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Rückblick auf das Jugendfilmfestival „Flimmern&Rauschen“

Talentierte Nachwuchs-Filmer zu entdecken

Zwei junge Moderatoren begrüßen enthusiastisch das Publikum, das im abgedunkelten bestuhlten Saal im Muffatwerk sitzt. Auf einer riesigen Leinwand werden später einige Filme laufen – von eigenartigen Experimentalfilmen, über gelungene Dokumentationen bis hin zu fiktiven Geschichten, sogar Animationen sind dabei. Zu Beginn erzählt der Festivalleiter Günther Anfang ganz begeistert, dass das 33. Jugendfilmfestival „Flimmern&Rauschen“ im Februar 2016 in München zum ersten Mal dreitägig stattfindet. Es ist das älteste Festival dieser Art in Deutschland. Ein paar Versprecher und kommunikative Missverständnisse zwischen dem Leiter und den Moderatoren stören die Eröffnung kaum, denn das Projekt selber soll ja gerade unerfahrene oder am Anfang stehende jugendliche Filmschaffende fördern und da ist eine etwas aufgeregte, nicht hundertprozentig rund laufende Anmoderation passend.

Selfie auf der Bühne mit den Jurymitgliedern, (c) Medienzentrum München des JFF-Instituts

Die Jury auf der Bühne (c) Medienzentrum München des JFF-Instituts

Für jede Stimmung ist etwas dabei

Von etwa 100 eingereichten Filmen werden 75 im Laufe der drei Tage vorgeführt. Dabei sind die Themen und Genres sehr unterschiedlich, aber auch qualitativ gibt es große Unterschiede. Allerdings muss man dazu auch wissen, dass die Preise am Ende nach Altersgruppen vergeben werden, wobei die jüngsten FilmemacherInnen zum Teil erst vier Jahre alt sind. Wenn man also nichts ahnend zum Eröffnungsprogramm marschiert, muss man damit rechnen, dass einen der erste Film vielleicht noch überrascht, während der nächste dann etwas anstrengend oder ernüchternd sein kann.

Das ist aber auch das Spannende am Jugendfilmfestival: Gleich beim ersten Programm bin ich etwas enttäuscht von einem kindlich gemachten Film-Essay, kurz darauf begeistert mich aber ein Dokumentarfilm von Studenten der HFF, in dem im Schwarz-Weiß Format und mit der richtigen Musik genau die Stimmung von frustrierten, nicht gehörten Bürgern über den Bau einer Autobahn getroffen wird. Das ist aber nur ein Beispiel unter den vielen Filmen, die mich wirklich bewegt haben. Auch das „Filmkränzchen mit Kaffeediskussion“ am Donnerstagnachmittag und die Möglichkeit, im Anschluss an die Filme Fragen an die Regisseure stellen zu können, sind tolle Ideen, die für eine entspannte und lockere Atmosphäre im Kinosaal sorgen.

Diskussionsrunde nach dem gezeigten Film "

Diskussionsrunde nach dem preisgekrönten Film „A Man’s Road“ von Jonathan Gentz und Victor Sattler (c) Medienzentrum München des JFF-Instituts

Trommelwirbel für die Gewinner

Vor allem die Preisverleihung am letzten Abend ist einen Besuch wert, denn wer keine Zeit für das ganze dreitägige Programm hat, der kann guten Gewissens der Jury vertrauen und sich die preisgekrönten Filme alle auf einmal gönnen. Ist die Auswahl insgesamt doch sehr umfangreich, kann man sich sicher sein, dass die zum Schluss gezeigten Filme ihren Preis verdient haben und sich das Anschauen lohnt. Glanzvoll wird die Preisverleihung aufgezogen, was die ganze Veranstaltung auf jeden Fall amüsant macht. Dafür sorgt zum Beispiel ein eigens von den ModeratorInnen gespielter Trommelwirbel.

