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Helfen

Es ist kalt, meine Hände stecken seit Stunden in Gummihandschuhen, meine Füße schmerzen vom Stehen und doch fühle ich mich so gut wie lange nicht

 

Bilder von erschöpften, in Gruppen zusammenkauernden Menschen, dicht gedrängt um Berge von Plastiktaschen und Rucksäcken, gefüllt mit allem, was ihnen geblieben ist. Schlafende Kinder auf dem Boden von Bahnhofshallen. Berichte über Einzelschicksale, die der Flüchtlingskatastrophe ein Gesicht geben wollen. Schreckliche Geschichten die von Flucht handeln, von Gefahr, Gewalt und Tod.

Seit Monaten begegnen einem diese Bilder tagtäglich. Wenn man die Zeitung aufschlägt, abends die Nachrichten ansieht oder auch wenn man durch den Münchner Hauptbahnhof läuft und eigentlich nur auf der Suche nach dem richtigen Gleis ist, weil man über‘s Wochenende Heim fahren will.
All das hat bei mir den Drang geweckt, etwas zu tun, die Situation für wenigstens einen Menschen zu verbessern.

Der Weg ist leicht zu finden.

Der Weg ist leicht zu finden.

Ich recherchierte ein wenig und beschloss, bei Diakonia Kleidung für geflüchtete Menschen zu sortieren. Entschieden habe ich mich für genau diese Organisation, weil die Anmeldung super einfach ist und die Sortierstation ziemlich nah an meiner Wohnung liegt. Diakonia bekommt die Spenden von Privatpersonen geliefert, sie werden von freiwilligen Helfern sortiert und die brauchbare Kleidung wird direkt zur Erstaufnahme in der Bayernkaserne geliefert und an die Flüchtlinge verteilt. Dort werden bei der Spendenausgabe auch immer fleißige Helfer gesucht. Sortiert wird in einer großen Lagerhalle, laufend kommen Menschen vorbei um Sachen abzugeben. Zu Beginn trägt sich jeder Helfer in eine Liste ein, um im Ernstfall versichert zu sein.

Fast niemand ist auf den kalten Winter vorbereitet

Jeder Helfer bekommt seine eigene "Sortierstation" zugeteilt.

Jeder Helfer bekommt seine eigene „Sortierstation“ zugeteilt.

Ich werde nett begrüßt und man weist mich sofort ein. Jeder Helfer hat einen Tisch, auf dem die Spenden sortiert werden, erst einmal in „gut erhalten“ und „beschädigt/schmutzig“, dann in „benötigt“ und „momentan nicht benötigt“. Die Kleidung, die in einem sehr guten Zustand ist, aber im Moment nicht für geflüchtete Menschen benötigt wird, wird dem Secondhand Kaufhaus Diakonia zur Verfügung gestellt. Von diesem gibt es sieben Filialen in München, in welchen Kleidung, Möbel, Spielsachen und andere Waren zu erschwinglichen Preisen verkauft werden. Für die Flüchtlinge wird zurzeit vor Allem Winterkleidung gesucht, da diese zu meist nur leichte Garderobe mitbringen und nicht auf unseren Winter vorbereitet sind. Viele kennen derartig niedrige Temperaturen nicht aus ihren Heimatländern. Aber auch Kosmetikprodukte (ungeöffnet), Haushaltsgegenstände, Bücher, Spielsachen und Sportartikel, wie beispielsweise Schlittschuhe, werden benötigt.

 Sortieren ist ein bisschen wie auf Schatzsuche zu gehen

Für jede Art von Kleidungsstück, jede Größe und Zielgruppe gibt es gekennzeichnete Sammelsäcke.

Die Kleidung wird nach Größe und Zielgruppe sortiert.

Wenn man die Säcke, Taschen und Koffer auspackt und den Inhalt sortiert, findet man manchmal die seltsamsten Dinge. Von einer riesigen Sammlung Tischtücher mit Brandflecken hin bis zu Fotoalben mit persönlichen Fotos kommt wirklich alles vor. Es ist auch schon vorgekommen, dass ein Spender seinen Reisepass in einem versteckten Fach im Rucksack vergessen hat. Viele Spender geben sich große Mühe, waschen und bügeln die Kleidung vor der Abgabe, legen manchmal sogar einen Zettel mit der Kleidergröße oder einer kurzen Nachricht bei, um das Sortieren zu erleichtern. Leider gibt es auch Menschen, die die Kleiderspende mit der Mülltonne verwechseln und löchrige Schuhe, verdreckte Kleidung und sogar Abfall abgeben.

Die Arbeit in der Spendenannahme ist nicht leicht, je nachdem wie lange man hilft, kann es schon einmal anstrengend werden, da man die ganze Zeit steht. Aber Diakonia bietet jedem Helfer ein unentgeltliches Mittagessen an, es stehen immer Kaffee und Kekse bereit und es kann jederzeit Pause gemacht werden. Bei der Arbeit kommt man schnell mit den anderen Helfern ins Gespräch und es ist immer unterhaltsam, sich gegenseitig die besten Funde zu zeigen.

Diakonia ist eine gute Möglichkeit, sich mit relativ geringem Zeitaufwand für Flüchtlinge zu engagieren und man fühlt sich nicht mehr so tatenlos, wenn man die Bilder von überfüllten Schiffen und Menschenmassen an den Grenzen sieht. Falls ihr jetzt Lust bekommen habt, auch mitzuhelfen: Es werden fast jeden Tag Helfer gesucht, anmelden kann man sich ganz einfach unter www.diakonia.de.

Annika Wiedemann

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