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Faire Mode

Nachhaltige Mode mit Studentenbudget – Ist das möglich?

Bis vor drei Jahren war es mir egal, wo die Kleidung herkommt, die ich trage. Natürlich wusste ich um die Arbeitsbedingungen der Näher in Indien, Bangladesch und anderen Ländern. Aber das alles war angenehm weit weg, sodass ich regelmäßig bei Zara, Pimkie & Co einkaufte, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Klar, wenn ich darüber nachdachte, taten mir die Arbeiter natürlich Leid, aber was sollte ich schon ausrichten? Ich bin Studentin, ich kann mir ohnehin keine fair gehandelte Kleidung leisten, redete ich mir ein. Viel zu teuer.

Dann hörte ich von den Bränden in Textilfabriken in Bangladesch, das war 2012. Erst diese schrecklichen Ereignisse machten mir bewusst, wie pervers das alles ist. Menschen verbrennen, damit ich mich in meinem neuen Kleid schön fühlen kann. Sie arbeiten für Hungerlöhne und nähen Kleidung, die sie sich selbst für ein Monatsgehalt nicht leisten können. Das konnte ich mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren. Ich beschloss also, umzudenken.

Ja, ich bin Studentin und ja, es gibt sicherlich Leute, die mehr Geld für Kleidung übrig haben als ich. Aber sollte es nicht trotzdem möglich sein, Fair Trade Mode zu kaufen, ohne mich dabei in unermessliche Schulden zu stürzen?

Fast Fashion: Jede Woche eine neue Kollektion

Zunächst stellte sich mir die Frage: Woher weiß ich überhaupt, woher meine Kleidung kommt? Einen sogenannten „Code of Conduct“, der Zulieferer zur Einhaltung gewisser sozialer Standards verpflichten soll, findet man mittlerweile auf den Internetseiten der meisten größeren Modeunternehmen. Aber wer überprüft, ob diese Standards wirklich durchgesetzt werden? Transparenz ist hier entscheidend. Wer nicht die Zeit dazu hat, jedes Unternehmen auf die Einhaltung seiner Standards zu überprüfen, dem geben Seiten wie rankabrand.de einen guten Überblick. Hier stieß auch ich auf einige Fair Trade Onlineshops. Beim Durchstöbern dieser stellte ich überrascht fest, dass nachhaltig produzierte Kleidung überhaupt nicht unmodisch sein muss. Bisher waren unter diesem Stichwort immer alternative Neuhippies in weiten, bunten Hosen und mit Dreadlocks vor meinem inneren Auge aufgetaucht, aber Shops wie armedangels oder grundstoff beweisen das Gegenteil. Mittlerweile sind auch viele Bandshirts aus fairem Handel, was mich als Musikliebhaber natürlich besonders freut.

Das Klischee: Wer Fair Trade Kleidung trägt, sieht aus wie ein Neuhippie.

Das Klischee: Wer Fair Trade Kleidung trägt, sieht aus wie ein Neuhippie.

Soweit so gut. Bliebe dann nur noch die Frage nach dem Preis. Natürlich ist Fair Trade teurer. Ich musste mir aber eingestehen, dass ich bisher vielleicht eine falsche Einstellung zum Wert von Mode gehabt hatte. Ich behauptete, kein Geld für teure Kleidung zu haben, dabei ging ich jeden Monat mindestens einmal shoppen. Mein Kleiderschrank war mindestens zur Hälfte voll mit Sachen, die ich nicht mehr trug. Weil ich immer dem nächsten Trend hinterherhetzte, mich stets aufs nächste Schnäppchen stürzte, weil es gefühlt jede Woche eine neue Kollektion gibt. „Fast Fashion“ nennt man dieses Phänomen. Ich kaufte Kleidung, um sie einige Monate später nicht mehr aus dem Schrank zu holen. Wenn ich nicht wollte, dass Bekleidungsarbeiter meinetwegen ausgebeutet werden, dann musste mir Kleidung mehr wert sein.

„Fair Trade? Diese Marke kenne ich nicht!“

Seitdem kaufe ich also seltener, aber dafür fair gehandelte und hochwertige Kleidung. Das ist natürlich nicht immer einfach. Als ich auf der Suche nach neuen Ballerinas einen Schuhladen betrat und den Verkäufer nach fair gehandelten Schuhen fragte, blickte der mich erst einmal verständnislos an.

„Bitte was?“, fragte er verdutzt.

„Fair gehandelte Schuhe… Fair Trade!“

„Fair Trade?“, wiederholte der Verkäufer stirnrunzelnd. „Tut mir Leid, diese Marke kenne ich nicht!“

Offenbar ist das Konzept „Fair Trade“ also noch nicht bei jedem angekommen. Nachdem ich an einen kompetenteren Mitarbeiter verwiesen wurde, verließ ich den Laden aber tatsächlich mit einem schönen Paar Fair Trade Schuhe.

Die Schwierigkeit lauert aber auch in der Versuchung. Ich mag Mode, und wenn ich mit Freundinnen shoppen gehe und zusehe, wie diese sich mit den neuesten Trends eindecken, denke ich schon manchmal daran, meine guten Vorsätze über Bord zu werfen. Und natürlich gab es schon einige dunkle Momente, in denen ich das auch tat, ich erinnere mich da zum Beispiel an einen verhängnisvollen Besuch bei Primark in London. Alles in allem kann ich aber stolz behaupten, dass ein immer größerer Teil meines Kleiderschranks aus nachhaltiger, fair gehandelter Mode besteht. Oft kaufe ich auch in Second Hand Shops, um ausrangierter Kleidung ein zweites Leben zu geben.

Große Modeketten wie H&M setzen auf Fast Fashion: Mode im Überfluss immer billiger produzieren.

Große Modeketten wie H&M setzen auf Fast Fashion: Mode im Überfluss immer billiger produzieren.

Es ist also durchaus möglich, nachhaltige und fair produzierte Mode zu kaufen. Auch mit Studentenbudget. Alles, was man dazu braucht, ist die richtige Einstellung. Wer sich jetzt dazu inspiriert fühlt, das auch einmal auszuprobieren, dem lege ich zu guter Letzt folgende Internetadressen ans Herz:

Meine liebsten Onlineshops:

www.armedangels.de – Sehr schöne Mode in guter Qualität und mit angenehmem Tragekomfort.

www.grundstoff.net – Hier gibt es vor allem Basics zu überraschend günstigen Preisen.

www.hessnatur.com – Vor allem im Sale kann man hier schöne Mode zu verhältnismäßig humanen Preisen ergattern.

Orientierungshilfen:

www.rankabrand.de – Bewertung verschiedener Marken (nicht nur Bekleidung) hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit. Die Bewertungen sind nach verschiedenen Kriterien (Umwelt, Arbeitsbedingungen) aufgeschlüsselt und es lohnt sich, diese durchzulesen, bevor man eine Kaufentscheidung fällt.

www.fairwear.org – Die Fair Wear Foundation ist eine Organisation, die mit Firmen und Fabriken zusammenarbeitet, um die Arbeitsbedingungen für Textil- und Bekleidungsarbeiter zu verbessern. Es gibt hier nicht nur einen guten Einblick in die Thematik an sich, sondern auch einen Überblick über die Marken, die Mitglied in der Fair Wear Foundation sind.

Katja Reinhardt

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