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Künstler oder Killer? Der Computerspielpreis 2016

Wie weit darf das Medium Spiel gehen? Muss wirklich alles kindgerecht sein?

Während sich am Donnerstag beinahe die gesamte deutsche A-Z-Prominenz auf dem Echo in Berlin rumtrieb, fand im Galasaal der BMW-Welt in München eine etwas andere Veranstaltung statt: Der deutsche Computerspielpreis! Auf dem DCP werden seit neun Jahren vor allem deutsche, aber auch internationale Games in 14 Kategorien ausgezeichnet. Beim DCP 2012 war es noch ein kleiner Skandal, als das sogenannte Killerspiel „Crysis 2“ vom Frankfurter Entwickler Crytek von der Jury zum Besten Deutschen Spiel vorgeschlagen wurde. Wolfgang Börnsen, der damalige kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, kritisierte die Nominierung stark und bezeichnete sie als unvertretbar: „Sogenannte Killerspiele dürfen nicht honoriert werden, auch wenn sie technisch noch so ausgereift sind.“ Danach relativierte er noch: „Wir tolerieren nach unserem Freiheits- und Demokratieverständnis durchaus jeden Erwachsenen, der diese Art von Spielen in der Freizeit spielt.“ Ganz so tolerant war man dann doch nicht, denn nachdem das Spiel den Preis gewann, gab es einige Neubesetzungen in der Jury.

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Der Gala Saal der BMW Welt in München

Inzwischen sind wir im Jahr 2016 angekommen und die Jury hat wohl aus Sicht der CDU/CSU immer noch nicht dazugelernt: So gewann das polnische Entwicklerstudio CD Projekt für ihr Rollenspiel „The Witcher 3: Wild Hunt“, in dem man die meiste Zeit damit verbringt mit zwei Schwertern Gliedmaßen abzuhacken, gleich drei Preise: Bestes Internationales Spiel, Beste Internationale Neue Spielewelt und den Publikumspreis. Auch die Jungs von Crytek konnten mit ihrer SEHR friedlichen Virtual-Reality-Klettersimulation „The Climb“ den Preis für die Beste Innovation abräumen. Das Beste Deutsche Spiel ging in diesem Jahr an die Düsseldorfer Spieleentwickler Blue Byte für ihr Strategiespiel „Anno 2205“. (Das neue Anno!!! https://www.youtube.com/watch?v=wgHMA8nDq38)

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Das Entwicklerteam CD Project aus Polen

Insgesamt gab es ein Preisgeld von knapp 500.000 Euro, von denen wohl ein Großteil in die Entwicklung neuer Games fließen wird. Als Student fand ich den Preis für Bestes Nachwuchskonzept (dotiert mit insgesamt 75.000 Euro) am interessantesten. Hier konnten sich Studierende der Media Design Hochschule München (Platz 1: Cubiverse), der HAW Hamburg (Platz 2: Lost Ember) und der TH Köln (Platz 3: Leaves) behaupten.

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Die Preisträger des Nachwuchspreises

Auch vor und nach der Verleihung gab es einiges zu sehen: Alle paar Meter traf man auf einen Charakter aus Spielen oder Filmen, ob Herr der Ringe, die Alien-Serie, Deadpool, Super Mario, Transformers oder Fall Out. Auch einige Stormtrooper und sogar Lord Vader persönlich wurden gesichtet. Auf der After-Show-Party gab es dann noch die Möglichkeit, sich mit Preisträgern, Entwicklern und anderen bekannten Gesichtern aus der Gaming-Szene wie LeFloid („Hat der nicht letztes Jahr Angie interviewt…?“), aber auch Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, oder Ilse Aigner, Bayerische Wirtschaftsministerin und Schirmherrin des DCP, zu unterhalten. Wer nicht in der Gamingszene aktiv ist und sich auch nicht durch eine Presseeinladung reinschleichen konnte, hatte die Möglichkeit, die Veranstaltung im Livestream zu verfolgen.

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Der Autor mit Florian Mundt aka LeFloid

Infos und mehr Bilder auf der offiziellen Homepage.

Alexander Zacharias

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