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Drei Tage Nacht – Urlaub auf Spitzbergen

Kurzurlaub in der Arktis

Spitzbergen ist vielleicht nicht das typische Reiseziel im Dezember, aber einer der Orte an dem man der Arktis relativ unkompliziert nahekommen kann. Schon während des Hinflugs ab Tromsø um die Mittagszeit fällt einem auf, dass es verdächtig dunkel ist. Spitzbergen liegt soweit nördlich, dass es von Mitte November bis Mitte Januar 24 Stunden Nacht ist. Die Polarnacht führt aber nicht dazu, dass man gar nichts mehr sehen kann. Am Nachthimmel funkeln die Sterne und von Zeit zu Zeit flimmert grünliches Polarlicht. Der Schnee reflektiert das wenige Licht, sodass alles bläulich schimmert.

Der einzige Ort mit einem kommerziellen Flughafen ist Longyearbyen, die mit etwa 3.000 Einwohnern größte „Stadt“ von Svalbard, wie die Inselgruppe insgesamt heißt. Es gibt noch weitere kleinere Siedlungen auf Svalbard, aber diese sind untereinander nicht mit Straßen verbunden und nur mit Hubschrauber und Schiff zu erreichen. Die Inselgruppe wird von Norwegen verwaltet, ist aber weitestgehend unabhängig und sehr international. Über 40 verschiedene Nationalitäten lassen sich dort finden. Alle Siedlungen dienten ursprünglich dem Kohleabbau. Heute sind aber nur noch wenige Mienen in Betrieb und der Hauptfokus liegt auf dem Tourismus.

Nichts da Tageslicht - Erinnerungsphotos sind eine echte Challenge

Nichts da Tageslicht – Erinnerungsphotos sind eine echte Challenge

Longyearbyen ist weniger Stadt als eine Ansammlung von Hütten. Die Einkaufsmeile besteht aus etwa sieben Läden, die neben Essen hauptsächlich Winterjacken und Rentierfelle verkaufen. Man kommt gut überall zu Fuß hin; die Straßen sind Tag und Nacht beleuchtet und es gibt nur fünf davon. Wer sich für die Geschichte von Spitzbergen interessiert kann ins Arctic-Museum gehen, das die Entwicklung und Erforschung der Polarregion sehr anschaulich darstellt.

Das wirklich Spektakuläre ist aber die Natur. Es gibt viele verschiedene Touren, die angeboten werden – von mehrtägigen Kajak-Adventures bis zu Schlittenhundefahrten ist für alle etwas dabei. Einige Touren sind für den Winter nicht geeignet, da man doch eher weniger sieht. Eine Fahrt mit einem Husky-Schlitten ist aber uneingeschränkt zu empfehlen. Denn während man in absoluter Stille über Schnee und Eis gleitet, den Sternenhimmel und das Nordlicht über sich, versteht man, warum manche Menschen so von der Polarnacht schwärmen. Nachdem man sich dann nach zwei Stunden komplett in einen Eiszapfen verwandelt hat, gibt es zum Ausgleich heiße Schokolade und Husky-Welpen. Und da schmelzen nicht nur Herzen, sondern auch die tauben Finger.

Unglaublich niedlich - ein gerade einmal zwei Wochen alter Husky-Welpe

Unglaublich niedlich – ein gerade mal zwei Wochen alter Husky-Welpe

Wer es dagegen etwas sportlicher mag, kann Schneeschuhwandern gehen. Das Sternenlicht reicht meist aus um sich zurechtzufinden. Die schneebedeckten Berge schimmern bläulich und wirken wie aus einer anderen Welt. Man kann in eine der Gletscherhöhlen hinabsteigen und bei wohlig warmen -20 Grad ein Picknick machen. Immer dabei sein sollte allerdings einer der dortigen Arctic-Guides. Denn diese kennen sich nicht nur im Gelände aus, sondern sind auch bewaffnet. Wer in Longyearbyen den Stadtbereich verlässt, muss ein Gewehr dabei haben. Auf Svalbard leben Eisbären und mit 500kg schwerem, hungrigem Bär ist nicht zu spaßen. Zwar halten sie sich (abgesehen von einigen ausgestopften Exemplaren) selten in Longyearbyen auf, aber der Hunger treibt sie doch manchmal Richtung Stadt.

So nahe kommt man dem Raubtier nur selten - ein ausgestopfter Eisbär im Museum in Longyearbyen

So nahe kommt man dem Raubtier (glücklicherweise) nur selten – ein ausgestopfter Eisbär im Museum in Longyearbyen

Spitzbergen mag sich auf den Tourismus ausgerichtet haben, aber bleibt doch wild und unberechenbar. Die dunkle Jahreszeit mit wenigen Touristen hat ihren ganz eigenen Reiz. Wer Abenteuer sucht, kann es hier definitiv finden.

 

Anne Hilsberg

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