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Vesperia

„Vesperia“: Gmiatliche Detailliebe und schmecka duads a!

Der geborene Schwabe weiß gleich, was es mit dem Wort „Vesperia“ auf sich hat. Es kommt von Vesper und heißt so viel wie Brotzeit. Wie kommt es jetzt aber, dass ein Esslokal in München so heißt? Andreas Hock, der Vesperia-Chef, hat sich von einem guten Spezl inspirieren lassen, für den das Wichtigste auf ihren gemeinsamen Bergtouren immer eine gscheide Vesper war – Schwabe halt. Als es aber dann daran ging einen Namen für den eigenen Laden zu finden, entwickelte sich aus „Vesper“, dem Running-Gag unter seinen Freunden, durch einen nächtlichen Geistesblitz der Name „Vesperia“.

Andreas Hock

Vesperia Chef Andreas Hock (c) Anja Bertrams, Vesperia

Lecker: ★ ★ ★ ★ ★

Besonders wichtig ist Andreas bei seinem Lokal, dass seine Speisen einfach ein Vielerlei an Geschmäckern liefern und aus allen Ländern um uns herum etwas dabei ist. Deshalb hat er auch viele verschiedene Weine und schwört auch bei der Speisekarte auf Abwechslung. Dass es mittlerweile überall schmackhafte Salate zum Sattwerden gibt, ist ja bekannt. In der „Vesperia“ erinnern die Teller aber nicht nur an solche Salate, sondern eben an eine richtige Brotzeit mit ganz vielen verschiedenen Komponenten. Da ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Auch vegetarische Alternativen gibt es viele, die dann mit Auberginen-Käserauten oder Zucchiniröllchen glänzen, und auch eine vegane Alternative, genannt Vesper Keidmos (abgeleitet von Model Kate Moss), die sich vom wenig beachteten Nesthäkchen mittlerweile zum absoluten Klassiker entwickelt hat und geschmacklich alle vom Hocker haut. Favorit vom Chef bleibt aber trotzdem Lumpis Lieblingsvesper mit kleiner scharfer Paprikasalami, Gorgonzola, krossem Speck, gebackenen Erdäpfeln, Bratpaprika an buntem Blattsalat, rote Rüben, Tomaten, Cashewnüsse und Kichererbsentaler mit Basilikum-Schafskäsecrème, Hummusdip und dazu Malzbrot. Gewidmet ist diese Kreation seinem Surferspezl Lumpi, zu dessen Standardausrüstung immer Salami und Gorgonzola gehören.

Lumpis Lieblingsvesper, (c) Carina Lichte

Lumpis Lieblingsvesper, (c) Carina Lichte

Ambiente: ★ ★ ★ ★ ★

Doch dieser Lumpi hat nicht nur Einfluss auf die Speisekarte genommen. Im hinteren Eck ist ein großer Schrein mit dem  Bild eines surfenden Jesus zu finden. Model dafür war der bereits erwähnte Salami-Gorgonzola-Lumpi. Man merkt schon, hier hat jemand mit Feuereifer rumgebastelt, sich selbst verwirklicht und dabei trotzdem nicht zu ernst genommen. Hinter jedem kleinen Detail steckt eine nette Geschichte. Allgemein ist die Einrichtung wahnsinnig gemütlich, aber auch modern. Man fühlt sich direkt wohl. Das eher ländliche und gemütliche Bergthema, das auch zum Namen Vesperia geführt hat, spiegelt sich im Interior wieder. Die Lampen sind kleine Tirolerhütchen mit Feder. Auf den Holzbänken sitzt man auf kleinen Fellchen. Die Bar ist mit einem Flauschfell verkleidet (natürlich nicht echt!), über der Tür thront ein lustiger Wildschweinplüschkopf, auf den Tischen stehen Blumen und die Toiletten, die hier als Latrine angeschrieben werden, schmücken Kuhtapeten. Wahrscheinlich entdeckt man bei jedem Besuch neue Details. Man merkt wirklich, dass Andreas sein Herzblut in die Sache gesteckt hat. Er arbeitet schon immer in der Gastronomie und hat sich mit der „Vesperia“ seinen Wunsch vom eigenen Lokal erfüllt.

