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Das Einhorn vom Filmschoolfest Munich

„Almost Famous“

„Wo gehst du hin?“ – Das hörte ich während der ganzen Woche. Das Motto des „Internationalen Festivals der Filmhochschulen München“  (15.-21.11.2015) trifft es also auf den Punkt. „Almost Famous“ steht für Qualitätsfilm und einen ausbaufähigen Bekanntheitsgrad.

Filmschoolfest 2015 Plakat

Das Filmplakat hat der ein oder andere bestimmt schon in München gesehen. (c) Filmschoolfest

Es ist 22 Uhr und nach 10 Stunden Uni warte ich in der Lobby vom Filmmuseum – aber auf was eigentlich?

Beim Filmschoolfest ist nach den Kurzfilmen Zeit für Gespräche mit den Filmschaffenden. So können Gedankengänge erklärt und tiefgründige Motivationen aufgedeckt werden. Dachte ich mir zumindest – gepeinigt durch Filme, die mich in meinem Leben ratlos zurück gelassen haben. Diese Erleuchtung traf leider nicht ein, denn in der Realität sieht vieles anders aus. So erzählt die Regie meist lieber Anekdoten und weicht auf Tücken beim Drehen und Casten aus.

Nicht im Entferntesten frustrierend verläuft das Gespräch nach „Prosefhi: Greek School Prayer“ mit Regisseur Thanasis Neofotistos. Er wirkt unsicher, fast schon verängstigt, als er nach seinem 20-min-Film vor die Zuschauer tritt. Als er anfängt zu erzählen wird klar, er ist den Tränen nahe. Es ist nicht nur sein Film, es ist seine Geschichte. Neofotistos betont, dass es seine Sichtweisen auf die Geschehnisse in seiner Schulzeit sind. Unterstützung holte er sich bei einem Co-Autor aus der Soziologie. In starken Bildern ist es ihnen gelungen, dass ich nicht nur seine Angst vor öffentlicher Demütigung nachempfinden kann, sondern auch die Faszination für einen Schulkameraden, der gewalttätig ist und andere schikaniert.

(c) Filmschoolfest Munich

Standing Ovations, (c) Filmschoolfest Munich

„I’m not your bitch!“ Das ist der bleibende Satz aus „UNLEADED“ von Luke Davies. Das Publikum hängt erschöpft in den Sesseln, trotzdem erfüllt immer wieder schallendes Gelächter den Kinosaal. Milo steht, mit seinen Kopfhörern auf voller Lautstärke, vor dem Zeitschriften-Regal einer Tankstelle. Seine zwei Freunde warten draußen im Auto und rufen noch schnell an, er solle die „fucking papers“ nicht vergessen. Milo fühlt sich wieder mal ausgenutzt. Sein Freund will partout nicht darum bitten und bekomm ein blautes „I’m not your bitch!“ von Milo zu hören. Verstärkt durch den umnebelten Zustand der drei Freunde entflammt eine Auseinandersetzung.

Milo ist mittendrin und doch ganz woanders. Denn hinter ihm steht ein irritierter Mann, der eigentlich gerade versucht, die Tankstelle zu überfallen. Die Pistole im Anschlag hatte er auf seine Frage sichtlich mit einer anderen Antwort gerechnet. Es folgt ein Ende mit bittersüßem Geschmack.

Das Einhorn finden!

Auf was warte ich also? Ich würde sagen, auf das Einhorn. Den Esel mit Partyhut habe ich auf jeden Fall gefunden. Und außerdem eine Vielfalt an erlebten Emotionen, bereichernden Gesprächen mit Filmbegeisterten und den „Hä-Effekt“.

Falls Du das alltägliche Kinoprogramm leid bist und Dich für den etwas anderen Film begeisterst, solltest Du beim nächsten Filmschoolfest auch unbedingt dabei sein.

Alle wichtigen Informationen findest Du unter: https://www.filmschoolfest-munich.de/de/

 

Isabel Kächele

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