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Er fragt – Sie fragt

Er fragt Sie – Beziehungsende

Unsere beiden Autoren eint ein Wunsch: Das andere Geschlecht zu verstehen. “Schnurzelburzel” und “Honigmäulchen” stellen sich in dieser unikaten Serie regelmäßig Fragen, deren Antworten die Gemütslagen, Vorstellungen und Gedankengänge des anderen Geschlechts erhellen sollen. Diese Woche:

„Fernbeziehungen – woran liegt’s wenn Beziehungen scheitern?“

 

Lieber Schnurzelburzel,

Warum scheitern Beziehungen? Und sieht das bei Fernbeziehungen nochmal etwas anders aus? Große Fragen. Beziehungen, egal ob familiär, freundschaftlicher oder romantischer Art, bereichern unser Leben und tragen einen großen Teil dazu bei, wie glücklich und zufrieden wir uns fühlen. Gleichzeitig bilden Auseinandersetzungen mit anderen auch immer eine Möglichkeit, Neues über sich selbst zu lernen. Wie viel Nähe, wie viel Freiraum braucht man? Wie wichtig sind einem feste Abläufe und Spontaneität? Was bedeutet es, sich aufeinander verlassen zu können? Hat Ehrlichkeit für mich oberste Priorität? Was verletzt mich?

Sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen ist wichtig und trägt zur Charakterbildung bei. Insofern kann man die Bedeutung von Beziehungen fast nicht überschätzen. Nun aber von Beziehungen im Allgemeinen zum Beziehungsende im Besonderen. Warum scheitern Beziehungen, die doch anfingen, weil wir gerade diesen Menschen für einen besonderen hielten, für jemanden, der gut zu uns passt? Grundsätzlich hat ein Beziehungsende meist mehrere Gründe. Diese aufzuschlüsseln ist komplex. Manchmal entdeckt man im Laufe der Zeit Seiten am anderen, die man zuvor nicht kannte. Dann muss man sich überlegen, wie sich diese auf das Gesamtbild der Person auswirken. Besonders, wenn man nicht bereits vor Beginn der Beziehung sehr gut befreundet war, kann das leicht passieren. Aber auch bei guten Freunden können Eigenschaften, die in der Freundschaft nicht stark hervorgetreten sind, auf einmal zum Problem werden. Das ist aber auch nicht ungewöhnlich. Eine Freundschaft basiert auf ganz anderen Erwartungen als eine romantische Beziehung. Da kann es durchaus sein, dass zwei Menschen als Freunde funktionieren, aber nicht als Paar – oder eben auch andersherum. Abgesehen davon gibt es natürlich auch den klassischen Fall, dass sich eine(r) nicht mehr zu dem/der anderen hingezogen fühlt. Das liegt oft ebenfalls an neuen Einflüssen und charakterlichen Entwicklungen. Diese können zu neuen Lebensvorstellungen führen – und damit zu einem neuen Gefühl dessen, was man anziehend findet. Gleichzeitig muss das aber natürlich nicht automatisch das Ende einer Beziehung bedeuten. Wir alle wachsen im Laufe der Zeit an unseren Erfahrungen. Wenn man es schafft, gemeinsam zu wachsen, bleibt eine Beziehung interessant und spendet Kraft.

Bei Fernbeziehungen schafft die Distanz eine weitere potentielle Quelle von Problemen. Bei dieser Art von Beziehungen steht das Vertrauenselement von Anfang an im Vordergrund. Lebt man ständig in der Angst, der andere würde einen belügen, kann so eine Beziehung nicht halten. Das gilt allerdings auch, wenn man nah beieinander wohnt. Eifersucht schadet immer.
Auch daher spielt Kommunikation ebenfalls nicht nur in Fernbeziehungen eine zentrale Rolle. Ob regelmäßige Skype Dates, ab und zu lange Telefonate oder viele kurze Nachrichten – für jeden funktioniert etwas anderes gut. Darüber muss man sprechen. Klappt die Kommunikation nicht, wird’s auch für die Beziehung schwierig.
Außerdem stehen Fernbeziehungen noch deutlicher als andere unter einem ständigen Abwägungsdruck – lohnt sich’s? Oder nicht? Da man eben nicht das klassische Modell lebt, bei dem Geben und Nehmen (bestenfalls) unmittelbar ausgleichend ablaufen, steht über allem immer die Frage, ist das hier echt? Ist es die Zeit, die man gedanklich, aber nicht wirklich miteinander verbringt, wert? Oder hat man nur noch das Gefühl, in einer Illusion zu leben, die einem vom echten Leben direkt vor der eigenen Nase abhält? Das ist schwierig, und diese Frage bleibt auch immer offen. Mal ist sie ganz präsent und schwebt einem wie ein Damoklesschwert über dem Kopf, mal tritt sie in den Hintergrund. Aber sie verschwindet nie ganz.

Ansonsten birgt eine Fernbeziehung genau dieselben Risiken wie jede andere Beziehung auch. Und so lautet die Parole immer wieder: verliebt euch! Los, nicht nachdenken, einfach machen! Und wenn‘s nicht klappt… Die Wunden lecken, Zeit mit Freunden verbringen, wichtige Fragen für sich beantworten. Loslassen. Und dann: Weitermachen.

Liebe Grüße

Dein Honigmäulchen

 

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