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Es regnet – schon wieder

Wo war der Sommer dieses Jahr?

Der Herbst hat schon längst Einzug gehalten, da fragt sich gerade wohl so manch einer, wo eigentlich der Sommer dieses Jahr geblieben ist. Rückblickend hat man das starke Gefühl, zwischen Regentagen und kaltem Wetter durch diesen Sommer regelrecht geschwommen zu sein. Angefangen bei den Unwetterkatastrophen in Simbach oder Schwäbisch Gmünd, über mittendrin abgesagte Festivals (an dieser Stelle möchte ich gerne alle Southside Stromtroopers grüßen!) bis hin zu verschobenen Grillfesten an der Isar – irgendwie wollte sich der Sommer dieses Jahr nicht so wirklich blicken lassen. Vor allem nach dem heißen Sommer 2015 war das für viele Sonnenanbeter wohl eher enttäuschend. Ob dieser Sommer aber wirklich so anders war als der deutsche Durchschnittssommer hat Unikat im Gepräch mit Dr. Paul Becker, dem Vizepräsidenten des Deutschen Wetterdienstes, herausgefunden.

Eigentlich alles ganz normal

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Unikat sprach mit Dr. Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, über den Sommer 2016. (c) DWD

Auch wenn viele Personen, subjektiv betrachtet, einen Starkregensommer in Erinnerung haben, „hat das räumlich und zeitlich konzentrierte Niederschlagsgeschehen für die jahreszeitlichen Mittel über größere Flächen, wie zum Beispiel dem Land Bayern, keine besonders großen Abweichungen von den normalen Mengen gebracht“, so Becker. Dass uns dennoch Bilder und Videos von überschwemmten Orten und vollgelaufenen Kellern in Erinnerung blieben, liegt vor allem daran, „dass sich Schauer und Gewitterzellen nur sehr wenig verlagert haben, sodass Niederschlagsmengen, die gut und gerne dem Ein- bis Zweifachen der üblichen Monatssumme entsprachen, stattdessen auf ein und dasselbe kleinräumige Gebiet innerhalb von einer Viertelstunde bis drei Stunden fielen“, erklärt der Wetterexperte. Darüber hinaus war es dieses Jahr auch ungewöhnlich, dass die Regenergüsse zu bestimmten Zeiten vor allem den südlichen und westlichen Teil Deutschlands erfassten, erläutert Becker. Dennoch ergibt sich für Bayern nur ein Niederschlagsüberschuss von 10 bis 15 Prozent.

Niederschlag ist ungleichmäßig verteilt

Generell lässt sich festhalten: „Niederschlag ist lokal beziehungsweise regional gerade in den Sommermonaten sehr ungleichmäßig verteilt“, sagt der Experte. Dementsprechend ist „dieses Jahr bisher nicht außergewöhnlich regenreich gewesen, wohl aber gab es im Frühsommer über mehrere Wochen eine sehr gewitter- und unwetterreiche Periode“, erläutert Becker. Zu erklären sind diese Schwankungen vor allem durch die Lage Deutschlands.

Nimbostratus mit Stratus fractus (c) DWD

Erinnerungen an einen verregneten Sommer. (c) DWD

Die mittleren Breiten sind vor allem durch eine „hohe Variabilität aufgrund der wechselnden Lage und Zuggeschwindigkeit von Hoch- und Tiefdruckgebieten geprägt“, erklärt Dr. Paul Becker. Also entspricht auch der Sommer 2016 einem normalen Sommer in den mittleren Breiten – das subjektive Gefühl trügt. Punktuell fielen zwar enorme Regenmengen, auf eine größere Fläche gemittelt, waren diese aber nicht rekordverdächtig. Laut dem Experten ist eine Wetterlage in den mittleren Breiten erst dann außergewöhnlich, wenn sie lange anhält. Dies war zum Beispiel letztes Jahr der Fall oder während der Jahrhunderthochwasser.

Die Hoffnung bleibt!

Für die Meteorologen hat der Sommer bereits Ende August geendet, „die Jahreszeitvorhersage für den Herbst weist auf eine positive Temperaturanomalie über der nördlichen Hemisphäre hin“, erzählt Becker im Interview. „Auch in Deutschland kann dementsprechend mit wärmeren Bedingungen im Vergleich zum vieljährigen Mittel gerechnet werden.“ Auch wenn diese Prognosen mit größeren Unsicherheiten behaftet sind: Die Hoffnung stirbt zuletzt, und wenn sie doch stirbt, dann kann man doch vielleicht auf den nächsten Sommer hoffen? „Zur Beantwortung dieser Frage muss man sich noch etwas gedulden“, betont Becker. Aber es gibt bereits ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Programm (MiKlip), das zum Ziel hat, mittelfristige Klimaprognosen zu erforschen. Bis verlässliche Daten produziert werden können, müssen wir uns mit der Hoffnung zufriedengeben. Der Volksmund sagt ja schon immer: Es gibt kein falsches Wetter, es gibt nur falsche Kleidung!

Julia Weinzierler

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