Preis: ★ ★ ★ ★ ★

Pasta gibt es zwischen 7 und 9 Euro, die Vespern zwischen 11 und 13 Euro. Absolut gerechtfertigte Preise bei der Menge auf dem Teller, der Frische der Zutaten und der Vielfalt, die jeder Vesperteller bietet. Getränke liegen ebenfalls im, beziehungsweise leicht unter dem Münchner Durchschnitt. Immerhin kriegt man hier alle Cocktails unter 10 Euro.

Vesperia Schutzheiliger Surferjesus wacht neben der Cocktailkarte! (c) Julia Haas

Vesperia Schutzheiliger Surferjesus wacht neben der Cocktailkarte! (c) Julia Haas

Service: ★ ★ ★ ★ ★

Super Service! Hier kümmert man sich um seine Gäste. Stammgast werden lohnt sich auf jeden Fall. Vor allem aber, weil es von Chef Andreas auch viele tolle Getränkevariationen gibt, von denen die Kenner wissen, die aber nicht auf der Karte stehen. Hier mal ein paar kleine Insidertipps:

Der Tag ist heiß und ihr braucht abends eine nette Abkühlung mit Pep? Auf Nachfrage wird euch ein leckerer Frappucino mit Frangelico gezaubert! Ein weiterer Geheimtipp von Stammgästen ist ein leckerer Cocktail dessen Grundzutat ein Tee aus marokkanischer Minze ist. Außerdem gibt es wohl auch einen super Kaffecocktail, Liquide Cocaine war gestern. Lasst euch doch beraten oder fragt einfach mal nach!

People

Das Publikum in der „Vesperia“ ist bunt gemischt und folgt keinem Muster. Mal Jüngere, mal Ältere, mal viele Nachbarn und Stammgäste, mal viele neue Gesichter. Hier fühlt sich jeder wohl und willkommen. 90% der Leute essen auch immer bei ihrem Besuch, was wohl eindeutig für das Essen spricht. Wer nur zum Trinken kommt, ist hier aber auch richtig, siehe Highlight!

Lage

„G’vespert wird im Schlachthofviertel!“ ist auf der Website zu lesen, was die Lage schon recht gut trifft. Die „Vesperia“ liegt in der Schmellerstraße 4 und ist am besten über die U-Bahn-Haltestelle Poccistraße oder für Gehfaule über die Bus-Haltestelle Tumblingerstraße zu erreichen. Direkt ums Eck ist der Eingang zum Viehhof Open-Air. Die Ecke ist also allemal einen Besuch wert. Vor allem weil das Schlachthofviertel mal einen ganz anderen Münchner Charme wiederspiegelt, der so gar nichts mit Oansa zu tun hat.

Zum satt werden! Links: Fesche Maid Vesper. Rechts: Am Räuber Kneißl sei Vesper (sagt man). (c) Julia Haas

Zum satt werden! Links: Fesche Maid Vesper. Rechts: Am Räuber Kneißl sei Vesper (sagt man). (c) Julia Haas

Highlight

Highlight sind meiner Meinung nach neben der detailverliebten Abstimmung des Themas auf Einrichtung, Gerichte und Titel der Speisen und Getränke, die selbst kreierten Cocktails von Chef Andreas Hock. Wer so lange in der Gastronomie tätig war, hat einfach wahnsinnig viele gute Mischungen auf Lager. Neben den normalen Standards bekommt man in der „Vesperia“ ausgewählte Spezialitäten mit neckischen Namen serviert. Ob Woidfizzler, Kreszentia, Ludo Vigo oder Kaiser Franz- Schmeckt alles wahnsinnig gut! Der Kaiser Franz ist übrigens erst kürzlich entstanden als sich zwei Stammgäste aus der Schweiz einen Amaretto Sour gewünscht haben. Da der nicht zum Bar Repertoire gehört, wurde mal eben etwas ähnliches mit Frangelico gemixt, das noch tausendmal besser schmeckt. Erst sollte er abgeleitet von Franceligo „Franze“ heißen. Weil eine der Damen aber Franziska heißt und mit Spitznamen oft „Kaiser Franz“ gerufen wird, war der perfekte Name auch schon gefunden. Passt ja auch zum Konzept! Gerüchten zufolge hat eine nette Männergruppe auch schon mal 120€ an einem Abend nur für Kaiser Franz ausgegeben. Wir haben’s selber probiert und können es verstehen!

Julia Haas

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