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Interview mit Students4Refugees

Studenten helfen Flüchtlingen

Wenn junge Geflüchtete nach Deutschland kommen, stehen sie meist vor vielen Herausforderungen. Man muss sich an ein neues Land mit fremder Kultur gewöhnen, sich in einem unbekannten Umfeld zurecht finden und eine neue Sprache lernen, um schnell Anschluss in der neuen Gesellschaft zu finden. Oftmals wird vergessen, dass viele junge Menschen, die flüchten mussten, ihr Abitur in ihrem Heimatland nicht abschließen konnten, oder ihr Studium unterbrochen haben.
Das Projekt Students4Refugees bietet Flüchtlingen, die ein Studium anstreben oder ein bereits begonnenes Studium in Deutschland weiterführen möchten,  deshalb Deutschkurse und ein damit verbundenes Mentoren-Programm an – von Studenten für Geflüchtete.

Education is the most powerful weapon which you can use to change the world – Nelson Mandela

Die Initiatoren: Sinksar Ghebremedhin und Phi Tran. ©Studtents4Refugees

Die Initiatoren: Sinksar Ghebremedhin und Phi Tran. © Students4Refugees

Initiiert wurde das Projekt im November 2014 von den Studenten Sinksar Ghebremedhin (Medieninformatik, LMU) und Phi Tran (Fahrzeug- und Motorentechnik, TU). Die Eltern der beiden kamen selbst aus unterschiedlichen Kontexten als Flüchtlinge nach Deutschland. Nach mehreren Besuchen in der Bayernkaserne, in der Sinksar mit Übersetzungen half, entschied sich der Student dazu, das Projekt Students4Refugees ins Leben zu rufen, um so gezielt und mithilfe von Sprachunterricht den Zugang zu (Weiter-)Bildung für junge Flüchtlinge zu erleichtern.
Seit dem Wintersemester 2015/2016 werden Deutschkurse angeboten – auch im kommenden Wintersemester wird es wieder Kurse geben und gerade läuft ein Intensivkurs. Die Teilnahme an allen Kursen ist für die Schüler kostenfrei und den Unterricht übernehmen größtenteils Lehramtstudierende in ihrer Freizeit. Studierende aus unterschiedlichen Fachrichtungen können sich auf vielfältige Art und Weise bei Students4Refugees einbringen, ganz egal ob TU, LMU oder HM. Unterstützt wird das Projekt von Seiten des DAF-Instituts der LMU, der Hueber Verlag stellt außerdem das benötigte Lehrmaterial für die Deutschkurse.

Ich habe mit Phi, einem der Initiatoren, über das Projekt und wie man sich als StudentIn einbringen kann, gesprochen:

UNIKAT: Seit dem letzten Wintersemester bietet Students4Refugees schon Deutschkurse an. Es gibt ja viele verschiedene Angebote an Deutschkursen in der Stadt. Wie werden  Geflüchtete auf euch aufmerksam?
Phi: Wir stehen in Kontakt mit einigen Unterkünften in München und anfangs sind wir hin gefahren, um zu informieren, dass es uns gibt. Nachdem dann schon ein paar Schüler den Unterricht bei uns besucht hatten, hat sich das natürlich auch in den Heimen herumgesprochen. Auf unserer Internetseite finden Interessenten für die Kurse alle nötigen Informationen und Anmeldeformulare, auch auf Englisch. Nach Absprache können sie auch persönlich in unserem Büro zur Anmeldung vorbeikommen. Mittlerweile ist die Nachfrage so groß, dass wir um jeden Deutschlehrer dankbar sind. Denn dann können wir ausreichend Kurse anbieten, um  große Gruppen zu vermeiden.

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Deutschkurse von Students4Refugees. © Students4Refugees

UNIKAT: Gibt es unterschiedliche Deutschkurse bei Students4Refugees?
Phi: 
Wir bieten Kurse in den Sprachniveaustufen A1.2, A2.1, A2.2 und B1.2 an, denn auch die Schüler bringen alle ein unterschiedliches Niveau mit, wenn sie zu uns kommen. Einige hatten vielleicht bereits schon einmal Deutschunterricht, andere wiederum sind Anfänger. Um den bestmöglichen Lernerfolg bieten zu können, ist eine solche Unterteilung notwendig.

