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Impfstoff Angst

Oder: Wieso der Flüchtling ein konstruiertes Bild der Massenmedien ist

Wie beschreibt man den Zustand, wenn Menschen auf der Flucht sind? Die Medien sprechen oft von einer Art Naturkatastrophe, einer Flüchtlingswelle, die Europa zu überschwemmen droht. Die Angst vor dem Fremden bekommt Konturen. Es sind Zahlen, die wir täglich hören und Probleme, die mit diesen Zahlen in Verbindung gebracht werden. Die steigende Arbeitslosigkeit, Kinderarmut in Deutschland, der Wohnungsmarkt – plötzlich wird keine gesellschaftliche Debatte ohne Einbezug der Flüchtlingsthematik geführt.

Die Vielfalt schätzen lernen

 

Zweifellos sollte es zum Ziel Europas werden, sich mir Fragen auseinanderzusetzen, die durch den Flüchtlingszustrom entstanden sind – oder sich dadurch eher zugespitzt haben. Das Thema Integration darf nicht länger ignoriert werden.

Doch auf welche Weise diesen Diskurs führen?

Die Massenmedien wählen eine sehr einfache Darstellung: Bilder von überfüllten Lagern werden gezeigt, öffentliches Gelände, auf dem Container aufgestellt werden. Zusätzlich investiere der Staat Geld, um von Flüchtlingen bezogene Hotels zu bezahlen. Und der Dank dafür? Ein vor einer Unterkunft sitzender Mann wird eingeblendet. Nichtstuend, höchstens auf seinem Smartphone tippend. Würde er wenigstens arbeiten gehen.

Würde man wenigstens mal in Erwägung ziehen, dass der junge Mann wahrscheinlich gerne arbeiten gehen würde! Stattdessen glühen in überheizten Wohnzimmern weitere Funken Angst, die in Worthülsen gepackt werden und auszubrechen drohen. Das Fremde ist das, was plötzlich den Namen Flüchtling trägt. Das Einfachste scheint, alle Ängste auf das Fremde zu projizieren. Die Frage ist, mit welcher Konsequenz, außer der weiteren Ausbreitung von Rassismus und Fremdenhass? Es werden nicht weniger Menschen vor Krieg fliehen, wenn wir weiterhin ein Angstbild konstruieren und uns krampfhaft daran festklammern. Arbeitslosigkeit in Deutschland gibt es nicht erst seit 2015.

München ist bunt – und das ist auch gut so!

Refugees welcome!

München hat in den letzten Monaten gezeigt, dass es sich lohnt, von den übertreibenden Begriffen der Medien Abstand zu nehmen. Und sich vor allem davon zu entfernen, falsche Bezüge zwischen verschiedenen Problematiken herzustellen. Die Menschen, die zu uns flüchten, wollen uns weder Arbeit noch Wohlstand klauen. Was sie stattdessen fordern oder erwarten? Es ist weniger als viele Europäer befürchten, manchmal mehr als es sich die Geflüchteten selbst erhofft haben. Es ist in vielen Fällen der Neuanfang eines friedlichen Lebens.

Julia Bissinger

1 Kommentar

  1. Daya

    Ich verstehe nicht ganz, wie du darauf kommst, dass der „Flüchtling ein konstruiertes Bild der Massenmedien“ ist. Vor allem bis Anfang 2016 wurde in den Massenmedien genau das Gegenteil von dem berichtet, was du hier schreibst. Seitdem wird ja viel darüber debattiert, ob die Berichterstattung in Deutschland zu einseitig und regierungskonform ist. Besonders das öffentlich-rechtliche Fernsehen vertritt die „Willkommenskultur“ und neben Männern, die gelangweilt in Zelten sitzen und an ihrem Smartphone herumtippen, werden umso öfter Familien gezeigt, die verzweifelt an den Grenzen ausharren.

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