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Crooked Hillary vs. The Real Donald Trump

Kommentar zur ersten TV-Debatte in den amerikanischen Präsidentschaftswahlen

Hillary vs. Donald

© Jana Heigl

„Als Barack Obama 2008 gewählt wurde, war das eine kraftvolle Botschaft an die Welt“, sagt Sarah Arndt am Montagabend, kurz bevor die Debatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump losgeht. „Ich mache mir Sorgen, was wir für eine Botschaft aussenden, wenn Trump Präsident wird.“  Viele Amerikaner machen sich ähnliche Sorgen. Selten gab es einen so polarisierenden Wahlkampf wie 2016. Einige Republikaner haben sich gegen ihren eigenen Präsidentschaftskandidaten gestellt und sagen offen: „I’ll vote for her.“

„I’ll vote for her“

Watch Party

Überall in den USA fanden „Debate Watch Parties“ in Bars und Restaurants statt. © Jana Heigl

 

Teil des Problems ist, dass weder Trump noch Clinton sonderlich beliebt sind. Für viele Amerikaner ist es die Wahl zwischen Pest und Cholera, denn sie vertrauen keinem von beiden.

Hillary Clinton ist nicht sonderlich beliebt bei den amerikanischen Staatsbürgern. Sie ist bereits 2008 gegen Obama in den Vorwahlen angetreten, konnte sich aber nie durchsetzen. Viele glauben, dass sie nur deshalb so viel Erfolg hat, weil sie gegen Trump antritt. Jeder andere republikanische Kandidat hätte ihr das Leben sehr schwer gemacht. Trotzdem ist diese Wahlperiode bereits eine historische. Die erste weibliche Präsidentschaftskandidatin hat eine sehr gute Chance, die Wahlen zu gewinnen. Das ist ein Zeichen, das man der Welt senden möchte.

„Der Grund, warum viele Amerikaner Clinton nicht vertrauen, sind ihre E-Mails, die sie von einem privaten Server abgeschickt hat, als sie Außenministerin war und ihre Entscheidung Benghazi anzugreifen, obwohl der amerikanische Botschafter und seine Mitarbeiter zu den Opfern zählen würden,“ sagt Kylie Cafiora, 19, „Außerdem hat sie mit den Rückwirkungen eines schwarzen Präsidenten zu kämpfen, den einige hier immer noch nicht wirklich akzeptieren können.“

Für viele Amerikaner ist es die Wahl zwischen Pest und Cholera

Donald Trump ist ein Multimillionär, der durch verschiedene TV-Shows bekannt geworden ist. Seit er seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl bekanntgegeben hat, hat er für sehr viel Aufruhr gesorgt. Durch seine provokanten Tweets hat er sich eine ungemeine Medienpräsenz und extrem viel Aufmerksamkeit in den Vorwahlen gesichert.

So unprofessionell Trump auftreten mag, er hat es geschafft, unglaublich viele Leute zu mobilisieren, die vorher nicht wählen gegangen sind. Das sind Menschen, die sich tendenziell nicht so sehr mit Politik auseinandersetzen, weil sie den Politikern in Washington nicht trauen. Grund dafür ist ein starkes Misstrauen in das Establishment, in die etablierten Politiker, zu denen auch Hillary Clinton zählt.

Trump baut auf Fremdenhass und Angst

Außerdem baut Trump auf die Angst vor Fremden, vor Terrorismus und illegaler Immigration aus Süd- und Zentralamerika. Diese Welle des Nationalismus hat nicht nur die USA erfasst, sondern man sieht sie genauso in Großbritannien und zu Teilen sogar in Deutschland, bedenkt man die letzten Wahlerfolge der AfD.

Trumps Anhänger finden es gut, dass er seine ungefilterte Meinung sagt und sich nicht um politische Korrektheit schert. Sie bewundern ihn für sein lukratives Unternehmen (das er übrigens nur aufbauen konnte, nachdem ihm sein Vater 1 Million Dollar Starthilfe gegeben hat.) Sie glauben, Trump kann das Land aus seinen unglaublich großen Schulden leiten, weil er ja selbst ein erfolgreicher Geschäftsmann ist.

Ironischerweise ist Trump das absolute Establishment: Er ist männlich, weiß und reich. Ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung ist entweder weiblich, schwarz, hispanisch oder Teil einer anderen ethnischen Gemeinschaft.

Das mag auch der Grund sein, warum Trump während der Vorwahlen von allen unterschätzt wurde. Niemand dachte, dass der Medienmogul mit dem orangen Gesicht und den kunstvoll frisierten Haaren eine Chance hat.

Trump wurde in den Vorwahlen stark unterschätzt

Clinton nutzt Trumps Unbeliebtheit bei vielen Amerikanern, um Stimmen zu gewinnen. Die meisten ihrer Werbespots drehen sich darum, zu verhindern, dass jemand so temperamentvolles wie Trump ins Weiße Hause kommen kann. Wenn man sich ihre Wahlkampfseite www.hillaryclinton.com durchliest, dreht sich alles exzessiv um dieses Thema.

Die TV-Debatte diesen Montag war deshalb so spannend, weil niemand wusste, wie sie ausgehen würde. Würde Clinton, noch angeschlagen, keine guten Argumente bringen können? Würde Trump so weitermachen wie bisher oder einen etwas diplomatischeren Ton anschlagen?

Hillary tweet

Obama ist einer der wichtigsten Unterstützer Clintons. © Twitter

 

Um die Wahl im November zu gewinnen, müssen Clinton und Trump weiter in die politische Mitte rücken. Das würde für Trump bedeuten, etwas diplomatischer zu handeln. Emily Dabish, die am Montag die TV-Debatte in einer Sportbar in Washington, DC verfolgt hat, ist sich kurz vorher noch unsicher, was sie zu erwarten hat.

„Wenn es eine traditionelle Debatte wird, dann kann Clinton Trump definitiv ausstechen. Sie ist viel besser vorbereitet. Ich befürchte aber, dass das alles keine Rolle spielen wird.“

Wie sich herausgestellt hat, war Clinton tatsächlich besser vorbereitet als Trump und hat ihn sich selbst um Kopf und Kragen reden lassen. Am Ende ging Clinton ganz klar als souveräne Siegerin aus der Debatte hervor, denn Trump hat sich gegen Ende ziemlich oft verteidigt und „wrong, wrong, wrong“ gerufen. Seine fehlende Vorbereitung auf die Debatte und sein Widerstreben seine Steuererklärung zu veröffentlichen, hat ihn nicht sehr präsidentiell aussehen lassen.

Trump Tweet

Typisch: Trump sieht sich als Gewinner der gestrigen Debatte. © Twitter

[Für alle diejenigen, die nicht nachvollziehen können, warum Trump sich als Gewinner darstellt, gibt es dieses kurze Video.]

Clinton hat während der Debatte an die „Fact Checker“ appelliert, die alle Aussagen der beiden Kandidaten auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen. Stephen Colbert, der Host einer Late Night Show, hat ein Video veröffentlicht, in dem er darüber spricht, dass Trump alle 3 Minuten und 15 Sekunden falsche Aussagen getroffen hat.

Es bleibt aber dennoch spannend, denn es gibt noch zwei weitere TV-Debatten und es sind noch immer einige Wochen bis zu den Wahlen, in denen sich noch einiges ändern kann.

Jana Heigl

 

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