nicht als Regisseur.

Dietl und die Frauen

Nicht nur Elfie Pertramer, auch die Frauen seiner Kindheit prägen Dietls Karriere. Denn sie nehmen nicht nur großen Einfluss auf sein privates Leben, sondern auch auf die weiblichen Figuren in seinen Serien und Filmen. Stets treten Frauen als positive Figuren auf, sind am Ende die „Gewinner“. So orientiert er sich beim Erschaffen der Figuren häufig an den Persönlichkeiten seiner Großmütter und seiner Mutter, die er als wichtigste Frau seines Lebens bezeichnet. Spätestens hier verschmelzen Leben und Kunst endgültig. Doch nicht nur hier: Wie seine Figuren ist Helmut Dietl als Frauenheld allgemein bekannt, ganze vier Mal war er verheiratet und hatte zahlreiche Liebschaften – wieder ein Punkt, in dem reales Leben und Fiktion nicht voneinander zu unterscheiden sind.

© Florian Wenz

Dietl und München

Aber er liebt nicht nur die Frauen. Über die Stadt München sagt er einmal: „Ich wollte sie besitzen wie eine Geliebte“, und macht die Landeshauptstadt zur Bühne seines Theaters. Er kreiert für München ein Konzept des besseren Lebens, Schwabing als geistige Lebensform und inszeniert die Münchner Schickeria als Bussi-Bussi Gesellschaft. Doch auf Dauer wird es ihm in Bayern zu eng, sodass er über den Atlantik in die USA flüchtet und einige Zeit in Los Angeles lebt. In der Ferne findet er dann seine Liebe zu München wieder:
 „Aus der Entfernung war für mich München ja das gelobte Land, das war ja der Wahnsinn. Ich war ja der glühendste Münchner von Los Angeles“, erzählt Dietl 1986 in der Talkshow Heut abend und fügt hinzu: „Manchmal muss man gehen, um die Liebe und Nähe wieder zu finden.“ Das Heimweh soll ihm später einen seiner größten Erfolge bescheren, in Kalifornien hat er nämlich die Idee zum Monaco Franze.

Figuren als Selbstporträt

© Florian Wenz

In der von Helmut Fischer verkörperten Figur steckt einiges von Dietl selbst. Und wer mehr über ihn weiß oder ihn womöglich sogar persönlich kannte, dem fallen so einige Gemeinsamkeiten zwischen der echten Person und auch den anderen von ihm erfundenen Figuren auf. In allen von ihnen steckt ein bisschen Helmut Dietl. Doch auch wenn sie nicht komplett frei erfunden sind, sind sie keinesfalls reine Nacherzählungen seines Lebens. Vielmehr testete Dietl mit ihnen Grenzen im Leben aus und versuchte die Frage zu beantworten, was in einem Leben alles möglich ist. Dadurch, dass jeder Held ein kleines Selbstporträt darstellt, erscheinen sie dem Zuschauer dennoch lebensnah.

Wer sich auch heute noch gerne Serien oder Filme aus den 70er oder 80er Jahren ansieht oder mehr über das Leben Helmut Dietls erfahren möchte, sollte sich die Ausstellung nicht entgehen lassen. Denn: A bissel was geht ja bekanntlich immer.

 

Ausstellung „Der ewige Stenz – Helmut Dietl und sein München“ noch bis zum 26. Februar 2017 im Literaturhaus

Literaturhaus München
Salvatorplatz 1
80333 München

Eintritt: 7 Euro/ 4 Euro ermäßigt (montags zahlen Schüler und Studenten nur 3 Euro)

Christina Schärfl

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