Wir schreiben München – schreibt mit!

Colours of Freedom

Zwei Leben für die Kunst

Ihr Weg war nicht immer einfach, manchmal steinig. Aber sie halten die Spur: Die Künstlerinnen Julia Stolba und Helena Detsch stellen zum zweiten Mal ausgewählte Werke in der Aula der Hochschule für Philosophie aus. Unsere Autorin Teresa Frank traf die beiden zum Interview und erlebte hautnah, wie sich Kunst und soziales Engagement an der Hand nehmen.

Als ich die weiße Aula der Hochschule für Philosophie betrete, herrscht ehrfürchtige Stille. Nur ein einziger Mensch, ein Mann mittleren Alters, sitzt an einem der schneeweißen Tische und blickt gedankenversunken in den großzügigen Raum. Mein Blick wandert von ihm zu einer Ecke des Saales, ein Bild fesselt meine Aufmerksamkeit. Als ich mich ihm nähere, blicke ich auf eine Frau. Feuerrotes Haar, blaue Haut.  Sie scheint zu schweben, dreht sich, scheint alles um sich herum zu vergessen. Zeit und Raum lösen sich auf.

Entre au-delà et la vie ici-bas, 2015. Öl-Aquarell -Mischtechnik auf Papier. © Julia Marie Stolba

Ich blicke mich um. Die Atmosphäre der Aula lässt mich ehrfürchtig werden. Diese Bilder, sie scheinen die Aula zu verwandeln. Mein Blick zieht mich zur anderen Seite, verharrt auf einem weiteren Bild. Diesmal eine völlig andere Stimmung. Ich fühle, wie sich meine Brust zusammenzieht. Wieder sehe ich eine Frau. Diese jedoch hat geöffnete Augen, die mich anschauen und doch knapp an mir vorbei. Die Trümmer einer Stadt liegen hinter ihr.

Homeless

Homeless, 2015. Mischtechnik auf Karton. © Helena Detsch

Ich frage mich: Was liegt wohl vor ihr? 

Unter der Oberfläche

Die Kunst von Julia Stolba und Helena Detsch soll wachrütteln. Sie wollen die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Dinge hinter der Fassade lenken. Der Blick unter die Oberfläche der Konsum- und Informationsgesellschaft: für die Künstlerinnen Ausdruck der Sinnhaftigkeit ihrer Kunst. Mit erhobenem Zeigefinger? Nein. Mit Herzblut und Einsatz? Ja!

Kennengelernt haben sich die beiden beim Bewerbungsgespräch für die Aufnahme am Institut für Kunstpädagogik an der LMU. „Uns war schnell klar, dass wir die gleiche Leidenschaft teilen. Von da an gingen wir unseren künstlerischen Weg gemeinsam“, sagt Helena. Im hartumkämpften Bereich der Kunst gar keine schlechte Strategie. „So ist es viel leichter, Ausstellungen zu organisieren und sich etwas eigenes aufzubauen. Na klar geht auch mal was schief“, schmunzelt Julia, „aber besser man macht jetzt alle Erfahrungen, als nach dem Studium. Dann weiß man, worauf es ankommt.“

DSC_0534

Die beiden Künstlerinnen auf ihrer Vernissage der Ausstellung Colours of Freedom. Noch bis Februar 2016 sind ihre Bilder in der Hochschule für Philosophie zu sehen.

All ihre Ausstellungen haben die beiden auf eigene Initiative organisiert. Der Bewerbungsprozess sei nicht immer einfach gewesen, meint Helena.“ Aber umso mehr freuen wir uns natürlich, dass wir bereits zum zweiten Mal hier in der Hochschule ausstellen dürfen.“ Im November sind die beiden zudem auf der Jahresausstellung ZARTbitter der Galerie Freiraum e.V. zu sehen.

