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Studieren mit Kind

„Richtig schlimm sind so hyperperfekte Mittevierzig-Mamis“

Die Zeit des Studiums bedeutet für viele Freiheit, ein wildes Leben und sich auszuprobieren. Erwachsen werden und Verantwortung übernehmen kommt mit der Zeit, spätestens beim ersten Job nach dem Studium. Doch es gibt immer mehr Studierende, die sich für ein Leben voll Verantwortung entscheiden. Denn studierenden Pärchen, die sich für Kind und Familie entscheiden, können zwar nicht mehr so viel feiern gehen, dafür haben sie ein kleines Wunder der Natur geschaffen. Aber wie lebt es sich eigentlich als Studierender mit Kind? Was ist schön und was nervt daran? unikat hat sich für euch mit einer Mutter eines einjährigen Sohnes und Vollzeitstudentin getroffen, die bald nach der Geburt ihren eigenen Mode-Blog gestartet hat.

Hallo Birte! Danke, dass du dir Zeit genommen hast. Als Mutter und Studentin hast du viel zu tun. War die Entscheidung zu einem Kind denn schwierig?

Nein, weil unser Sohn ein Wunschkind war. Allerdings haben wir uns schon mehrere Monate Gedanken gemacht und uns informiert. Ist schließlich keine Entscheidung, die man rückgängig machen kann.

Hatten du und dein Freund denn Unterstützung von Familie und Freunden bei eurer Entscheidung?

Ja, das war echt toll. Unsere Familien haben sich von Anfang an gefreut und uns tatkräftig unterstützt. Egal ob Babyzubehör kaufen, Fahrdienst zum Arzt oder Hilfe beim Aufbau von Möbeln, sie haben uns viel unterstützt. Bei unseren Freunden waren die Reaktionen gemischt, schließlich ist das Thema Kinder kriegen in unserem Alter eher unangetastetes Neuland für viele. Aber natürlich haben sich alle sehr gefreut. Vorallem meine beste Freundin hat für mich „Babybauch- Fotoshootings“ gemacht und es ertragen, nur noch langsame Shoppingtouren mit viel Pausen zu machen.

Apropos Unterstützung: Hast du viel Hilfe von deinem Freund bekommen während der Schwangerschaft?

Mein Freund war in der Zeit der Schwangerschaft eine große Unterstützung. Ab der 16. Woche durfte ich mich aufgrund von Blutungen, welche in der Schwangerschaft kein gutes Zeichen sind, nicht mehr körperlich belasten, d.h. er musste fast den kompletten Haushalt alleine übernehmen, einkaufen gehen. Und das hat er auch ohne mit der Wimper zu zucken gemacht.
Später hatte ich dann nachts oft Wachstumsschmerzen am Bauch oder erste Übungswehen. Er hat mich dann versucht zu beruhigen.
Und natürlich bei der Geburt. Ohne umzukippen hat er mit mir mitgehechelt, mich motiviert und noch dazu mein Gemecker ertragen.

Wie war es mit dem Studium? Hat die Universität dich unterstützt und beraten?

Die LMU ist in Sachen Studieren mit Kind wirklich sehr gut eingestellt. Man hat die Möglichkeit, sich kostenlos und unverbindlich zu allen möglichen Bereichen rund um das Thema beraten lassen, wie z.B. in Sachen Finanzberatung. Dann gibt es ja noch das Urlaubssemester wegen Mutterschutz/Elternzeit und ein tolles Netzwerk von studierenden Eltern im LMU Teams. Es gibt Infoflyer im Internet und regelmäßig Workshops, z.B. zum Thema „Effektives Lernen unter Zeitdruck“. Da fühlt man sich schon gut aufgehoben!

Schwanger währende des Studiums und sehr stolz drauf und glücklich

Schwanger während des Studiums  – Studentin Birte ist sehr stolz darauf und glücklich mit ihrer Entscheidung.

Das klingt super! Wie war denn die Zeit als studierende Schwangere? 

Am Anfang meinen viele, dass man einfach bisschen zugenommen hat. Später, als es nicht mehr zu übersehen war und ich wie eine Watschelente in den Seminarraum gedackelt bin, haben mich schon viele neugierig angesehen oder angesprochen. Ich hatte schon das Gefühl, dass viele eher positiv reagiert haben. Was natürlich hinter dem Rücken geredet wird, ist eine andere Sache!
In den ersten Wochen war mir dauernd schlecht und schwindlig. Da war es schon schwer, sich morgens zu überwinden, in die Uni zu gehen anstatt im Bett zu bleiben. Man ist so müde die ganze Schwangerschaft über, dass ich weniger am Tag geschafft habe. Also musste ich mehr Zeit zum Lernen einplanen.
In den letzten Monaten, wenn man das Baby im Bauch aktiv spürt, dann lässt man sich leichter ablenken und der zunehmende Bauchumfang ist schwer mit den engen Hörsaalplätzen zu vereinbaren. Außerdem habe ich die Stühle noch nie so hart und unbequem empfunden wie zu der Zeit. Aber man kann sich eben kein Sofa mit in die Vorlesung nehmen.
Kurz vor der Geburt stand ich enorm unter Druck, da es hieß, mein Sohn würde früher eventuell kommen und da war ich noch mitten im Prüfungsstress. Zum Glück hat er mir dann aber doch noch zwei Wochen Zeit gelassen, sodass ich noch alles fertig bekommen hab.

