Wir schreiben München – schreibt mit!

Es war einmal… 19 Jahre später

Harry Potter kehrt mit dem Stück „Das verwunschene Kind“ zurück

* Dieser Artikel enthält Spoiler für „Harry Potter und das verwunschene Kind“! *

Von vielen sehnsüchtig erwartet und von fast genauso vielen aus Prinzip ignoriert: Harry Potter ist wieder da! Nicht mit einem Buch, nicht mit einem Film, nein, dieses Mal hat es Harry Potter, den man wohl einen der berühmtesten Zauberlehrlinge der Welt nennen darf, ins Londoner West End verschlagen.

Im Palace Theatre in London wurde am 30. Juli 2016 „Harry Potter and the Cursed Child“ in zwei Teilen offiziell uraufgeführt. Am nächsten Tag – pünktlich zu Harry Potters Geburtstag – wurde dann gleich das Skript beider Teile in Buchform veröffentlicht. Ab heute ist „Harry Potter und das verwunschene Kind“ auch endlich auf Deutsch erhältlich!

Ist „Das Verwunschene Kind“ wirklich der 8. „Harry Potter“?

Oft wird „Harry Potter und das verwunschene Kind“ schlichtweg als der 8. Teil der „Harry Potter“ Reihe verkauft. So einfach ist es aber nicht. Gleich vorneweg: Ja, die Geschichte ist ein Werk J. K. Rowlings, das Theaterstück wurde allerdings nicht von ihr, sondern von Jack Thorne geschrieben. Wer das gleiche Leseerlebnis wie bei den anderen Harry Potter Büchern erwartet, wird bitter enttäuscht sein. Ein Skript ist eben doch kein Roman.

Vor allem Fans wird das aber nicht abschrecken. Schließlich haben wir alle Fragen, die uns diese neue „Harry Potter“ Geschichte beantworten kann: Was ist denn eigentlich aus den „Harry Potter“ Helden geworden? Hat der Zaubererkrieg seine Spuren hinterlassen? Gerät der Nachwuchs von Harry, Ron und Hermine auch so gerne in Schwierigkeiten wie die lieben Eltern? Und war dann am Ende wirklich alles gut?

19 Jahre später: Das Theaterstück

„Harry Potter und das verwunschene Kind“ beginnt da, wo „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ aufgehört hat: Auf dem guten alten Gleis 9 ¾, mit Harrys Sohn Albus Severus und seiner ersten Reise nach Hogwarts. Der freundet sich prompt mit Scorpius, dem Sohn von Harrys ehemaligen Rivalen, Draco Malfoy, an. Sie sind quasi unzertrennlich, es sind aber nicht nur die beiden daran schuld, dass nach 19 Jahren Friede-Freude-Eierkuchen wieder alles den Bach runter geht. Eines hat Albus aber auf jeden Fall von seinem Vater geerbt und zwar einen kräftigen Durst, sich zu beweisen.

Angespornt von der mysteriösen Delphi, die sich später als die Tocher Lord Voldemorts entpuppt, begeben sich Albus und Scorpius mit einem kaputten Zeitumkehrer auf eine Reise durch die Zeit, um Cedric Diggory zu retten, der im 4. Teil der „Harry Potter“ Reihe Lord Voldemort zum Opfer gefallen war. Leider hat den Beiden niemand beigebracht, dass man mit der Vergangenheit nicht spielt. So lernen wir eine Zeit kennen, in der Ron und Hermine nie geheiratet haben und – weil es noch schlimmer kommen muss – eine Zeit, in der Lord Voldemort nie besiegt wurde. Fans von Severus Snape und Dolores Umbridge – hat Dolores Umbridge Fans? – kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Aber kann man das alles wieder hinbiegen? Und was denkt eigentlich Dumbledore darüber, dass Harry seinen Sohn nach ihm benannt hat? Alles wollen wir euch hier nicht verraten.

Eines steht fest: Das Theaterstück ist voller Magie, genau wie man es von einer „Harry Potter“ Geschichte erwartet. Und am Ende bleibt nur eine Frage: Wie funktioniert das eigentlich alles auf der Bühne?

Harry Potter ist wieder da! Die deutsche Fassung von "Harry Potter and the Cursed Child" gibt es ab dem 24. September.

Harry Potter ist wieder da! Die deutsche Fassung von „Harry Potter and the Cursed Child“ gibt es ab heute zu kaufen.