Immer mit dabei: Spendenboxen 

Die Kunst von Julia und Helena steht auf zwei Säulen: Zum einen wollen sie mit ihren Werken auf subtile Weise Interesse wecken und ein breites Publikum anziehen. Zum anderen ist es ihnen besonders wichtig, diese gewonnene Aufmerksamkeit zu transformieren. „Mit unseren Bildern ziehen wir ein bestimmtes Publikum an, und wir vertrauen darauf, dass wir gemeinsam etwas bewegen können. Deshalb arbeiten wir wann immer möglich auch mit sozialen Einrichtungen zusammen, die man auf unseren Vernissagen ebenfalls kennenlernen kann. Dadurch ist eine Interaktion möglich. Man kann etwas bewirken.“ Die laufende Ausstellung Colours of Freedom kooperiert mit der kreativen Flüchtlingshilfe, die durch Geld- und Sachspenden einen bedeutenden Beitrag zur aktiven Sicherstellung der Gesundheit von Flüchtlingen leistet.

Ob sie sich vorstellen könnten, auch mal in einer Galerie auszustellen? „Ja na klar! Aber verbiegen würden wir uns dafür niemals!“ Julia und Helena bleiben ihrer Sache und ihrem Stil treu. Diese talentierten Künstlerinnen wissen was sie wollen.

Sept Oiseaux

Sept Oiseaux, 2015. Öl, Kohle, Aquarell -Mischtechnik auf Papier. © Julia Marie Stolba

Die Anregungen für ihre Bilder gehen ihnen dabei nicht aus: Von Fotos, Nachrichten, Gedanken, Gefühlen, Zeitungsberichten oder persönlichen Erfahrungen binden die beiden alles in ihre Bilder ein und verwandeln sie dadurch zu etwas ganz besonderem. Was ihnen bleibt, ist beider Vorliebe für Ölfarben. „Obwohl ich auch schon mit Spachtelmasse und Spülmittel experimentiert habe“, lacht Helena. Trotzdem sind beide offen für verschiedene Kunstformen: So gehören zu ihrer Vernissage oft auch performative und musikalische Einlagen mit dazu. „Neulich hatten wir sogar mal einen DJ dabei“, grinsen beide. Vor allem Helena beschäftigt sich daneben auch noch weiter mit medialen Ausdrucksweisen und produziert leidenschaftlich gerne Stop-Motion Filme.

To (K)Nowhere

To (K)Nowhere, 2015. Öl-Mischtechnik auf Karton. © Helena Detsch

Künstlerinnen aus Leidenschaft

Ob es ihnen schwerfällt, Bilder zu verkaufen? Ja! Da sind sich beide einig. „Es ist ein Zwiespalt. Auf der einen Seite freut man sich natürlich total, aber auf der anderen Seite, ist das Bild wie ein Baby. Man stellt ja auch nur die Bilder aus, die einem viel wert sind. Und die stehen dann auch zum Verkauf. Mit der Trennung muss man also leider lernen, umzugehen.“ Die Bilder der beiden kann man sowohl im Original, als auch in gedruckter Form auf Leinwand kaufen. Doch das ist für die beiden Künstlerinnen nur zweitrangig. Es geht um das Dahinter. Um Menschlichkeit, Ideale, Umweltschutz.

„Kunst für den Kommerz? Nicht unser Ding.“

Als ich mich von beiden verabschiede, habe ich das Gefühl, dass wir uns bald wiedersehen. Ich blicke ihnen nach, Helena, mit einem ihrer Gemälde unter dem Arm. Julia, die sich freut, gleich wieder zum Malen zu kommen. Ich weiß, dass ich soeben zwei wahrhaftige Künstlerinnen kennengelernt habe.

Teresa Frank

Ausstellungen:

Colours of Freedom (Hochschule für Philosophie, Aula. Kaulbachstraße 31a): 23.10.-06.02.2016

zARTbitter (Café Freiraum e.V. Pestalozzistraße 8): 20.11.-18.12.2015

Kontakt:

Julia Stolba: http://www.juliart.de/

Helena Detsch: http://hellena-art.jimdo.com/

Kreative Flüchtlingshilfe: http://www.kreative-hilfe-fuer-fluechtlinge-in-muenchen.de/

 

 

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.