Wir schreiben München – schreibt mit!

Ob es nicht auch anders geht?

Der Geheimtipp gegen Unistress

Dass gerade Münchner Studenten unter enormem Druck stehen ist nicht neu. Denn während Miet- und Lebenshaltungskosten in deutschen Großstädten immer weiter steigen, wächst auch die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Gute Studentenjobs und Praktika sind rar, doch die braucht es, um mit einem guten Lebenslauf beim künftigen Arbeitgeber punkten zu können. Durch die zunehmende Zahl der Abiturienten verschlimmert sich die Situation zusätzlich, und so kann der Prüfungsstress für manche das Fass zum Überlaufen bringen. Dass dies nicht sein muss und es durchaus Alternativen gibt, zeigt das Beispiel des sogenannten Jantelagen in Schweden.

Dabei handelt es sich um ein ungeschriebenes Gesetz, das in den skandinavischen Kulturen großen Einfluss hat. Es fordert Rücksichtnahme für alle Mitmenschen und Schlichtheit statt Protzerei. Dementsprechend spielen akademische Grade und Luxusgüter wie teure Sportwagen im nordeuropäischen Alltagsleben kaum eine Rolle. Man verhält sich solidarisch und begnügt sich mit einem „normalen“ Durchschnittsleben, Angeberei und Egoismus sind hier verpönt. Dementsprechend gibt es einen viel geringeren Erfolgsdruck in den skandinavischen Ländern, die, Studien zufolge, zu den glücklichsten der Welt zählen.

Wie sähe also das Alltagleben deutscher Studenten aus, würden wir uns dem Jantelagen öffnen? Könnte das wirklich für eine gewisse Entlastung sorgen? Tatsächlich verliert es in Skandinavien selbst allmählich an Bedeutung. In Metropolen wie Stockholm kann es gegen Individualitätsdrang und Erfolgsstreben nicht lange bestehen, da das hektische Großstadtleben schnelle Veränderungen mit sich bringt, denen provinziale Normen wie das Jantelagen nichts entgegensetzen können. Gleichzeitig ist es gerade bei jungen Leuten sehr unbeliebt, die kein durchschnittliches Mitglied einer einheitlichen Masse sein wollen. Außerdem wird es durch die Globalisierung bedroht: Durchschnittlichkeit bietet im internationalen Wettbewerb einfach keine Vorteile.

Das Jantelagen, das bereits vor hundert Jahren großer Kritik ausgesetzt war, wird es wohl auch in Zukunft geben. Es ist dabei vor sozialen Veränderungen nicht gefeit, und das ist gut so. Ähnlich dürfte es der deutschen Konkurrenzgesellschaft ergehen – Normen haben ein Verfallsdatum, und werden sie zu einschränkend, ist es damit erreicht. Vielleicht würde uns eine vorsichtige Prise Jantelagen nicht schaden. Mancher Münchner Student dürfte sich darüber freuen.

Sebastian Schindlbeck

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.