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Nur 30 Punkte für den Schnatz

Die deutschen Quidditchwinterspiele in München

Zitat Oliver Wood:“ Quidditch findet immer statt!“ Auch bei Schneesturm… © Thomas Jensen

Fängt der Sucher den Schnatz, erhält sein Team nur 30 Punkte und nicht 150 wie in den Harry Potter Büchern.  Anstatt fliegender Besen werden einfache Plastikstangen verwendet. Aber das sind auch die gravierendsten Unterschiede, von Quidditch, so wie es J.K. Rowling geschaffen hat und Quidditch, wie es von Muggeln (normalen Nichtmagiern) gespielt wird. Beispielsweise letztes Wochenende auf dem Gelände des Sportparks Nymphenburg.

Mannschaften aus ganz Deutschland

Bei Temperaturen, dauerhaft unter null Grad und teilweise extremem Schneefall, ermittelten 18 Teams den Sieger der Deutschen Quidditchwinterspiele.  Unter ihnen auch die Münchner Wolpertinger, die es in der Gruppenphase am Samstag mit den Rheinos aus Bonn, den Jena Jobberknolls, den Hamburg Werewolves und den Tübinger Thestralen zu tun bekamen. Aus jeder der 4 Gruppen qualifizierten sich die besten zwei Mannschaften für die K.-O.-Phase am Sonntag, doch auch die andern Teams durften am darauffolgenden Tag wieder ran, denn es wurden alle Plätze ausgespielt.

Mehrere Spiele im Spiel

Den Zuschauern wurden also zahlreiche Partien gezeigt und das war auch gut so, denn man braucht durchaus eine Weile, um beim Verfolgen dieser komplexen und spektakulären Sportart nicht überfordert zu sein. Die Unterscheidung der Spielerpositionen erfolgt durch andersfarbige Stirnbänder und es sind stets vier Bälle im Spiel.

Viele Bälle, viel Action © Thomas Jensen

Einen Volleyball, der als Quaffel fungiert, passen sich die drei Jäger zu mit dem Ziel, ihn durch die gegnerischen Ringe zu werfen. Pro Treffer gibt es 10 Punkte. Außerdem 3 (nicht 2!) Klatscher, weiche Bälle, mit denen die Treiber Spieler abwerfen und so außer Gefecht setzen, bis der Getroffene einen der eigenen Ringe berührt. Mit dieser Anzahl an Bällen und gleichzeitigen Aktionen ist es beinahe unmöglich, das ganze Spielgeschehen zu erfassen.

Schnatz vs. Sucher

Münchens Sucher attackiert den Schnatz © Thomas Jensen

Wenn dann nach 18 Minuten Spielzeit der Schnatz, kurz vor den beiden Suchern aufs Feld gelassen wird, ist die Spannung unermesslich hoch. Denn jeden Moment könnte ein Sucher das Spiel beenden und für seine Mannschaft gewinnen. Dies ist jedoch leichter gesagt als getan, denn der Schnatz, ein Tennisball befindet sich in einer am Hosenbund eines neutralen Spielers befestigten Socke. Dieser rennt vor den Suchern weg, bzw. wehrt deren Versuche mit Körpereinsatz und Armgriffen ab. Manche Szenen erinnern an Judokämpfe. Wenn der Schnatz jedoch gefangen ist, vergehen einige bange Momente, ehe die Schiedsrichter bekannt geben, ob der Catch regulär war. Ist dies der Fall, gibt es für Spieler und Fans kein Halten mehr und der Sucher wird gefeiert wie sonst nur der Torschütze zum Last-Minute-Sieg im Fußball.

Zu Unrecht belächelt

Eine weitere Parallele zum Fußball ist leider das hohe Verletzungsrisiko. Aufgrund des Körpereinsatzes, der sich in rugbyähnlichen Sphären bewegt, sind Blessuren jeglicher Art keine Seltenheit. Vorurteile gegenüber Quidditch, als keine richtige Sportart, sondern nur Hobby von Potterheads, wichen am Wochenende bei den Zuschauern schnell der Anerkennung als knallharter Sport. Bei dem das Fair Play jedoch stets großgeschrieben wird. Auch nach wichtigen Spielen, beispielsweise den Halbfinals, die immerhin darüber entschieden, ob man sich als eine der besten drei Mannschaften des Turniers für den European Quidditch Cup im kommenden März in Belgien qualifizieren wird, gewann man den Eindruck, dass hier beide Mannschaften als Sieger vom Platz gingen und sich noch minutenlang beglückwünschten.

Den Sieg holten am Sonntagabend unter Flutlicht die Rheinos aus Bonn im Finale gegen die Three River Dragons Passau. Im Spiel um Platz drei setzten sich die Darmstadt Athenas gegen Ruhr Phönix durch. Die Wolpertinger landeten auf dem 13. Platz, knapp hinter den Braunschweiger Broomicorns aber immerhin besser platziert als die Münster Marauders und Heidelberger Hellhounds. Den neunten Platz belegten die Portkeys Bremen, elfter wurden die Black Forest Bowtruckles. Wichtig ist das zwar nicht unbedingt, aber aufgrund der Teamnamen doch erwähnenswert.

 

Thomas Jensen

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