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Das Pulse-Shooting in Orlando

Homophobie ist noch nicht Geschichte

Sonntagnacht wurden 50 Menschen erschossen und mindestens genauso viele verletzt, als ein Schütze im „Pulse“, einem queeren Club in Orlando, das Feuer eröffnete. Die Mehrzahl der Mainstream-Medien beschäftigt sich intensiv mit dem Hintergrund des Mannes und spekuliert über sein Bekenntnis zur Terrormiliz ISIS, während die Tatsache, dass die tödlichste Massenschießerei in der amerikanischen Geschichte ein direkter Angriff auf LGBTQ-Leute darstellt, häufig nur am Rande erwähnt wird. Bundeskanzlerin Merkel sprach in ihrer Beileidsbekundung von Toleranz und Offenheit, erwähnte die queere Community jedoch in keinem Wort, genauso wenig wie Bundespräsident Joachim Gauck und eine ganze Latte weiterer deutscher, aber auch amerikanischer Politiker. Anscheinend ist es bequemer, sich auf den möglichen terroristischen und islamistischen Hintergrund der Schießerei zu stürzen, anstatt einzugestehen, dass in der ach so toleranten und offenen westlichen Gesellschaft Homo- und Transphobie noch immer riesige Probleme darstellen.

Am 13. Juni fand vor dem U.S. Konsulat eine Mahnwache für die Opfer des Pulse-Shootings in Orlando statt. (c) Stephanie Berens

Am Montag fand vor dem U.S. Konsulat in München eine Mahnwache für die Opfer des Pulse-Shootings in Orlando statt. (c) Stephanie Berens

Nur weil der U.S. Supreme Court vor fast genau einem Jahr die gleichgeschlechtliche Ehe für konstitutionell deklarierte und in Deutschland Homosexuelle ja „fast“ die gleichen Rechte wie alle anderen Menschen haben, leben wir noch lange nicht im Paradies. Queere Menschen werden noch immer wegen ihrer Sexualität verbal und physisch angegriffen, amerikanische Politiker implementieren Gesetze, die LGBTQs das Leben unnötig schwer machen und dadurch auch eine klare Botschaft an die Öffentlichkeit vermitteln, nämlich dass Diskriminierung und Hass akzeptabel und teilweise sogar legal sind. Die deutsche Regierung spricht ständig von Toleranz und Offenheit, schafft es aber nicht, die Sexualität der Opfer von Orlando anzuerkennen, geschweige denn in Deutschland die Ehe für alle zu öffnen. Oder die Regenbogenfarben korrekt auf einem Plakat zum Internationalen Tag gegen Homo- Trans- und Interphobie zu platzieren.

Kerzen auf der ausgebreiteten Regenbogenfahne (c) Stephanie Berens

Kerzen auf der ausgebreiteten Regenbogenfahne (c) Stephanie Berens

Wenn ich mit meiner Freundin händehaltend durch die Straßen laufe, beobachte ich ständig die Leute um uns herum, um potenzielle schlechte Reaktionen rechtzeitig erkennen zu können. Wenn ich sie in der Öffentlichkeit küsse, behalte ich immer im Hinterkopf, dass uns gerade jemand mit Missfallen beobachten könnte. Nicht, weil es mich besonders kümmert, was andere Leute von uns denken. Sondern weil mir durch eben solche Vorfälle wie in Orlando immer wieder klar wird, dass sich in der so toleranten und offenen westlichen Gesellschaft noch immer Individuen befinden, die meinen, Menschen wegen ihrer Sexualität erschießen zu müssen. Und weil mir wiederholt von Politikern vermittelt wird, dass wir LGBTQs zwar toleriert werden, aber nicht Mensch genug sind, um die gleichen Rechte wie Heterosexuelle inne zu haben.

Die Regenbogenfahne mit zahlreichen Kerzen und Rosen wurde später auf dem Gelände des U.S. Konsulats platziert. (c) Stephanie Berens

Die Regenbogenfahne mit zahlreichen Kerzen und Rosen wurde später auf dem Gelände des U.S. Konsulats platziert. (c) Stephanie Berens

Lin-Manuel Miranda brachte es in seiner Dankesrede bei den Tony Awards auf den Punkt: Liebe ist Liebe ist Liebe ist Liebe und wird weder mit Waffen umgebracht, noch durch diskriminierende Gesetze unterdrückt werden können.

When senseless acts of tragedy remind us

That nothing here is promised, not one day

This show is proof that history remembers

We live through times when hate and fear seem stronger

We rise and fall and light from dying embers

Remembrances that hope and love last long

And love is love is love is love is love is love is love is love is love

Cannot be killed or swept aside.

Stephanie Berens

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