Wir schreiben München – schreibt mit!

Nie wieder Alkohol

Ein Leben ohne Bier, Sekt & co. – Geht das?

Der Schädel brummt, schon beim Anblick von Essen dreht sich einem der Magen um und zur Krönung des Ganzen, kommen langsam die Erinnerungen von letzter Nacht zurück, die oft allein Grund genug für Kopfschmerzen sind.

1fb485d6527920602d1e3dccbf3ebc88

Peinliche SMS, Entkleiden in der Öffentlichkeit, die falsche Person anmachen – Freuden des Alkohols

Die Fastenzeit hat begonnen und für viele steht der Verzicht auf Alkohol ganz oben auf der Liste – zumindest für die nächsten Wochen. Es gibt die unterschiedlichsten Gründe für diese Entscheidung: gesundheitliche, religiöse oder einfach, weil man mal etwas Neues ausprobieren möchte. Die Fastenzeit bietet sich hierfür bestens an, da die meisten Menschen Abstinenz jeglicher Art in dieser Zeit einfach akzeptieren – ohne viele Rückfragen und Kommentare. Das macht das Verzichten definitiv stressfreier.

Es gibt jedoch auch viele Menschen, die beschlossen haben, komplett ohne Alkohol zu leben und zwar immer. Doch wie genau sieht das dann aus? Was motiviert diese Menschen? Wie beeinflusst es das alltägliche Leben?
Ich habe mal bei einem dauerhaften „Alkoholverzichter“ nachgefragt.

 

Wie lange trinkst du schon nicht mehr?

Seit 10 Jahren nicht mehr.

Wie regelmäßig hast du davor getrunken?

Jedes Wochenende, meistens freitags und samstags.

Warum hast du dich dazu entschieden, Alkohol aufzugeben?

Wir haben uns in der Zeit meistens immer bei einer Freundin getroffen, um dort zu trinken und Shisha zu rauchen. An einem Abend habe ich es dann mit der Shisha etwas übertrieben und mir ging es den folgenden Tag ziemlich schlecht. Als wir uns das darauffolgende Wochenende wieder getroffen haben und ich den alten, kalten Shisharauch in dem Keller gerochen habe, in welchem wir immer waren, wurde mir sofort wieder schlecht und ich habe mich dann dazu entschieden, erstmal keine Shisha mehr zu rauchen. Nach einiger Zeit wollte ich dann interessehalber einen Abend auch nichts trinken. Aus dem einen Abend sind mittlerweile 10 Jahre geworden.

Wie kam deine Entscheidung damals bei deiner Familie und deinen Freunden an?

Meine Familie hat dies eigentlich recht entspannt aufgenommen und auch keine große Sache daraus gemacht. Anders war dies in meinem Freundeskreis. Man sollte hier noch erwähnen, dass ich damals 15 Jahre alt war, ein Alter, in dem die meisten erst mit dem Trinken anfangen. Dementsprechend bin ich da auch auf ziemliches Unverständnis gestoßen, da keiner meiner Freunde diese Entscheidung damals verstehen konnte, bzw. sie akzeptieren wollte.

Hast du besondere Veränderungen bei dir selbst bemerkt?

Zu dem damaligen Zeitpunkt habe ich keine wirklichen Veränderungen bemerkt. Weder körperlich noch mental.

Inwiefern beeinflusst es dein Sozialleben?

Mittlerweile eigentlich kaum noch. Umso älter das Umfeld um einen herum ist, desto mehr wird eine solche Entscheidung akzeptiert. Als ich aufgehört habe zu trinken, war es anfangs definitiv anders. Man hat sich dadurch selbst in gewisser Weise zum Außenseiter gemacht (nur bei Partys), da man anfangs einfach nicht damit umgehen kann, wenn alle betrunken sind und man der einzige Nüchterne ist. Mit der Zeit lernt man aber, damit umzugehen und hat dann auch keine Probleme mehr damit, mit Freunden unterwegs zu sein, wenn man selbst der Einzige ist, der nicht betrunken ist.

Vermisst du Alkohol oder das Gefühl von Betrunkensein manchmal?

Eher selten. Schätzungsweise 3 – 5 Mal im Jahr.

Die größten Vorteile, die du siehst? Nachteile?

Man weiß, was man tut und stellt weniger dumme Sachen an. Zudem kommen Vorteile wie schnellere Regenration und ein höheres Leistungsvermögen hinzu, die für Sportler interessant sind. Außerdem spart man so recht viel Geld. Wenn man daran denkt, dass viele am Wochenende in Bars und Clubs nicht selten über 50 € nur für Alkohol ausgeben, ist dies definitiv ein Pluspunkt.

Hast du zwischenzeitlich mal „geschummelt“?

An meinem 18. Geburtstag musste ich meinen Freunden versprechen, zu trinken, was ich auch ausgiebig getan habe. Seitdem aber nicht mehr.

Könntest du dir vorstellen irgendwann wieder Alkohol zu trinken?

Das ist eine schwierige Frage. Im Grunde habe ich kein Problem mit Alkohol. Ich habe mich damals einfach entschieden, keinen mehr zu trinken. Ich habe auch hin und wieder daran gedacht wieder anzufangen, aber da steht mein Stolz im Weg. Es gab zu viele, die mir damals sagten, dass ich das nie durchhalten und spätestens in ein paar Jahren wieder anfangen werde. Allein das ist ein Grund für mich, keinen mehr zu trinken.

Hast du Tipps für jemanden, der auch auf Alkohol verzichten möchte?

Man sollte sich bewusst sein, dass man sich damit anfangs definitiv keinen Gefallen tut. Der Körper wird es einem danken, aber das abendliche Sozialleben wird in der ersten Zeit gewiss darunter leiden. Einen wirklichen Tipp, um es einfacher zu machen, kann ich im Grunde nicht geben, nur sagen, dass man dazu einen starken Willen braucht. Man sollte sich auch keine Gedanken machen, was andere von einem halten, oder sich komisch vorkommen, wenn an Sylvester alle mit einem Glas Sekt anstoßen und man selbst nur ein Glas Orangensaft in der Hand hält. Einfach das machen, was man für sich selbst für richtig hält, dann klappt das schon.

Ich persönlich finde es ist eine gute Idee, zu versuchen mal ohne Alkohol zu leben. Ob man das nun einen Abend, eine Woche, ein Monat oder dauerhaft machen möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Dem Ganzen einen Chance geben, kostet nichts und man entwickelt ein stärkeres Bewusstsein für den eigenen Alkoholkonsum und seine Auswirkungen. Womöglich lernt man auch eine ganz neue Facette an sich selbst kennen. Und das Schöne an der Sache ist, dass man seine Meinung jederzeit wieder ändern darf – sollte der Sex on the Beach zu verführerisch klingen.

 

Amelie Gutbier

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.