UNIKAT: Wer kann sich als Deutschlehrer einbringen und wie sieht der Ablauf der Kurse aus?
Phi: 
Im Grunde kann sich jeder, der eine Sprache auf Lehramt studiert, bei uns als Deutschlehrer einbringen und mithelfen. Wir versuchen, trotz der anhaltenden Nachfrage, die Kurse so klein wie möglich zu halten. Ein großer Vorteil unserer Kurse ist, dass Lehrer und Schüler fast auf Augenhöhe miteinander sind, da wir ja selbst alle noch studieren. So sinkt vielleicht auch die Hemmschwelle bei Fragen und das Verhältnis ist freundschaftlicher. Am Ende steht eine Prüfung mit Zertifikat für die Lernenden an. Die Lehrpläne und die Organisation der Kurse übernehmen wir selbst.

UNIKAT: Neben den Deutschkursen bietet ihr auch ein Mentoren-Programm an. Was kann man sich darunter vorstellen?

Exkursion Allianz-Arena. ©Students4Refugees

Exkursion Allianz-Arena. © Students4Refugees

Phi: Das Mentoren-Programm soll dazu dienen den direkten Kontakt zu Studierenden an den Universitäten zu fördern. Alle Studierenden, unabhängig von der Fachrichtung, können sich bei Students4Refugees als Mentor melden. Je nach Alter, Interessen und Studiengang wird jedem Schüler ein Mentor zugeteilt. Mentoren unterstützen die Geflüchteten beispielsweise bei der Deutsch-Konversation, unternehmen kleinere Aktivitäten und Ausflüge mit ihnen, um München kennenzulernen und um sich besser zurechtfinden zu können. Unternehmungen können auch gemeinsam in Gruppen gemacht werden. Außerdem organisieren wir  Exkursionen: im letzten Semester haben wir gemeinsam einen Ausflug zur Allianz-Arena unternommen.

UNIKAT: Gibt es für die freiwilligen Lehrer und Mentoren eine Schulung?

Phi: Wer sich bei uns meldet, wird zu unserer Infoveranstaltung für alle Helfer, Lehrer und Mentoren, eingeladen. Für das kommende Wintersemester findet diese übrigens am 28. September statt. Anschließend gibt es kurz vor Semesterbeginn einen Workshop für Interkulturelles Training: hier betreut ein Dozent, der sich fachlich auf den Nahen und Mittleren Osten spezialisiert hat, alle angehenden Mentoren und Lehrer und bereitet sie vor. Das machen wir, weil der Großteil der Geflüchteten bei uns derzeit aus dem arabischen Kulturraum kommt. Auf diese Weise können eventuelle kulturelle Unwissenheiten und daraus resultierende Probleme beseitigt werden und unangenehme Situation auf beiden Seiten – bei Schülern und Mentoren – vermieden werden, es soll also eine reibungslose Kommunikation zwischen Kulturen gefördert werden. Für unsere Schüler, Lehrer und Mentoren gibt es dann noch ein spezielles Teambuilding, bei dem man sich spielerisch und mit Spaß kennenlernen soll. Es ist gleichzeitig das erste Aufeinandertreffen von Mentoren und Flüchtlingen. Letztes Jahr fand dieses im Olympiapark statt. Als Initiatoren stehen wir außerdem jederzeit bei Fragen zur Verfügung und sind Ansprechpartner für die Mentoren und Lehrer.

Teambuilding im Olympiapark. ©Students4Refugees

Teambuilding im Olympiapark. © Students4Refugees

UNIKAT: An wen muss man sich wenden, wenn man nach dem Lesen dieses Artikels Lust hat mitzumachen?
Phi: 
Das macht man am besten ganz unkompliziert per Mail. Schreibt uns einfach kurz mit eurem Namen, Studiengang und Alter unter students4refugees@daf.lmu.de. Sobald wir eure Anfrage gelesen haben, erhaltet ihr eine Rückmeldung zum weiteren Prozedere von uns uns. Wir freuen uns auf neue Gesichter, die uns unterstützen möchten!

UNIKAT: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg bei diesem spannenden Projekt wünscht euch das Unikat-Team!

Wer sich nun angesprochen fühlt und Lust hat, sich im kommenden Semester als Deutschlehrer oder als Mentor bei Students4Refugees einzubringen, der sollte nicht lange zögern und Kontakt aufnehmen. Die Infoveranstaltung für alle Interessierten wird am 28. September stattfinden. Vorher solltet ihr euch allerdings bitte kurz bei den Organisatoren via Email melden!

 

Ornella Cosenza

 

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