Als kleinen Vorgeschmack auf die wiederholte Ausstrahlung aller preisgekrönten Filme im Theatron diesen Sommer will ich ein paar der zu empfehlenden Siegerfilme erwähnen. Einen netten Auftakt bildet zunächst das süße Filmprojekt „Coleopter Pucerus auf Reisen“ einer Grundschulklasse: Fantasievoll gestaltete Käfer aus Knete bereisen die Welt, um sich dann auf dem Mond niederzulassen.

Abschlussfoto der Gewinner bei der Preisverleihung am Freitag Abend

Abschlussfoto der Gewinner bei der Preisverleihung am Freitag Abend (c) Medienzentrum München des JFF-Instituts

Ein Spielfilm der älteren Generation wird wohl einigen Zuschauern noch länger im Gedächtnis bleiben: „Fremde Nähe“. Filmstudenten aus München zeigen hier Themen auf, die viele Jugendliche beschäftigen, nämlich die erste Liebe und die Suche nach der eigenen Identität. Doch hier erhält auch eine momentan aktuelle Thematik Einzug: Die Hauptfigur Cassie ist Deutsch-Filipina und steht im kulturellen Clash mit ihrer Mutter, der es im Gegensatz zu Cassie schwer fällt, sich zu integrieren. Diese Problematik ist mit eindrucksvollen Unterwasserszenen untermalt und nicht zuletzt überzeugt auch die gute schauspielerische Leistung.

Eine weitere Anerkennung geht an den Dokumentarfilm „Musik als Zuflucht“. Besonders beeindruckend ist an diesem Film, dass er durch das Interesse eines Vierzehnjährigen am Zweiten Weltkrieg entstand, der sich eine Kamera lieh und im Rahmen eines Schulprojekts nach Prag fuhr, um eine Holocaust-Überlebende zu interviewen. Sehr einfühlsam erzählt er die Geschichte von Dagmar Lieblova, die im Konzentrationslager Theresienstadt in der Kinderoper „Brundibar“ auftrat. Musik spielte für das Überleben der erzählenden Frau Lieblova eine große Rolle, was sie nicht nur im Film, sondern auch in der anschließenden Diskussion sehr eindringlich beschreibt.

Moritz Spender bei der Presiverleihung für seinen Dokumentarfilm "Musik als Zuflucht"

Moritz Spender bei der Preisverleihung für seinen Dokumentarfilm „Musik als Zuflucht“ (c) Medienzentrum München des JFF-Instituts

Auch der kurze Spielfilm „Exposé“ beweist scharfsinniges Beobachten und eindringliches Erzählen. Allein durch die mächtige Sprache von Bildern schafft es dieser Film das Sich-Entfremden eines älteren Ehepaares auf schlichte, aber eindrucksvolle Weise aufzuzeigen. Ebenfalls sehr sehenswert sind die Filme „A Man’s Road“, „Mila“ und „Abseits“. Letzterer ist der Gewinner der Kategorie „Anders aber nicht giftig“ und darum mit einem Sonderpreis ausgestattet.

Gelungene Motivation und Unterstützung junger Talente

Natürlich ist das Festival besonders für die Filmemacher selbst sowie ihre Angehörigen und Freunde ein tolles Event. Es hilft jungen Kreativen, sich miteinander auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und Ideen zu gewinnen. Außerdem sorgt „Flimmern&Rauschen“ auch für die angemessene Anerkennung und Motivation junger Talente. Das alleine ist schon ein guter Grund, die Sache zu unterstützen, zumal der Eintritt für alle drei Tage nur acht Euro kostet. Aber auch für diejenigen Studenten unter uns, die sich für Film interessieren oder sogar selbst aktiv sind, ist es sehr empfehlenswert, sich hier die ein oder andere Inspiration zu holen. Nächstes Jahr ist es dann wieder so weit: Das Medienzentrum des JFF freut sich schon auf „Flimmern&Rauschen“ 2017!

Und wer sich selbst noch einen Eindruck von den preisgekrönten Filmen dieses Jahres machen will, kann im Sommer das Theatron im Olympiapark besuchen, genaueres Datum wird noch bekannt gegeben!

Infos und mehr Bilder auf der offiziellen Homepage.

Daya Sieber

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