Wie war denn insgesamt die Zeit deiner Schwangerschaft für deinen Freund?

Ich glaube für jeden Mann ist es komisch, wenn die Freundin immer dicker wird, plötzlich neue Wehwechen hat und man selber vom Kind noch nichts mitbekommt. Richtig spannend wurde es für ihn also erst, als er von außen Tritte spüren konnte.
Schwer war für ihn glaub ich auch, dass es anfangs nur neutrale Speisen ohne jegliche Gewürze gab wegen meiner Übelkeit und er später dann plötzlich aufpassen musste, dass ich ihm nichts wegesse.

Wie managst du Studium und Kind?

Bei uns funktioniert nichts ohne Zeitplan und an meinem Handgelenk befindet sich immer eine Uhr, sonst werde ich verrückt. Unser Alltag ist also wirklich genau durchgeplant, zumal es auch bedingt durch die Fütterungszeiten meines Sohnes und den Vorlesungszeiten ist.
Freie Zeit habe ich sehr wenig und wenn, dann ist sie mir so kostbar, dass ich genau überlege, wie ich sie verbringen möchte. Spontanität ist bei uns eher Fehlanzeige, muss ich zugeben!
Anfangs habe ich meinen Sohn mit in die Uni genommen, er hat ja noch so viel geschlafen und zum Glück hatte ich auch zwei Online Seminare. Nun ist er aber fast 9 Monate alt und ein kleiner Wirbelwind, der den Hörsaal auf den Kopf stellen würde. Deswegen ist er an zwei Tagen bei seinen beiden Omas und an zwei anderen Tagen passt mein Freund auf ihn auf. Ich habe mir also den Stundenplan so gelegt, dass ich möglichst nur zwei volle Tage habe und dann noch zwei halbtags und freitags komplett frei. Den Rest mache ich von zuhause aus, auch Lernen und Hausarbeiten schreiben. Leichtere Sachen erledige ich während mein Sohn neben mir spielt, den Rest mache ich abends wenn er im Bett ist oder tagsüber unterwegs in der U-Bahn. Natürlich schafft man deutlich weniger pro Tag, denn wir wollen ja auch mit unserem Sohn Zeit verbringen und mit ihm spielen. Aber man muss sich dafür eben seine Zeit gut einteilen und lernen mehrere Sachen gleichzeitig zu können.
Mein Freund und ich gönnen uns aber auch Abende, an denen wir gemütlich zusammen einen Film schauen oder wir spielen zu dritt, gemeinsames Essen ist uns sehr wichtig oder wir machen Sonntags einen kleinen Ausflug!

Das ist schön! Hast du denn manchmal blöde Sprüche zu hören bekommen oder eher Zuspruch von anderen?

Direkt ins Gesicht habe ich nie blöde Sprüche bekommen, aber es gab schon einige doofe Gesichter auf der Straße, deren Blick alles verraten hat und auch Getuschel. Richtig schlimm sind da in meinen Augen so hyperperfekte Mittevierzig-Mamis gewesen, die nach dem Prinzip „erst Karriere – dann Kind und wenn dann alles perfekt machen“-Prinzip verfahren und für die wir ungebildetes Pack sind, die nicht aufpassen konnten und nun dem Staat auf der Tasche liegen. Davon hatten wir eine im Geburtsvorbereitungskurs zum Beispiel. Als in der Vorstellungsrunde jeder sein Alter nennen sollte, sind ihr bei meinem die Augen aus dem Kopf gefallen. Danach war ich unten durch für sie! Schade, dass manche Menschen solche Vorurteile von jungen Eltern haben, obowohl sie einen nicht mal richtig kennen.
Eine andere blöde Situation war ausgerechnet mit einer Dozentin an der LMU. Ich war bei ihr in der Sprechstunde, um das Thema für die Hausarbeit zu besprechen und sie zündete sich vor meinen Augen in einem Raum mit geschlossenen Fenstern eine Zigarette an. Mir direkt gegenüber und mitten im Gespräch. Mein Bauch war zu dem Zeitpunkt wirklich nicht zu übersehen und auch so finde ich es respektlos. Zumindest fragen könnte man vorher.
Ansonsten habe ich aber auch schon sehr viele Komplimente bekommen von Komilitonen, die das bewundern wie ich es alles schaffe. Das ist echt schön.

