Wir schreiben München – schreibt mit!

Unsicherheiten im Studium

Studienabbrecher gleich Versager?

Zweites Semester, ich sitze im Vorlesungssaal und kämpfe innerlich gegen das Zufallen meiner Augenlider an. „Nicht einschlafen – zuhören!“ Vorne schwafelt der Prof irgendwas in überdurchschnittlicher Geschwindigkeit vor sich hin, ob die Studenten nun zuhören oder nicht. Ich höre schon seit Wochen nicht mehr zu und hinke gefährlich hinten nach. Warum interessiert mich das eigentlich nicht mehr? Warum fahre ich überhaupt noch tagtäglich in die Uni? Hm, gut, weil ich studiere, aber warum stehe ich nicht mehr hinter meinem Studiengang? Ist es überhaupt der Richtige? Bei dem letzten Gedanken verspüre ich plötzlich Panik.

IMG_4231

Dieser kurze Gedanke, alles hinzuschmeißen… (c) Daniela Kreck

Wer mit dem Gedanken spielt, seinen Studiengang zu wechseln, hat bestimmt auch solche oder ähnliche Gedanken und wird für einen Moment hilflos. Wäre es überhaupt die richtige Entscheidung? Es gibt viele Gründe, den Studiengang zu wechseln. Einmal könnte es sein, dass man sich in dem Fach einfach nicht mehr wohl fühlt, sich für was ganz anderes interessiert. Zum anderen könnten es finanzielle Gründe sein, oder die Entfernung zum Studienort. Anfangs ist es klar, dass man ein wenig unsicher ist, da man an die Meinungen in seinem Umfeld denkt. Könnte meine Familie enttäuscht sein? Denken meine Freunde, es ist die falsche Entscheidung? Würden sie mich unterstützen? Hinzu kommt, dass das Wort „Studienabbrecher“ so negativ klingt. Als hätte man wertvolle Zeit vergeudet und wüsste einfach nicht, was man mit seinem Leben anfangen will. Es klingt so unselbstständig.

IMG_4225

Nach einem Abbruch schwirren einem viele Fragen durch den Kopf. (c) Daniela Kreck

Selbstbewusst bleiben!

Dabei ist das Wort „Studienabbrecher“ doch was Positives. Ein Student bemerkt, dass er das Falsche studiert, nicht glücklich damit ist und sich nun für das Richtige entscheidet. Das ist doch besser, als später einen Abschluss zu haben, der einem gar nicht die Perspektiven bereit legt, die man eigentlich möchte. Warum also abschrecken lassen? Sobald man sich in Ruhe Gedanken gemacht hat und sich entschieden hat, einen anderen Weg einzuschlagen, kann man seine Fühler wieder weit ausstrecken. Da man nun weiß, was man nicht machen möchte, erweist sich die Auswahl als ein wenig kleiner und die Entscheidung fällt einem dadurch auch leichter. Das gibt schon mal ein bisschen mehr Sicherheit.

Also, was will ich wirklich machen? Habe ich versteckte Interessen, die ich mir nie eingestehen wollte? Man kann in Dutzende von Studienberatungen gehen, Online-Tests machen, die einem seine Stärken zeigen, ins Arbeitsamt gehen – es gibt ganz viele Möglichkeiten, seine Talente zu finden. Vielleicht ist studieren nicht mal das Richtige? Man kann auch eine Ausbildung anfangen, erstmal ins Ausland gehen, sich selbst finden und dann wissen, was man will. Und Worte wie „Ein, zwei, drei Jahre verloren“ müssen ignoriert werden. Gut, die Gesellschaft erwartet von einem, brav mit 18 Jahren sein Abitur zu bestehen, auf die Uni zu gehen, zu studieren, seinen Bachelor zu machen, vielleicht noch einen Master und dann arbeiten zu gehen. Ein Jahr Ausland nach dem Abitur wird auch noch akzeptiert. Jeder weitere Umweg wird jedoch mit komischen Hintergedanken nur gerade noch so toleriert. Aber es ist doch langweilig, wenn man sich den Erwartungen der Gesellschaft beugt, vor allem dann, wenn man sich mit ihnen nicht wohlfühlt. Die Meinung anderer ist unwichtig – man kann sich nur selbst im Weg stehen.

 

Daniela Kreck

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.