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Waldfee

Österreichische Schmauserei im rosa Glitzerparadies

Italienisch, griechisch, thailändisch oder sogar afghanisch. In München gibt es zahlreiche Lokale, die auf Spezialitäten aus fernen Ländern ausgerichtet sind. Das Traurige dabei: Man wird Besuchern in München wohl leichter einen guten Italiener empfehlen können als eine bayrische Wirtschaft, die ihrem Namen noch alle Ehre macht. Auch unsere österreichischen Nachbarn haben kulinarisch einiges zu bieten – nicht nur Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn beim jährlichen Skiurlaub. Im Gegensatz zu allen anderen Gourmetländern ist der Österreicher aber eher sparsam damit, uns Münchner mit seinem Gaumenschmaus zu beehren. Wie gut, dass es immerhin die Waldfee gibt. Die übrigens nicht nur österreichisch daherkommt, sondern auch von österreichischer Hand geleitet wird. Gastro-Preißn, die sich mit Schlutzkrapfen und Backhendl profilieren wollen, hat Chef Wolfi deshalb schon a bissl gfressen. Immerhin seinen rosa Zauberwald wird ihm keiner nachmachen.

Lecker: ★ ★ ★ ★ ★

Die Erwartungen werden nicht enttäuscht! Die Karte bietet alles, was man sich von der österreichischen Küche wünscht, und hat uns auf ganzer Linie überzeugt. Vor allem, weil die Gerichte auch mengenmäßig ein Traum sind. Die größte Angst eines hungrigen Foodlovers ist ja immer, nicht satt zu werden. Spätestens nach der riesigen Portion Kaiserschmarrn wäre diese Sorge aber auch für den Hungrigsten vom Tisch gewesen. Der berüchtigte Nachspeisenknaller kommt übrigens frisch aus der Küche mit Apfelmus und Zwetschgenröster daher. Wartezeit deshalb auch 20 Minuten, lohnt sich aber allemal. Chef Wolfi hat selber eine Ausbildung zum Koch gemacht und auch in diesem Lokal noch am Anfang in der Küche mitgeholfen und alles verfeinert. Er selber ist stolzer Österreicher und alles, was aus der Küche kommt, ist jetzt genau so wie er sich das vorgestellt hat. Für uns okay, schmeckt ja auch!

Cornflakesschnitzel und Schlutzkrapfen! (c) Julia Haas

Cornflakesschnitzel und Schlutzkrapfen! (c) Julia Haas

Ambiente: ★ ★ ★ ★ ★

Wer Bewertungen der Waldfee liest, sollte auf das Ambiente schon vorbereitet sein. Sollte… Im Endeffekt ist es dann trotzdem noch eine kleine Herausforderung für’s Auge. Man stelle sich vor, dass jemand alle rosa, silber und glitzernden Dekoartikel gesammelt und in einem Raum zusammendrapiert hat. Einen gewissen Charme hat das Ganze aber auf jeden Fall und man muss dem Schöpfer der Kreation zugestehen, dass dem Motto Österreich aka rustikaler Schick zumindest Tribut gezollt wurde. Die Wände sind rosa, silberne Zweige umranken ein Bild der Kaiserin Sissi, vom Tisch blinzeln uns rosa Glitzerbambis entgegen. Von der anderen Seite der Wand aber auch Wolpertinger auf Holzstapeln. Chef Wolfi meint, er wollte den Laden nicht nur urig hölzern einrichten, sondern ein bisschen Kreativität in die Sache bringen. Schwabing ist immerhin ein altes Künstlerviertel und auch viele Berühmtheiten schauen bei ihm mal herein. Ob jetzt ein rosa-glitzer Märchenwald so künstlerisch ist, sei dahin gestellt. Irgendwie ist es auf jeden Fall niedlich und ein Alleinstellungsmerkmal hat die Waldfee so mehr als sicher.IMG-20160610-WA0021

Preis: ★ ★ ★ ★

Der Preis für das Essen bewegt sich vollkommen im Münchener Rahmen, wenn nicht sogar etwas darunter. Schlutzkrapfen und einige andere Gerichte gibt es für knappe 10 Euro. Dass ein Wiener Schnitzel aus Kalbfleisch etwas mehr kostet, sollte klar sein. Vor allem für die Größe der Portionen ist der Preis mehr als gerechtfertigt. Der Kaiserschmarrn scheint mit 8 Euro etwas teurer, aber den kann man auch gut zu zweit empfehlen.

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Kalbsrahmgulasch mit Butterspätzle und Backhendlsalat, yumyumyum! (c) Julia Haas

Service: ★ ★ ★ ★ ★

Als wir da waren, schwirrte Chef Wolfi selbst immer durch seinen Laden und bemühte sich um das Wohl der Gäste. Alle anderen Bedienungen, die wir kennengelernt haben, waren aber ebenso freundlich. Auch die Tochter des Hauses hilft tatkräftig aus, wenn Not am Mann ist. Man fühlt sich direkt wohl! Stammgäste sind deshalb an der Bar auch nicht verwunderlich. Wer gerne mehr über die Waldfee und seine Geschichte erfahren möchte oder einfach Lust auf ein bisschen Ratschen hat, findet hier definitiv einen bereitwilligen Gesprächspartner.

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Der sagenumwobene Kaiserschmarrn! (c) Julia Haas

People

Das Publikum in der Waldfee ist bunt gemischt, von jungen Leuten bis hin zu alteingesessenen Schwabinger Urgesteinen. Besitzer Wolfi erkennt nur einen Unterschied: „Die jungen Leuten kommen vor allem am Wochenende etwas früher, essen etwas und ziehen dann weiter in eine Bar oder einen Club. Die älteren Besucher bleiben gerne sehr viel länger sitzen, ratschen und trinken noch was. Da geht es gemütlicher zu.“ Wer für ein kleines Schnapserl noch bleibt, dem sei von mir auf jeden Fall der Haselnussschnaps ans Herz gelegt. Eine Eigenmarke von Wolfis Nachbar. Lang nicht so süß wie Frangelico, aber auch nicht so raß wie manch anderer. Ich hätt mich reinlegen können!

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Nuss-Schnapserl! (c) Julia Haas

Lage

Lagetechnisch ist die Waldfee ein Traum. In der Occamstraße 13, kurz nach der Schwabinger 7, ist sie super mit einem kurzen Fußweg von der U-Bahn-Haltestelle Münchner Freiheit zu erreichen. Wer nicht reserviert und Pech mit dem Platz hat, findet hier ums Eck außerdem noch viele andere Essensmöglichkeiten. Mal ganz abgesehen von den Bar-Optionen für danach.

Highlight

Highlight schlicht und einfach: Es gibt Gösser Radler! Wer Österreich und ein Radler zu schätzen weiß, der freut sich immer, wenn es in einem Laden ein feines Gösser Naturradler gibt. Neben Edeka und ein paar anderen haben leider sonst noch nicht so viele erkannt, dass man sowas auch in Bayern gerne kauft. Außerdem wird so das Wiener Schnitzel doch auch erst richtig authentisch. Das ist übrigens der Dauerbrenner in der Waldfee. Mir persönlich haben die Schlutzkrapfen aber auch echt unfassbar gut geschmeckt!

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Gösser Radler! Die zwei kleinen Brotaufstriche gibt es übrigens als kleinen Vorspeisensnack immer aufs Haus. (c) Julia Haas

Julia Haas

1 Kommentar

  1. EIN SEHR TOLLER UND GELUNGENER BEITRAG VOLL GETROFFEN 5 STERNE

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