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„Sonnenschein im Winter – München erinnert mich an Paris“

Mathilde Bundschuh im Interview

Mathilde Bundschuh, 22, spielt im Weihnachts-Tatort (26.12.2016 im Ersten) eine junge Rumänin inmitten der Ermittlungen des Kommissaren-Teams Leitmayr und Batic. Die gebürtige Berlinerin zog für ihre Rollen der Lady Marian in „Robin Hood“ und Cécile des Volanges in „Gefährliche Liebschaften“ am Residenztheater nach München. Zuvor war sie schon in Filmen wie „Das Adlon. Eine Familiensaga“ zu sehen. Weg von Film und Theater möchte sie nicht, doch einen Traum hat sie: ein Geschichts- oder Psychologie-Studium.

 

Du spielst im kommenden Münchner Tatort „Klingelingeling“ mit. Bist du selbst auch großer Tatort Fan?

Ja, voll!

Und welcher ist dein Lieblingstatort?

Das war der alte Frankfurter Tatort mit Nina Kunzendorf (Komissarin Conny Mey) und Joachim Król (Kommissar Frank Steier). Vor allem Nina Kunzendorf fand ich großartig. Außerdem bin ich ganz großer Jörg Hartmann Fan, und den Rostocker Polizeiruf schau ich auch sehr gerne. Der Münchener Tatort ist natürlich auch ganz vorn dabei.

Wie war es an der Seite des Münchener Kommissaren-Teams Leitmayr und Batic (gespielt von Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec) zu drehen?

Supergeil! Komisch, dass ich supergeil sage, weil es so undifferenziert klingt, aber es war wirklich toll. Sie strahlen eine unglaubliche Ruhe aus, was das Arbeiten so schön macht und eine super Entspannung gibt. Wahrscheinlich, weil sie sich auch schon so lange kennen. Da hörst du ihnen beim Quatschen zu und es ist einfach nur schön, so liebenswert. Was mich besonders beeindruckt hat, ist, dass sie sich nach 73 Tatorten nicht zufrieden geben, immer wieder aufs Neue überlegen – warum soll der Zuschauer genau diese Szene schauen? Und wenn es nicht besonders gut ist, überlegen sie, was sie anders machen können, um die Szene besonders zu machen. Sie legen sich nicht auf die faule Haut, sondern fordern sich immer wieder und das finde ich unglaublich beeindruckend.

Beim Tatortdreh hast du noch nicht in München gelebt, aber du bist für deine Anstellung am Residenztheater vor kurzem hierher gezogen. Gefällt es dir hier?

Total, ich komme aus Berlin und es ist natürlich eine Umstellung. Aber ich verstehe nicht, warum die Leute immer so sehr über München schimpfen, es ist wirklich wunderschön hier. Im Endeffekt machen es die Leute aus, mit denen man sich umgibt. Ich vermisse Berlin unglaublich. Das merke ich vor allem, wenn ich lange nicht da war, kurz dort bin, und dann wieder zurück nach München muss.

(c) Stefan Klüter

Was aus Berlin fehlt dir in München?

Ein bisschen die Freischnäuzigkeit. Ich bin das gewohnt, dass man auch mal ausspricht, wenn es einem nicht gut geht. Auch mit fremden Menschen in der U-Bahn. Ich finde es ganz schrecklich hier morgens U-Bahn zu fahren. Wenn ich morgens zum Theater fahre und mich am Sendlinger Tor in dieses Nadelöhr begebe, dann macht mich das immer sehr aggressiv, weil alle anderen so ganz schrecklich aggressiv sind – und so unzufrieden, hab ich das Gefühl. Ich unterstelle es ihnen natürlich, dass sie so sind. Aber in Berlin spricht man es einfach mal aus. Und das ist hier so gedeckelt. Aber nicht alles kann so sein wie in Berlin und das finde ich in Ordnung.

Und was gefällt dir vielleicht an München besonders im Gegensatz zu Berlin?

Der Sonnenschein im Winter. Berlin ist im Winter die schlimmste Stadt der Welt. Hier scheint die Sonne und es ist alles so schön, zum Beispiel an der Isar, die schönen Häuser und diese riesigen Gebäude und Kirchen – wunderschön. Das erinnert mich manchmal an Paris.

Gefällt dir deine neue Arbeit am Theater?

Ja, sehr. Aber es ist ein 24/7-Job. Freizeit und soziale Kontakte… schwierig. Meine Freunde sind mittlerweile auch sehr verteilt und wenn ich jetzt schon wieder Geburtstage vergesse, ist das ein klares Zeichen, dass ich sehr aufpassen muss.

Stört es dich, dass du so wenig Freizeit hast?

Mich stört es, dass ich es nicht ändern kann. Ich hab es mir ja ausgesucht mit allen Risiken und Nebenwirkungen, die ich kannte und die mir bewusst waren. Aber, dass ich dem so ausgeliefert bin, fällt mir manchmal noch sehr schwer. Daran muss ich mich noch gewöhnen.

Was machst du denn, wenn du doch mal frei hast?

Ich stricke gerne, vor allem im Winter, um mal runter zu kommen und nicht nachzudenken. Es ist quasi meine Meditation. Ich würde gerne behaupten, dass ich Sport mache – aber dazu komme ich gerade leider nicht.

Was gefällt dir besser: Theater oder Film?

Kann ich nicht sagen. Es ist beides unglaublich großartig.

Macht es dir nichts aus, bei so vielen bedrückenden Filmen mitzuspielen, wie dem kommendem „Weihnachts-Tatort“ oder beispielsweise  „Operation Zucker. Jagdgesellschaft“, ein Film der so ein schwieriges Thema wie sexuellen Missbrauch von Kindern und Kinderhandel thematisiert?

Jein. In erster Linie bin ich davon sehr fasziniert, weil es mich interessiert, wozu Menschen fähig sind und wozu eine Gesellschaft fähig ist. Bestimmt auch, weil es so weit weg von mir ist, ich bin sehr behütet aufgewachsen. Auch im Theater interessiert mich das. Dass man merkt „Ah, da ist etwas!“. Bei „Operation Zucker. Jagdgesellschaft“ war es dann noch einmal anders, weil es doch auch Situationen am Set gab, in denen wir alle ziemlich betroffen waren. Wo es spürbar war, was wir hier gerade darstellen. Da war uns schon teilweise ein bisschen mulmig zumute, doch Sherry Hormann, die Regisseurin, meinte „Aber genau so ist es. Das ist wichtig. Deswegen sind wir hier“. Das weckte auch in mir die Frage, warum will ich eigentlich Filme machen? Was kann ich damit bewegen? Und in einer Pause am Set saß ich mit Nadja Uhl zusammen und sie stimmte mir zu: „Ja, genau deswegen machen wir das, weil wir genau mit so einem Film Dinge zeigen können die man sich sonst nicht anschauen würde“. Das hat mich sehr beeindruckt.

Interview: Nathalie Römer

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