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Auf nach Amsterdam!

Von bekifften Katzen und Häusern mit Charakter

Da stehen wir in einer Seitenstraße nahe der berühmten Damstraat beim Bahnhofsviertel in Amsterdam und blicken auf eine orange umrandete gläserne Fassade. Mitten in der offenen Tür steht eine schöne weiße Katze und über ihr der Name des ältesten legalen Coffeeshops in Amsterdam: das Rusland. Der Tipp kam von meinen Eltern, die hier schon in den 80ern abhingen. Seitdem haben sich ein paar Dinge geändert, im Untergeschoss zum Beispiel kann man jetzt in der Raucherlounge Fifa zocken. Dennoch fühlt man sich in die Zeit zurückversetzt, wenn man auf den 70er Jahre Sofas mit Satinüberzug sitzt und auf die gestreifte Tapete mit goldgerahmten Gemälden blickt.

Willkommen im "Rusland"

Willkommen im „Rusland“

 

Die niederländische Hauptstadt ist bekannt für ihre legalen Coffeeshops, man kann sie hier in jeder Art finden: beispielsweise auch im Stil der amerikanischen 50er Jahre mit New York Panorama oder in gemütlichem Ambiente mit in schummriges Licht getauchten Terrarien neben den Tischen, die Schlangen, Echsen und ähnliche Kreaturen beherbergen.

Wenn man auf der Suche ist, erweist es sich als ratsam nach Katzen mit seltsamem Verhalten Ausschau zu halten, die sich untypisch langsam bewegen und äußerst entspannt wirken. Hat man dann einen Shop entdeckt, lungern sie dort häufig auf dem Tresen oder bei den Gästen auf der Couch. Ein besonders tierfreundlicher kleiner Shop in der Nähe des Bahnhofs hatte sogar einen Kratzbaum mitten im Raum aufgestellt.

Nicht nur Kulturbanausen kommen hier auf ihre Kosten

Natürlich gibt es nicht nur „Shops“ dieser Art – das charmante Amsterdam hat viel mehr zu bieten. Doch wenn man mit drei männlichen Naturwissenschaftlern unterwegs ist, kann man wohl kaum erwarten, dass der Fokus auf kultureller Weiterbildung im Van Gogh Museum & Co. liegt.

Für mich als Kunstgeschichtsstudentin war es nicht so leicht sich da durchzusetzen, aber immerhin konnte ich die drei Kulturbanausen in das „Anne Frank Huis“ mitschleifen und sie zu einem kurzen Rundgang durch eines der größten und berühmtesten Museen der Niederlande, das Reichsmuseum, überreden. Dabei zog letztendlich das Argument, dass sie ja sonst nie erfahren würden, ob das riesige Gebäude innen denn auch aussieht wie Hogwarts. Die Antwort: leider nicht ganz. Dafür konnten wir bedeutende Gemälde Rembrandts und anderer Künstler bewundern, die einem immerhin eine Zeitreise in die niederländische Kunst des Mittelalters bis ins 20. Jahrhundert ermöglichen. Als kulturelles Reiseziel ist Amsterdam also auch für Studenten wärmstens zu empfehlen.

Hat man die vielseitige Stadt einmal in sein Herz geschlossen, wird einem Amsterdam auch zukünftig noch ideal für weitere Kurztrips erscheinen, vor allem da wir es uns als Studenten gut leisten können, das ein oder andere Wochenende einmal wegzufahren. Mithilfe von Internetseiten, die Privatunterkünfte günstig vermitteln, und einer Fernbusfahrt über Nacht wird die Reise auch geldbeutelfreundlich.

„I want to ride my bicycle, I want to ride it where I like“ – Queen

 

(c) Fluentin3months.com, http://www.fluentin3months.com/amsterdam/

(c) Fluentin3months.com, zum Artikel

Schon allein die lässige und freundliche Mentalität der Einwohner, von denen ein Achtel Studenten sind, bringen einen sofort dazu, sich wohlzufühlen. Zudem kommt, dass die kleine Hauptstadt eine richtige Fahrradstadt ist.

Nach unserer Ankunft wurde uns ein Fahrdienst zu unserer Wohnung zur Verfügung gestellt (wie einen Schnäppchenseiten wie booking.com doch immer wieder überraschen können). Begleitet von rhythmisierendem Reggae holperten wir über die Straßen von Amsterdam, wobei unser Fahrer, ein sehr sympathischer Jamaikaner mit langen Dreadlocks, unter leisem Fluchen mehrmals ruckartig bremste und wieder anfuhr.

Tja, das lag an den vielen chaotisch herumkurvenden Fahrradfahrern, die hier den Verkehr beherrschen wie nirgendwo sonst. Besonders als Fußgänger sollte man sich vor ihnen in Acht nehmen, wie wir später feststellten. Doch sobald man selbst einmal den Drahtesel in Amsterdam bestiegen hat möchte man ihn dort nicht mehr missen. Dabei kann man am besten die schönen, eigenartig geformten, oft auch schiefen Häuser bewundern und über die rund 1300 Brücken die vielen Kanäle überqueren, während der Wind einem durch die Haare streicht.

Amsterdams Charme einfach auf sich wirken lassen

 

Mit dem Tretboot durch Amsterdams Kanäle

Mit dem Boot über Amsterdams Kanäle schippern

Für Secondhand-Fans und diejenigen Studenten unter uns, die gerne stundenlang von Laden zu Laden schlendern und sich zwischendurch in einem gemütlichen Café an der Ecke niederlassen wollen um interessante Leute beobachten zu können, ist aber auch ein ausgiebiger Spaziergang perfekt. Bei schönem Wetter wie auch bei Regen lassen sich zu Fuß alte knallorangene Plattenläden, kleine unabhängige Boutiquen, Antiquitätengeschäfte und nicht zu vergessen die quirligen Straßenmärkte wie z.B. der „Albert Cuyp Market“ erkunden. In kleinen idyllischen Parkanlagen wie dem „Sarphatipark“ oder während einer Kanalfahrt lässt man sich am besten einfach vom Charme der zum Wohlfühlen verleitenden, lässigen und wunderschönen Hauptstadt der Niederlande berieseln.

Daya Sieber

1 Kommentar

  1. Schöner Artikel! Da bekommt man richtig Lust mal wieder nach Amsterdam zu fahren :)

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