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Front Row at Jean Paul Gaultier

Jean Paul Gaultier Austellung in der Kunsthalle

Paris, London, Rotterdam, New York – und erstmals in Deutschland: Mit der Jean Paul Gaultier Ausstellung feiert die Kunsthalle München ihr 30-jähriges Jubiläum und ihre 100. Ausstellung. Von seinen Anfängen und Inspirationen bis hin zu seinen bekanntesten Designs, ermöglicht die Ausstellung, in die Welt Jean Paul Gaultiers einzutauchen. Dennoch werden nicht nur Fashionfans Gefallen an den Kleider finden. Neben Prêt-à-porter und Haute Couture entdeckt man auch bekannte Theater- und Filmkostüme. Berühmt ist Jean Paul Gaultier jedoch besonders für seine Haute Couture. Die Chance, diese Einzelstücke so nah und im Detail zu betrachten, ist selbst auf den Modenschauen nicht möglich. Man kann sich ein genaues Bild der Kleider zu machen und die Kreativität des Künstlers sowie die Detailgenauigkeit entdecken.

Auf lebhafte Art wird das Schaffen Gaultiers in acht verschiedene Themenbereiche unterteilt. Gaultier hatte während seiner Laufbahn nie eine Schneiderlehre oder Designerausbildung. Durch den „Salon“ seiner Großmutter gewann er früh Interesse an Frauenkleidung und versuchte sich schon als Kind mit dem Nähen. Die Ehre als sein erstes Model zu arbeiten hatte dabei sein Teddy Nana. Während der Schulzeit durchblätterte Jean Paul Gaultier verschiedene Frauenzeitschriften, zeichnete selbst Skizzen und sendete diese an viele verschiedene Designer, bis er schließlich vom Designer Pierre Cardin entdeckt wurde.

Gaultiers erstes Model: Sein Teddy Nana

Gaultiers erstes Model: Sein Teddy Nana

Trotz Gaultiers Vielfältigkeit, ist sein Markenzeichen schlechthin wohl der Streifenpulli. In der Kategorie „Die Odysee“ wird das Streifenmuster auf verschiedenste Weise umgesetzt. Sei es aus Spitzenstoff, aus Pelz oder einzelnen Perlen. Seemänner und Meerjungfrauen sollen hier das Thema der Verführung darstellen. Dabei kann es schon passieren, dass der ein oder andere Matrose einem zuzwinkert. Während man im ersten Moment noch glaubt, man hat sich geirrt und vor lauter Matrosen schon die Fassung verloren, fällt im nächsten Moment auf, dass die Modepuppen animierte Gesichter haben, die sie so echt erscheinen lassen. Auch Monsieur Gaultier selbst verleiht uns so die Ehre.

Die Kleider können jedoch noch so schön sein, erst getragen kommen sie wirklich zur Geltung. Aus diesem Grund sucht Gaultier seine Models nicht dem Standard entsprechend aus. Er arbeitet mit Frauen zusammen, die Selbstbewusstsein, Weiblichkeit und Stärke ausstrahlen. So entwarf er zum Beispiel für Amy Winehouse, Kylie Minogue und Beth Ditto. Außerdem möchte er die Grenzen zwischen Mann und Frau brechen und arbeitete auch mit Travestiekünstler Conchita Wurst zusammen. Jedes dieser Models zeichnet sich vor allem durch Charakter und Individualität aus. Trotz alledem kann sich wohl kaum eine so sehr mit den Kleider Gaultiers identifizieren, wie die einzigartige Madonna. Wie Gaultier, hat auch die Queen of Pop großes Potential zur Provokation und erfindet sich immer wieder neu, indem sie gegen den Strom schwimmt. Für ihrer Blonde Ambition Tour 1990, entwarf Gaultier ihre Kostüme und besonders bekannt wurde das Korsett mit den spitzen Brüsten.

Madonna sorgt immer für provokante Überraschungen.

Madonna sorgt immer für provokante Überraschungen.

Über den Dächern von Paris

In der Kategorie „Großstadt-Dschungel“ erhält man einen Blick auf das Panorama von Paris, dazu wird man von dem Gesang der Eurovision Song Contest Gewinnerin Dana International verzaubert. Großstädte sind ein Mix verschiedener Kulturen, so mixt Gaultier auch mit Stoffen und Stilen um dann etwas Neues zu kreieren, wie z.B. ein Rock aus Rochenhaut oder optischem Fell, das eigentlich nur aus Perlen besteht. Neben Paris, das für Eleganz und Charme steht, wurde Gaultier auch vom gegensätzlichem London und der Punkszene fasziniert und beeinflusst.

Ein Highlight der Ausstellung ist sicherlich der Runway. Nach und nach werden die Modepuppen über den Laufsteg gefahren und präsentieren die Kleider verschiedener Kollektionen. Man bekommt tatsächlich das Gefühl an einer echten Modenschau teil zu nehmen. Und wer kann schon behaupten, dass er bei einer Gaultier Show in der ersten Reihe saß? 

Wie bei einer echten Modeschau

Wie bei einer echten Modeschau

Ob feminin, verrückt oder rebellisch, Gaultier lässt sich nicht in eine Richtung einordnen, aber genau das macht ihn einzigartig. Seine Kleider dienen nicht nur einem Nutzen, sondern spiegeln in gewisser Weise auch den Zeitgeist wieder. Dies gelingt ihm zum Beispiel durch das Aufbringen verschiedener Strömungen, Kulturen, Ironie und Provokation. Wer also nicht nur die Arbeit eines großen Designers, sondern auch Künstlers sehen möchte, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Aida Yohannes

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