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BreakOut 2016 – ein Erfahrungsbericht

Spaß und Spenden

Am 3. Juni 2016 startete der BreakOut-Spendenmarathon für 102 Teams – dieses Mal sowohl in München, als auch in Berlin. Insgesamt wurden 107.844 Euro an das DAFI-Programm gespendet, das Stipendien an begabte Flüchtlinge vergibt. Unikat berichtete bereits über die Vorbereitungen für das Event, doch wie genau fühlt es sich eigentlich an, sich auf das Abenteuer einzulassen und selbst teilzunehmen? Wir haben Melina aus dem Münchener Team „Volkart“ interviewt. Melina und ihr Teampartner Simon haben es in weniger als einem Tag nach Oslo in Norwegen geschafft (1311 km) und dabei eine Summe von knapp 280 Euro gesammelt.

Unikat: Wie sieht es aus, habt ihr irgendwelche Vorbereitungen für BreakOut getroffen?

Melina: Ehrlich gesagt waren wir ziemlich entspannt. Wir hatten das Glück, dass wir in Norwegen auf zwei Freunde getroffen sind, die von Berlin aus gestartet sind. Im Gegensatz zu uns hatten die beiden an Zelt, Schlafsack und Campingkocher gedacht. Wir haben die Priorität eher auf Essen gelegt. (lacht)

Unikat: Ihr seid also fest davon ausgegangen, in Oslo zu landen?

Melina: Ja, sieht so aus. Wir waren beide so euphorisch, dass wir für Montag im Vornherein einen Flug zurück nach Hause gebucht haben. Die Aktion ist ja für einen guten Zweck und da muss man ja fast an das Gute in den Menschen glauben.

Unikat: Also hattet ihr keine Angst, irgendwo sitzen zu bleiben und nicht voran zu kommen?

Melina: Am Tag der Abreise war da schon ein Gefühl der Ungewissheit. Es war ja unser erstes Mal, dass wir bei BreakOut mitgemacht haben, und somit wussten wir nicht wirklich, was uns erwartet. Aber sobald wir in der ersten Mitfahrgelegenheit saßen, fand die Euphorie zu uns zurück. Unsere längste Wartezeit war in Rostock und betrug gerade mal 15 Minuten.

Unikat: Das ist echt nicht lange. Apropos – wie sah denn eure Route nach Oslo ungefähr aus? Und wie habt ihr eure Mitfahrgelegenheiten gefunden?

Melina: Wir hatten mehr als fünf Zwischenstopps: Ingolstadt, einen in der Nähe von Nürnberg, Berlin und Rostock. Zwischendrin mal eine Raststätte im Nirgendwo – aber wie gesagt, wir haben nie lange gewartet. So ziemlich alle Menschen, die wir angesprochen haben, waren freundlich. Nicht, dass uns jeder mitgenommen hätte, aber unsere Quote war dann doch sehr gut.

Unikat: Das heißt, ihr seid einfach zu fremden Autos hin und habt ihnen eure Lage erklärt?

Melina: Ja, mehr oder weniger. Man darf auf keinen Fall Hemmungen haben, Menschen euphorisch anzuspringen. (lacht) Nein, im Ernst, geht man die Sache mit guter Laune an, steckt das die meisten Menschen an und die nehmen einen dann auch gerne mit. Vor allem, wenn man über das Projekt berichtet. Wir hatten das Glück, dass wir sehr offene und interessierte Bekanntschaften gemacht haben.

Unikat: Irgendeine besonders nennenswerte Geschichte?

Melina: In Rostock beispielsweise hatten wir echt Glück. Die letzte Fähre wäre eigentlich schon abgefahren und der Moment, dass man Autofahrer hätte ansprechen können, schon vorbei. Wir hatten Angst, dass wir erst am nächsten Morgen weitertrampen könnten – bis ein letztes Auto an den Anleger kam. Die wollten noch auf die letzte Fähre, die glücklicherweise auch Verspätung hatte. So haben wir die Chance genutzt, sind panisch zu dem besagten Auto gerannt und wurden auch nicht enttäuscht!

Unikat: Das heißt, ihr konntet tatsächlich noch an diesem Tag die Fähre nach Norwegen nehmen?

Melina: Ja, genau. Die Mitfahrgelegenheit hat uns dann tatsächlich bis nach Oslo gefahren, was insgesamt über zehn Stunden dauerte. Es waren total liebe Österreicher, die einen Männer- und Angelurlaub in Norwegen geplant haben. Erst stand gar nicht in Aussicht, dass sie uns so weit mitnehmen, was sich mit der Zeit dann aber geändert hat. Wir waren natürlich dankbar, nicht noch eine andere Möglichkeit suchen zu müssen, um unser Ziel zu erreichen.

Unikat: Da kann man euch verstehen. Vor allem nachts…

Melina: Eben! Wir hatten das große Glück, dass die Männer sehr gut von ihren Frauen ausgerüstet worden waren. Es gab eine Menge Essen. Schnitzelsemmeln, Fleischpflanzerl, Kuchen – und wir konnten zwischen den mitgebrachten Matratzen und Kissen sogar ein bisschen Schlaf finden.

Unikat: Da habt ihr ja echt die perfekte Mitfahrgelegenheit gefunden!

Melina: Ja, es war eine wirklich lustige Begegnung. In Oslo angekommen haben wir dann erst mal einen Ausflug an einen See gemacht – eine unglaubliche Landschaft und Stille! Da konnten wir dann noch ein bisschen weiter schlafen. Und später war dann Zeit, unsere Challenges zu erfüllen. Dafür haben wir uns mit Freunden in Oslo getroffen.

Unikat: Challenges?

Melina: Ja, die wurden von zusätzlichen Sponsor/innen persönlich gestellt, also einfach Aufgaben, die von uns erfüllt werden mussten, um noch mehr Geld zu sammeln. Zum Beispiel sollte ich einem Fremden die Haare schneiden und dabei ein Beweisfoto machen. Oder in der Fußgängerzone als „Jodelpärchen“ auftreten.

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Spontane Frisuränderung (c) Melina Thanner

 

Jodeln in der Innenstadt

Jodeln in der Innenstadt (c) Melina Thanner

Unikat: Das klingt ja alles nach einer echt witzigen Art zu spenden.

Melina: Auf jeden Fall, man lernt sowohl auf der Fahrt, als auch während der Challenges so viele verschiedene Menschen kennen. Und abgesehen davon, dass man etwas Gutes tut, hat man – je nachdem wann man die Rückreise antritt – noch Zeit, das Land zu erkunden. Wir haben uns beispielsweise ein Auto gemietet und die Natur genossen.

Unikat: So euphorisch wie das klingt, würdet ihr also noch einmal bei BreakOut mitmachen?

Melina: Gerne, ja! Sofern man sich nicht scheut, offen auf andere Menschen zuzugehen und Lust auf ein Abenteuer hat, kann man das Projekt jedem ans Herz legen. Wir waren selbst überrascht, wie viele Menschen für uns Umwege gemacht haben, wenn man freundlich ist und sich auch während der Fahrt mit ihnen unterhält. Und dann währenddessen noch Geld für einen guten Zweck sammeln: Was will man mehr?

Eine Wiederholung des BreakOut-Spendenmarathons ist auch für Sommer 2017 geplant. Wir sind gespannt, wie viele Menschen das nächste Jahr mitmachen und welche Summen für den guten Zweck gesammelt werden können.

Julia Bissinger

 

 

 

 

 

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