„Die Spezialeffekte sind einfach atemberaubend!“

Der Weg nach London ist kein billiger und das brandneue „Harry Potter“ Stück ist schon über Monate hinweg ausgebucht. Marina aus München hat es geschafft, zusammen mit ihren Freundinnen Karten für „Cursed Child“ zu ergattern. Eine Stunde lang hingen sie in der Warteschleife und einfach ist das alles sowieso nicht: Früh dran sein sollte man, wenn man Karten will und ein bisschen Glück ist auch dabei. Wenn man schon in London ist und man sein Glück spontan versuchen möchte, kann man möglicherweise an der Abendkasse noch Restkarten bekommen.

Marina ist schon seit ihrer Kindheit ein riesengroßer Harry Potter Fan und wollte sich deshalb auch das Theaterstück nicht entgehen lassen. Skeptisch war sie schon ein bisschen, wie viele andere Fans auch. Das Skript hat sie aber erst gelesen, als sie das Stück schon gesehen hatte. „Ich wusste nur ganz wenig über den Inhalt des Stückes, weil ich unbedingt unvoreingenommen reingehen wollte und mich überraschen lassen wollte“, erzählt Marina.

Und wie war es dann, das Stück im Theater zu sehen? „Eine emotionale Achterbahnfahrt“, sagt Marina. Das Stück hat Szenen zum Lachen und zum Weinen und auch von den Effekten war sie ganz begeistert: „Es war echt toll, es wurde sehr viel mit Lichteffekten und Falltüren gearbeitet, aber meistens hat man sich eigentlich eher gewundert, wie es funktioniert.“ Richtig magisch also. Besonders begeistert war Marina von den Dementoren: „Die sind von der Decke richtig über das Publikum und an den Balkonen vorbeigeflogen und ich hatte in dem Moment einfach richtig Angst, weil man in dem ganzen Stück einfach so emotional dabei war und mitgefiebert hat und das war echt ein tolles Erlebnis.“

Die zwei Teile wirken auch nicht übertrieben, wenn man das Stück dann wirklich sieht. Einen Tag lang im Harry Potter Universum verbringen zu dürfen, ist ja sowieso der Traum von vielen Fans. „Dem Theaterstück zwei Teile zu geben, hat wirklich gepasst“, findet Marina, „weil es sich in keiner Sekunde so angefühlt hat, als wäre etwas künstlich in die Länge gezogen.“ Wer trotzdem keine Lust darauf hat, zwei Mal am Tag ins Theater zu gehen, kann sich die beiden Teile an verschiedenen Abenden ansehen.

Ein Stück, das man nicht nur lesen sollte

Obwohl man sich anhand des Skripts ein Bild davon machen kann, was in London auf der Bühne passiert, gibt es auch Dinge, die man selbst gesehen haben muss. Die visuellen Effekte kann das Buch trotz Bühnenanweisungen doch nicht ganz vermitteln. „Ich bin der Meinung, dass man es früher oder später gesehen haben muss, um es richtig wertschätzen zu können“, sagt Marina. Wenn man aber gerade keine Karten ergattern kann, oder man einfach nicht das nötige Kleingeld hat, um nach London zu fahren, kann man getrost erst mal auf das Skript zurückgreifen, findet Marina: „Also ich würde das Buch auf jeden Fall auch empfehlen, allein schon wegen der Story.“

Vielen wird gar nichts anderes übrig bleiben, als nur das Buch zu lesen. Für die breite Masse ist das Theaterstück in London nicht zugänglich und das ist nicht der einzige Aspekt, der bei den Fans Kritik geerntet hat. Bei manchen geht es schon mit Kleinigkeiten wie Harry Potters Berufswahl los, anderen gefällt ganz einfach die Story nicht und so mancher fragt sich, wo denn Lord Voldemort auf einmal eine Tochter her haben soll.

Obwohl Marina von „Cursed Child“ begeistert war, geht es auch bei ihr nicht ganz ohne Kritik: „Was mir persönlich aber nicht gefallen hat ist, dass J. K. Rowling sich nicht getraut hat, den Schritt zu machen und Albus und Scorpius am Ende zusammen kommen zu lassen“, sagt sie und auch damit ist sie nicht allein. Die Chemie stimmt zwischen den beiden und auch das unter Harry Potter Fans berühmte always kommt in „Cursed Child“ wieder zum Vorschein.

Ob man als Fan nun überglücklich ist, dass Harry Potter wieder da ist, oder ob man dem Stück mit Skepsis gegenübersteht, ein Erfolg ist „Harry Potter und das verwunschene Kind“ jetzt schon. Auch wenn die Kritik natürlich nicht gänzlich unbegründet ist, ist es doch interessant zu sehen, welche Zukunft sich J.K. Rowling für ihre (und unsere) Helden ausgedacht hat.

Claudia Schmidhuber

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.