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Wenn der Pfarrer segnet

Augsburger eröffnet Münchner Wirtshaus

Als Münchner Lokalpatriot schaut man ja leider immer etwas verächtlich auf die Augsburger Nachbarn. Bezeichnen sie sich selber doch immer als bayerische Schwaben, gehören sie vor allem mit ihrem Dialekt für den engstirnigen Bayern schon eher in eine andere Ecke als in unser weiß-blaues Bundesland. Doch weit gefehlt. Der Augsburger legt Wert auf seine bayerische Herkunft, ein Vergleich mit den Württemberger-Schwaben ist die schlimmstmögliche Kränkung. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass ein Augsburger jetzt ein bayerisches Traditionslokal in der Münchner Au eröffnet hat. Auer Hof heißt das frisch eröffnete Wirtshaus, Szenekenner dürften es vielleicht noch unter „Mühlbacher in der Au“ oder „Kleine Schmausefalle“ kennen.

An einem schönen Juniwochenende war unikat bei der offiziellen Einweihungsfeier dabei und hat sich ganz dem „interkulturellen Austausch“ hingegeben. Wir können sagen: Bayerischer hätten wir uns so eine Feier nicht vorstellen können. Blasmusik, Ochs am Spieß, Bayernhymne trällern und Freibier samt Anzapfen von einem Königstreuen. Die Königstreuen wollen übrigens weniger Bayern als Königreich wieder einsetzen als einfach Tradition und Brauchtum bewahren. „Das ist alles mit einem Augenzwinkern zu sehen“, erklärt ein netter Hirschbart-Träger. Wir haben uns aber dann doch nicht anwerben lassen. Wobei uns so ein fescher König Ludwig-Anstecker schon gefallen hätte.

Ochsenbraten für alle. So kann es losgehen. (c) Julia Haas

Ochsenbraten für alle: So kann es losgehen. (c) Julia Haas

Weihrauchrausch zum Freibier

Neben der Gunst des „Königs“ hat man bei der Eröffnung außerdem auf das göttliche Wohlwollen gesetzt. Immerhin ist der Auer Hof schon allein logistisch eng mit der Mariahilfkirche verwoben. Die Straßenecke am Auer Hof heißt „Am Herrgottseck“, genauso wie die seitliche Stube im Wirtshaus. Ein Pfarrer segnete deshalb den Gasthof und zog eine deftige Weihrauchfahne durch die Stube. Ein Vater Unser stand auch auf dem Programm. Das war schon etwas komisch mit einer frischgezapften Maß vor der Nase, aber wer schon mal auf einer Fahnenweihe war weiß: Mit göttlichem Segen trinkt es sich auch ganz gut.

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Der größte Hirschbart der Augsburger Königstreuen darf anzapfen. Ganz reibungslos lief es nicht, dafür aber auf jeden Fall mit dem besten Outfit! (c) Julia Haas

Die Königstreuen und anderen Gäste, die sich mit uns das Freibier schmecken ließen, kamen größtenteils aus Augsburg. Der Punkt mit dem kulturellen Austausch war nicht übertrieben. Auer Hof-Chef Ilir Seferi betreibt dort schon drei bayerische Wirtshäuser und ist bald nach seiner Ankunft in Deutschland Mitglied bei den Königstreuen geworden. Ursprünglich kommt er aus Jugoslawien. Cevapcici gibt es in seinen Läden aber nicht. Mit der heimischen Küche ist er einfach nicht vertraut, erzählt er im Gespräch mit unikat. Damals in Kosovo wollte er nämlich noch Informatik studieren. Wegen dem Krieg ging es dann nach Deutschland. Dort wurde aus Ilir dann kein Informatiker, sondern ein Gastronom mit Leib und Seele.

Vom Tellerwäscher zum Münchner Gastronom

Als Spüler ging es los, dann folgten Stationen als Koch, Restaurantfachwirt und schließlich die eigenen Lokale. Der American Dream praktisch, nur eben in Deutschland. Bayern hatte es ihm dabei schon immer angetan, deshalb auch die bayerische Küche in seinen Läden und die Mitgliedschaft bei den Königstreuen. Als Anekdote erzählt er immer gerne, dass er an der Grenze nur sagen braucht, er sei bei den Königstreuen dabei, dann geht es immer ohne Probleme. Bei Ilir merkt man auf jeden Fall, dass er mit Leidenschaft dabei ist.

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Auer Hof-Chef Ilir Seferi (2.v.l.), (c) Julia Haas

Die Gastronomieliebe teilt er mit der ganzen Familie. Von einem Restaurant in München habe er außerdem schon immer geträumt. Vor seiner eigenen Existenzgründung in Augsburg war er jahrelang beim Hofbräu in München angestellt. Eine Rückkehr in die bayerische Hauptstadt sei deshalb immer sein Ziel gewesen. Als sich jetzt die Chance ergeben hat, habe er zugegriffen. Wichtig sei ihm außerdem, dass er die Servicequalität von seinen Läden in Augsburg mit nach München nimmt. „Das Gastropersonal in München verbreitet oft das Gefühl, dass ihnen der einzelne Kunde nicht mehr wichtig ist. Nach dem Motto: ‚Wenn der eine nicht kommt, dann kommt der nächste‘. Da fehlt die Kundenbindung.“ An diesem Punkt will er ansetzen. Außerdem möchte das Auer Hof-Team auch junge Leute für das bayerische Wirtshaus begeistern, mit Grillevents bei schönem Wetter, Gintasting, Sonntagsbrunch und weiteren Ideen. Natürlich ist jeder von Jung bis Alt mehr als erwünscht, aber man müsse sich ja etwas von der Konkurrenz abheben.

Ab in die Münchner Au

Auer Hof von innen samt Schild der Königstreuen, (c) Julia Haas

Auer Hof von innen samt Schild der Königstreuen, (c) Julia Haas

Uns hat es sehr gefallen im Auer Hof. Die Einrichtung ist herrlich gemütlich rustikal: Alte durchgesessene Holzbänke, Gemälde an der Decke, Kronleuchter und Holzvertäfelung. „Einfach gmiatlich“, wie viele Isarpreissn laut Harry G wohl sagen würden. Essen können wir leider bisher noch nicht beurteilen, der Ochse war natürlich Wahnsinn, aber den gibt es ja auch nicht jeden Tag. Die Speisekarte verspricht auf jeden Fall sehr große Auswahl (auch vegane Gerichte) und angemessene Preise für bayerische Küche. Der ruhige Biergarten lädt außerdem dazu ein, es sich draußen an lauen Sommertagen bequem zu machen. Die Münchner Au sollte man eh viel öfter mal unsicher machen, als Student beschränkt man sich leider viel zu oft auf Schwabing, Maxvorstand und Glockenbach, während alles weiter jenseits der Isar eher vernachlässigt wird.

Julia Haas

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