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Was zur Hölle???

Jesus sucht Frau – Höllenedition

Was passiert, wenn der Teufel, dessen zwei mehr oder weniger schlaue Töchter, Jesus, Maria, Gott, Maria Magdalena und auch noch der Heilige Geist aufeinandertreffen? Richtig – dann handelt es sich um das stolze neue Projekt der engagierten Moderatorin von Bibel TV: Jesus sucht Frau, oder auch: Schwiegersohn gesucht – Höllenedition. Denn das ist überhaupt die Lösung für das lästige Imageproblem des Teufels; eine Reality Show, die die Menschen in die Hölle lockt.

Zwar nicht wirklich auf Bibel TV, dafür aber im Rationaltheater München war dieses Schauspiel am 25. Januar 2017 zum ersten Mal zu sehen. Theaterwissenschaftsstudentin Inez Tanzil vermischte Klischees, Politik und Religion, würzte das Ganze mit einer gehörigen Portion Humor und ließ daraus die satirische Komödie „Was zur Hölle???“ auferstehen. Als Darsteller stehen Studenten der Theaterwissenschaft sowie freiberufliche Schauspieler/-innen auf der Bühne.

Im Himmel ist man „voll geil ey“

Harfe spielende Engel auf Wölkchen und Friede, Freude, Eierkuchen? Eher Pustekuchen! Im Himmel gibt’s die beiden Teenager Jesus und Maria Magdalena – pardon, „Magda“, denn das ist viel geiler –

©Elisabeth Moosreiner

im Selfiefieber, Maria auf der Suche nach einem guten Tropfen, einen Gott im Schlafanzug und einen überforderten Heiligen Geist, der zu allem Überfluss mit seiner Unbekanntheit zu kämpfen hat. Das alles verpackt im schönsten Fack ju Göhte-Style, in dem Jesus und Magda, aka Danger und Chantal, wunderbar aufzugehen scheinen. Dazu noch ein ständig klingelndes Telefon, dessen Anrufer ein dringendes Wörtchen mit Gott zu wechseln haben und das herrlich skurrile Bild ist perfekt. Das geht es ja fast genauso schlimm zu wie auf der Erde!

Wer zum Teufel will schon in den Himmel?

Jesus in die Hölle zu locken und ihn mit Teufels Töchtern bekannt zu machen ist die eine Sache. Eine andere ist es wenn auch der Heilige Geist beschließt, dass er den Himmel eigentlich ganz schön satt hat. Die heilige Dreifaltigkeit? Naja, gäbe es die nicht, wäre wohl auch der letzte Rest der Menschheit verloren. Doch das mit der Macht und Anerkennung ist gar nicht so einfach. Wenn man gerade schon so schön in Erinnerungen an alte Orgien schwelgt, könnte man sich ja möglicherweise zusammentun. Aber ist ein Teufelspakt wirklich das Beste? Oder vielleicht lieber ein ganz eigener Plan?

Jesus und Teufels Töchter Sindy & Schakkeline

©Elisabeth Moosreiner: Jesus und Teufels Töchter Sindy & Schakkeline

„That’s Drama!“

Für Struktur sorgt unter anderem Julia Hien, im Stück Moderatorin der Sendung „Auf ewig tot“. Immer wieder vermittelt sie zwischen Himmel und Hölle, sucht nach dem ultimativen Drama und zündet mit ihren Ideen den ersten Funken in den wachsenden Verstrickungen. Ihr Markenzeichen: Alliterationen!

©Elisabeth Moosreiner

Lebendige Satire mit Moral

Das Stück sprüht vor Witz und derbster Satire. Jeder wird die Seitenhiebe wieder erkennen, die sich wunderbar durch die Handlung schlängeln. Ein wenig Offenheit und Humor sollte man als Zuschauer allerdings mitbringen; so stoßen manche Sprüche vielleicht an die ein oder andere Grenze. Doch genau darum geht es unter anderem auch. Eine Kritik an der Menschheit, mal vorgetragen als riesengroßer Witz, nicht als Zurschaustellung des Schlechten im Menschen. Zwischen all den Lachern tauchen immer wieder Momente auf, in denen das Nachdenken einsetzt. Was zur Hölle??? ist nicht nur eine Komödie. Die Inszenierung hat durchaus ihre Moral. Bloß erfrischend anders verpackt und dadurch vielleicht umso wirkungsvoller. Damit verabschiedet sie sich noch einmal verspätet von dem ach so himmlischen Jahr 2016 und wünscht ein gutes – oder eher ein höllisches –  neues Jahr 2017. Wer also nichts gegen gute Parodie hat, wird sich hier fast genauso köstlich amüsieren wie Teufel und Co. auf Siegesfeier. Und wer nicht…der hat zu leiden wie Jesus unter Schlagerbeschall.

– Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle? – Hölle, Hölle, Hölle, Hölle!

Josephina Richardt

 

 

1 Kommentar

  1. Viel wahres darin, allerdings vermisse ich ein wenig die kritische Stimme des Zuschauers. Denn trotz Liebe und Respekt zur Arbeit der Künstler – perfekt war das Stück nicht.

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