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The Capitols im Interview

Die Nachwuchshoffnung aus Bayern

Jung, gut aussehend und hochtalentiert – The Capitols, gegründet 2011 am Maximilians-Gymnasium in München, sind mittlerweile international bekannt, begeistern mit ihrem beeindruckenden musikalischen Spektrum tausende Menschen und wollen sich nun nochmal neu finden.

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The Capitols – Johann Blake (Bass/Vocals/Piano), Sami Salman (Drums/Percussion), Matt Kovac (Vocals/Flute/Guitar), Jan Salgovic (Guitar/(Electric) Piano) (c) Janko Rašeta

Unikat: Ihr habt euch mittlerweile eine bewundernswerte Fangemeinde erspielt. Wie kam es eigentlich zur Gründung von The Capitols?

The Capitols: Wir waren zusammen auf Klassenfahrt, als uns die Idee kam, eine Band zu gründen. Johann, Sami und Jan kannten sich bereits aus der Big Band in unserer Schule und Matt fing an, sich für (Rock-) Musik zu begeistern. Er ist ziemlich schnell großer Nirvana-Fan geworden und hat daraufhin den Schlagzeuger Sami gefragt, ob er nicht Lust hätte, eine Nirvana-Coverband anzufangen. Allerdings ist uns dann aufgefallen, dass wir dafür mehr Mitglieder bräuchten und letztendlich hat sich der Zusammenschluss von uns einfach so ergeben, nachdem wir gemeinsam ein wenig rumgejammed und uns ausprobiert haben.

Unikat: Wie seid ihr auf den Namen The Capitols gekommen, hat dieser eine spezielle Bedeutung? 

The Capitols: Die Bedeutung haben wir uns erst im Nachhinein überlegt – es ist mehr ein Erfolgsprodukt. Das Wort hat etwas sehr Mächtiges an sich, es ist ein sehr starkes Wort und steht allgemein für das Kapitol.

Unikat: Also steht es nicht für „Großbuchstabe“, was vermutlich viele denken?

The Capitols: Ja, das ist leider eine der häufigsten Verwechslungen…

Unikat: Ihr reist sehr viel herum, hattet Auftritte in London, Wien, Berlin und wart schon auf zahlreichen Festivals. Was oder wo war bisher der für euch schönste Auftritt und wo möchtet ihr in Zukunft noch auf der Bühne stehen?

The Capitols: Hamburg war bisher die Stadt, in der wir am besten aufgenommen wurden, am meisten Spaß hatten und uns auch mit den Leuten ausgezeichnet verstanden haben. Das schönste Konzert an sich war letzten Sommer das Oben Ohne Festival in München, das war ein richtiger Home-Coming Moment.

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The Capitols – Die Nachwuchshoffnung aus Bayern (c) Janko Rašeta

Unikat: Ihr seid eine talentierte, junge und aufstrebende Band mit bereits großem Erfolg – wenn nicht die Musik, welchen Weg hättet ihr nach dem Abitur eingeschlagen?

The Capitols: Matt hätte eine Ausbildung zum Koch in Erwägung gezogen, da er sehr gerne kocht und in keiner anderen Sache, außer der Musik natürlich, so viel Entspannung findet wie beim Kochen. Aber generell würden wir uns alle im kreativen Bereich wieder finden, entweder in der Filmbranche oder als Musikproduzenten, die nicht selbst aktiv spielen, sondern für Dritte Texte und Songs schreiben.

Unikat: Es gibt mittlerweile viel Konkurrenz – Nachwuchsbands und Solo-Künstler haben alle ein Ziel: Sie wollen an die Spitze, bekannt und erfolgreich werden. Matt, du spielst Blockflöte, was eher ungewöhnlich für eine Band ist. Wie wichtig ist es heutzutage für eine Band ein gewisses extravagantes und auffälliges Merkmal zu haben? 

The Capitols: Auf jeden Fall überlebenswichtig, denn nur so kann man sich leicht von der Masse abheben und Erfolg haben.

Unikat: Wenn ihr nicht die Blockflöte als Element in eurer Band hättet, hättet ihr eine andere Entwicklung erlebt?

The Capitols: Es hätte uns auf jeden Fall ein gewisses Maß weniger Medienaufmerksamkeit eingebracht, was schade wäre, denn auch davon lebt die Band. Entweder die Band beherrscht ein Musikgenre sehr gut und repräsentiert es in den Songs perfekt oder sie hat einen unverkennbaren Sound, und zeichnet sich dadurch aus. Bei uns liegt der Fokus des Ausgefallenen eben auf der Blockflöte.

Unikat: Wenn ihr unterwegs, auf Tour seid, bekommt ihr den Konkurrenzkampf unter den auftretenden Bands zum Beispiel hinter den Kulissen zu spüren?

The Capitols: Es gibt immer Konkurrenz, das ist normal, aber ehrlich gesagt möchten wir uns darauf nicht einlassen. Allgemein ist es immer gut, sich gegenseitig ein wenig anzustacheln und sich zu inspirieren, aber die Denkweise „Das ist unser Konkurrent, den müssen wir jetzt ausspielen“, bringt letztendlich niemandem was, kostet nur Nerven und ist unnötig.

Unikat: Erfolg ist äußerst wichtig für eine Band und generell für Künstler – Miley Cyrus beispielsweise sorgt mit ihren kurzen Haaren und provokanten Musikvideos für sehr viel Aufmerksamkeit und hat damit auch offensichtlich Erfolg. Es gibt unzählige Marketingstrategien, um sich schnell einen Namen zu machen. Was würdet ihr nie für euren Erfolg machen, was ist ein absolutes No-Go für euch? 

