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Der Serienguide: Horrorkult im Kleinformat

Auf der Suche nach Serien-Nachschub?

Seit einigen Jahren wandelt sich die TV-Landschaft. Galt es früher noch als Todesurteil für die Karriere eines Schauspielers, wenn er vom Film zu einer Serie wechselte, toben sich die Darsteller mittlerweile sowohl auf den großen, als auch auf den kleinen Leinwänden aus. Doch nicht nur, dass Serien immer hochkarätiger besetzt werden, auch inhaltlich trauen sich die Produzenten immer mehr! Bei der Flut an neuen und grandiosen Serien kann man allerdings leicht den Überblick verlieren. Deswegen möchte ich euch regelmäßig einige Serienjuwele vorstellen, die ihr vielleicht noch nicht kennt. Dieses Mal geht es um:

Ash vs. Evil Dead

©Starz

Mit Timbersports hat Ash nicht viel am Hut ©Starz

Eines gleich vorne weg, der heutige Serien Tipp wird garantiert nicht jedem gefallen. Klar das trifft auf die anderen auch zu, immerhin sind Geschmäcker ja bekanntlich verschieden, aber die heutige Serie ist noch einen Tick spezieller als alles zuvor. Ehrlich gesagt, wundere ich mich bis heute, dass sie mir selber gefällt. Denn eigentlich kann ich mit Horror so rein gar nichts anfangen. Und der heutige Serien Tipp gehört nicht nur zum Horror-Genre, sondern er spinnt auch die Geschichte eines Filmes fort, der dieses Genre massiv geprägt hat.

Eine kurze Geschichte des Cabin-Horrors

Denn vor 35 Jahren brachte Sam Raimi sein Spielfilmdebüt „Evil Dead“ zu Deutsch „Tanz der Teufel“ in die Kinos. Raimi, den die meisten nur von seiner Spiderman Triologie mit Tobey Maguire kennen werden, hatte für den Film kaum Geld zur Verfügung. Das sieht man dem Streifen auch an. Fast dilettantische Schauspielleistungen, lachhaft wirkende und sogar schon für damalige Verhältnisse veraltete Special-Effects, bestimmen den ganzen Film. Allerdings erfand der Film quasi nebenbei ein Horror Sub-Genre, nämlich das des „Cabin-Horrors“.

Cabin heißt so viel wie „Hütte“ und jeder der schon mal in einer Ski-Hütte grauenhafte Musik von DJ Ötzi und Konsorten hören musste, weiß  das solche Holzhäuser dem siebten Kreis der Hölle recht nahe kommen können. Cabin-Horrorfilme laufen meist nach einem sehr ähnlichen Schema ab. Eine Gruppe von Personen, meist junge Erwachsene, begibt sich in eine Hütte in einem düsteren Wald, wo dann einer nach dem anderen auf gewaltsame Art zu Tode kommt.  Genau diese Formel, die sich bis heute hält, wurde in „Tanz der Teufel“ etabliert. Die Geschichte des Films dreht sich um Ash Williams, der mit seiner Freundin, seiner Schwester und zwei weiteren Freunden in eine Hütte in den Wäldern von Tennessee fährt. Dort finden sie ein altes Buch, das „Necronomicon“ und einige Tonbänder. Auf diesen sind Aufnahmen, in denen Stellen aus dem Buch vorgelesen und damit Dämonen beschworen werden, die von den Freunden Besitz ergreifen und so die Gruppe dezimieren.

Dass der „Tanz der Teufel“ heute als Kultfilm gilt, liegt hauptsächlich an zwei Dingen. Erstens den, für damalige Maßstäbe, extrem brutalen Darstellungen. In Deutschland war der Film sogar bis zum August dieses Jahres nicht nur indiziert, sondern sogar komplett verboten (bzw. beschlagnahmt).  Selbst in den USA, wo man bei Gewaltdarstellung oft meist weniger zimperlich ist, löste der Film Kontroversen aus. Zweiter Grund für den heutigen Kultstatus sind die Nachfolge Filme von „Tanz der Teufel“ (Tanz der Teufel II – Jetzt wird noch mehr getanzt  und Armee der Finsternis). Diese behielten zwar die Horrorelemente des ersten Teils bei, hier stand aber primär schwarzer und abstruser Humor im Vordergrund.

Die Kettensäge als Hauptdarsteller

Seit 2015 gibt es eben nun eine Serien-Version von Tanz der Teufel  unter dem Namen: „Ash vs. Evil Dead“. Darin lebt Ash Williams, 30 Jahre nach den Ereignissen der Filme, ein relativ ruhiges Leben. Bis er eines Abends betrunken aus dem „Necronomicon“ vorliest und damit Dämonen und alle Formen des Bösen von neuem heraufbeschwört. Zusammen mit seinen zwei Arbeitskollegen Pablo und Kelly, seiner Schrotflinte und seiner Kettensägenhand macht er sich auf den Weg, um den Spuk ein für alle mal zu beenden.

Bisher sind zwei Staffeln von „Ash vs. Evil Dead“ erschienen und die dritte ist bereits bestätigt. Die erste orientiert sich dabei eher an Teil II und III der Filmtrilogie. Klar, auch hier wird nicht am Kunstblut gespart. Oftmals hat Ashs Kettensäge sogar mehr „Text“ als die Schauspieler. Primär werden die Episoden allerdings von schwarzem Humor und brachialen One-Linern dominiert. Die zweite Staffel zieht was die Splatter-Elemente betrifft nochmal deutlich an. Der Humor ist zwar immer noch ein Kernelement, scheint aber ein wenig in den Hintergrund zu geraten. Es wäre schade, wenn dieser Trend anhält oder sich noch verstärkt. Der Humor ist schließlich mitverantwortlich für den Kultstatus der Filmvorlage und das Beste an der Serie.

Fans der  „Tanz der Teufel“ Trilogie, oder von Horrorfilmen im Allgemeinen, werden auf jeden Fall ihren Spaß mit der Serie haben. Auch wer auf Horror-Komödien wie zum Beispiel „Shaun of the Dead“ steht, kommt auf seine Kosten. Aber auch Leute, die sich allgemein für das Medium Film (oder Filmgeschichte)  interessieren, sollten sich die Serie nicht entgehen lassen. Die Formel, wie man einem Kultfilm  in Serienform neues Leben einhaucht, hat „Ash vs. Evil Dead“  mit Sicherheit gefunden. Wer aber mit Ozeanen von Kunstblut und doch teilweise recht derben Splatter-Einlagen, gar nichts anfangen kann, sollte sich vielleicht zweimal überlegen, ob er einschaltet.

Thomas Pillgruber

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