Der Fashion Blog der jungen Mutter und Studentin Birte.

Der Fashion Blog der jungen Mutter und Studentin Birte.

Du hast einen eigenen Blog gestartet bald nach der Geburt. Das bedeutet eigentlich viel zusätzliche Arbeit und Belastung oder?

Ja, es ist zusätzliche Arbeit, aber welche, die mir Spaß macht. Keine Pflichten, sondern das, worauf ich Lust habe, wird geschrieben.
Außerdem möchte ich nach meinem Studienabschluss etwas vorzeigen können bei Berwerbungen, denn ich würde am liebsten in den journalistischen Bereich gehen. Falls das nichts wird und ich einen anderen Job mache, dann habe ich immer noch meinen Blog, auf dem ich schreiben kann.
Zuerst wollte ich einen Mami-Blog machen, aber nun habe ich mich doch für einen Fashionblog entschieden, denn ein weiteres großes Interesse von mir ist die Mode.

Was ist die Idee hinter deinem Blog www.showmeyourcloset.de?

Da ich auch gerne mit anderen Menschen zusammenarbeite und es liebe Geschichten zu erzählen, habe ich folgendes Konzept: Unzählige Aspekte und Geschichten kann ein Kleiderschrank über eine Person verraten – Ich behaupte mehr als ein Facebookprofil. Und weil ich das so wahnsinnig spannend finde, möchte ich auf www.showmeyourcloset.de Frauen und ihre Kleiderschränke präsentieren. Seht, welche kleinen Geheimnisse und verrückten Details sich hintern den Türen verbergen und lasst euch inspirieren. Auch ich werde regelmäßig neue Fundstücke zum Besten geben.

Bist du dann auch im Austausch mit anderen bloggenden Müttern oder studierenden Müttern?

Mit bloggenden Mamis nicht, da habe ich eher Fashionblogger als Kontakte.
Mit studierenden Mamis schon. Durch das Netzwerk im LMU Teams habe ich eine Studentenmami von der LMU kennengelernt, die sogar in der Nachbarschaft wohnt. Ohne diese Gruppe hätte ich den Kontakt vielleicht nicht gefunden. Der LMU sei also dank! Nun sind wir gut befreundet und unsere Babys sind zum Glück nur zwei Monate auseinander.

Wie stehst du zur Privatsphäre deines Kindes, ist der Kleine auf deinem Blog auch direkt zu sehen?

Mein Sohn wird auf dem Blog erwähnt, aber nicht namentlich und auf manchen Bildern sind mal die Füße oder der Kinderwagen zu sehen. Ich versuche aber schon, ihn möglichst wenig im Internet zu präsentieren. Schließlich kann er das noch nicht selbst entscheiden und es muss auch nicht jeder wissen!

Was hättest du gerne gewusst, bevor du dich für Studium und Kind entschieden hast?

Dass man doch so wenig Zeit für Freunde hat. Dass ich viel strukturierter und besser im Studium sein kann als ich dachte. Früher habe ich vieles auf die lange Bank geschoben, ich hatte ja schließlich Zeit. Nun ärger ich mich, wenn ich daran denke, was ich da noch alles hätte erreichen können. Ich habe viel bessere Noten, seitdem ich Mami bin und arbeite strukturierter und zielorientier. Es hört sich lustig an, aber durch meinen Sohn bin ich in der Uni zielstrebiger und leistungsstärker geworden. Vielleicht auch, weil man mehr Verantwortung im Rücken hat.

Abschließend noch Tipps für Studierenden mit Kinderwunsch während dem Studium?

Wirklich gut überlegen über einen längeren Zeitraum, sich nicht scheuen Beratungsangebote wahrzunehmen! Man sollte sich vorher fachspezifisch informieren, welche Möglichkeiten man hat, gewisse Prüfungen zu wiederholen etc. Unterstützung von den Eltern und damit meine ich nicht finanzielle, sondern allgemein, wäre schon sinnvoll!
Aber letztendlich auch auf seinen Bauch hören. Man ist nicht unnormal, wenn man eben schon in jüngeren Jahren einen Kinderwunsch hat und nicht der Gesellschaftsnorm entspricht.
Man kann sich nicht hundertprozentig sicher sein. Es ist schon auch ein Sprung ins kalte Wasser, der sich aber auf jeden Fall lohnt!

Wer sich den schönen Blog von der lieben Studentin und Mama Birte mal noch genauer anschauen will, sollte unbedingt bei www.show-me-your-closet.de vorbeischauen!

Ramona Reisacher

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