The Capitols: Wenn wir mal kurz auf Miley Cyrus eingehen – das ist wirklich eine sehr gute Marketingstrategie und es scheint, als stehe sie da auch selbst dahinter. Wir möchten solche extremen Dinge vermeiden, außer uns bleibt nichts Anderes mehr übrig, um als Künstler zu überleben. Auf keinen Fall würden wir uns Sachen vorschreiben lassen und diese auch machen, wenn sie uns nicht gefallen. An sich lassen wir uns immer gerne Input geben und solange wir die Idee selbst gut finden und sie akzeptieren, ist es für uns auch absolut in Ordnung, bestimmte Maßnahmen oder Veränderungen für den Erfolg in Kauf zu nehmen.

Unikat: Fans sind ja diejenigen, die eine Band ausmachen. Wie wichtig sind euch eure Fans und wie verbringt ihr Zeit mit ihnen?

The Capitols: Unsere Fans sind uns natürlich enorm wichtig. Nach unseren Auftritten sind wir schon immer sehr Fan-gebunden. Wir reden mit ihnen, machen Fotos, nehmen uns einfach Zeit für sie.

Unikat: Heutzutage gibt es viele Neider. Wie geht ihr mit negativer Kritik um?

The Capitols: Es gibt immer Menschen, die sagen, dass wir zu kommerziell geworden sind, die unsere Musik und Texte nicht mögen oder einfach aus irgendeinem Grund neidisch sind, das ist ganz normal. Es ist gefährlich und unnötig, sich von negativen Kommentaren beziehungsweise negativer Kritik beeinflussen zu lassen. Man muss immer selbst hinter dem stehen, was man macht und wenn es Leuten nicht gefällt, dann ist das sehr schade, aber man kann nichts dagegen tun. Wir machen einfach immer unser Ding weiter und lassen uns nicht von anderen ablenken.

Unikat: Ihr schreibt eure Songtexte selbst. Wie kommt ihr auf die Themen und gibt es eine Person, die für das Verfassen der Texte verantwortlich ist?

The Capitols: Unsere Songs bestehen aus drei verschiedenen Arten: Oft schreiben wir sie alle zusammen in der Bandprobe, indem wir ein Zusammenspiel erzeugen, das meist aus spontaner Energie entsteht. Der Text kommt dann hinterher drauf, den meistens Matt schreibt. Dann gibt es Songs, die entweder Johann komplett fertig geschrieben mit Text zur Bandprobe mitbringt, oder Songs, die Jan und Matt zusammen schreiben. Generell schreibt bei uns nicht nur einer die Songs und Texte, sondern jeder steuert hin und wieder etwas bei. Die Songs sind also ein Produkt von uns allen zusammen.

Von den Themen her gibt es zwei extreme Seiten: Johann schreibt typisch Songwriter-mäßig über das, was ihn bedrückt. Jan und Matt behandeln eher abstrakte Themen, aber insgesamt kann man sagen, dass unsere Hauptthemen Entfremdung und Isolation sind. Generell geht es viel um Einsamkeit, Verlorenheit, Kontrollverlust, Themen, die gegen den Strom sind. Unsere Texte sind manchmal schwer zu deuten und auf alle Fälle mehrfach interpretierbar.

Unikat: Was können eure Fans noch dieses Jahr von euch erwarten  und was erwartet ihr euch vom Jahr 2016? 

The Capitols: Das Jahr 2016 ist ein für uns sehr wichtiges Jahr, da wir uns sehr stark damit beschäftigen, wer wir eigentlich sind und wo unsere Reise hingehen soll. Wir sind definitiv auch bereit, viele Dinge zu ändern, einfach das, was inzwischen alt für uns ist, über Bord zu werfen und uns für Neues in allen Bereichen zu öffnen. Es liegt also rundum eine Erneuerungsphase vor. Wir wollen uns selbst nochmal neu finden und all das, was wir bisher gemacht haben, aus der Hand geben und anderen Leuten übergeben, denen wir vertrauen, um ein neues Gesicht zu erhalten und andere inspirierende Einflüsse zukünftig in unsere Band aufzunehmen.

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The Capitols (c) Janko Rašeta

Zwei Fragen, schnelle Antworten

Matt: Welche Schlagzeile würdest du morgen über deine Band lesen wollen?
            – „The Capitols spielen spontan ihren bekanntesten Hit mit tausend Mann starkem Flüchtlingschor.“

            Du hast in einem Restaurant einen Tisch für zwei reserviert – welche berühmte Persönlichkeit würdest du auf ein Dinner For Two einladen?
            – Dostojewski.

Johann: Wenn du eine Superkraft hättest, welche wäre es?
Entweder die Kunst, mich besser anziehen zu können, oder Teleportation.

                  Welche drei Gegenstände würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen, die nichts mit Musik zu tun haben?
– Kamera, Stift, Block.

Jan: Wenn eure Band verfilmt werden würde, welcher Schauspieler würde dich verkörpern?
          – Johnny Depp.

          Welche ist deine Lieblingsjahreszeit?
          – Herbst.

Sami: Wenn du eine Million Euro gewinnen würdest, was wäre das erste, was du dir von dem Geld kaufen würdest?
– Einen Soja-Latte.

            Was ist dein Lieblingsurlaubsziel?
Mein Zuhause.

Christina Pletowski

1 Kommentar

  1. Sehr gutes Interview! Lob an die Redakteurin und die Band :) Bitte gerne öfter solche Artikel, das ist sehr interessant.

    Liebe Grüße
    Anna

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Trackbacks/Pingbacks

  1. The Capitols heißen jetzt Matija | unikat - […] letzten Jahr hatten wir bereits die Freude, euch zu interviewen. Allerdings hießt ihr da noch „The Capitols“. Wie kam…

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