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Allein unter Germanisten

Warum man (nicht) Germanistik studiert

Schon immer mussten sich Studenten für ihr Studium rechtfertigen. Warum sie sich denn ausgerechnet für dieses und jenes entschieden haben und überhaupt: Was macht man damit später mal? Jedes Studium bringt seine Vorurteile mit sich. Aber stimmen die auch wirklich oder eben so ganz und gar nicht? In der unikaten Serie „Mein Studium, seine Vorurteile und ich“ erzählen Münchner Studenten von ihren Erfahrungen.

Die Wahl des Studiums beeinflusst unser Leben - glauben wir

Die Wahl des Studiums beeinflusst unser Leben – glauben wir

Und plötzlich war ich für Germanistik immatrikuliert. Die Dame hinter dem Schreibtisch gratulierte mir mit einem Lächeln im Gesicht. Ich selbst hatte eher das Gefühl, nun Beileidsbekundungen entgegennehmen zu können. Wie konnte das passieren? Oder war es nach dem klassischen Deutsch-Leistungskurs nur noch absehbar? Tatsache war, ich wurde für mein Wunschstudium eiskalt abgelehnt und musste schnell Ersatz finden. Am besten natürlich frei von jeglichem Numerus clausus… und da blieb neben Mathematik, Informatik und Japanologie nicht mehr viel übrig.

Die Germanistik als kleineres Übel?

Viel lesen, endlose Diskussionen und seitenlange Hausarbeiten – so habe ich mir anfangs mein zukünftiges Studium vorgestellt. Und genau so war es schließlich auch. Zu Semesterbeginn wurden mehrseitige Buchvorschläge von Dozenten herumgegeben und auch wirklich jedes dieser Werke sei relevant für das jeweilige Seminar. Ein kleiner Tipp an dieser Stelle: Schmeißt solche Papiere gleich mal weg. Denn alles kann man eh nicht lesen und meistens ärgert man sich hinterher, wenn dann gerade einmal fünf Minuten oberflächlich über den Inhalt diskutiert wird. Und so spart man sich dann übrigens auch gleich das schlechte Gewissen.

Mit dem Gewissen ist es eh so eine Sache. Während Freunde und Bekannte von morgens bis abends in der Uni sitzen und selbst noch nachts für bevorstehende Prüfungen lernen, sitzen Germanisten da, machen nichts und haben dabei auch noch ein schlechtes Gewissen. So erging es jedenfalls mir. Mit dem Nebenfach waren es bei mir gerade einmal 14 Stunden, die in der Woche in der Uni war (freiwillige Fehlzeiten mal nicht mit eingerechnet). Und in meiner Freizeit habe ich wirklich rein gar nichts für mein Studium gemacht – schlichtweg aus Prinzip. Wie geht man also mit seinen Mitmenschen um, die oftmals extrem mit ihrem Studium überfordert sind? Man erzählt ihnen jedenfalls nicht vom eigenen Stundenplan…

"Wir finden in den Büchern immer nur uns selbst. Komisch, daß dann allemal die Freude groß ist und wir den Autor zum Genie erklären", Thomas Mann

„Wir finden in den Büchern immer nur uns selbst. Komisch, daß dann allemal die Freude groß ist und wir den Autor zum Genie erklären“, Thomas Mann

Die Spezies des homo germanisticus

Aber es gibt natürlich auch einige Schattenseiten der oft ach so geliebten Germanistik. Als Beispiel wären da die Menschen, auch bekannt als homo germanisticus. Mal ehrlich: Einige meiner Kommilitonen waren mir von Anfang an suspekt und sind es teilweise auch immer noch. Als ob sie mit der Muttermilch Goethe, Schiller und Brecht aufgesaugt hätten. Und natürlich haben diese Leute auch wirklich jedes erdenkliche Buch längst gelesen und kennen jede noch so (un)wichtige These in- und auswendig. Schön für euch, interessiert uns anderen aber wirklich nicht. Schlimm wird es aber erst dann, wenn ihr auch noch anfangt, den Dozenten zu verbessern. Macht man nicht, macht einen auch nicht beliebter. Germanistik hin oder her, solche Kommilitonen kennt wohl jeder.

Nach sechs Semestern, 40 Seiten Bachelorarbeit, zwei Dutzend Dozenten, unzähligen Diskussionsrunden und einigen Nickerchen war es dann tatsächlich vollbracht: Der hoch offizielle Titel „Bachelor of Arts“ wurde mir verliehen. Von der Germanistik selbst habe ich zwar bis heute nicht wirklich viel Ahnung, aber das ist auch gar nicht mehr so wichtig. Auch wenn ich mich inhaltlich (und manchmal auch äußerlich) am falschen Platz gefühlt habe, bereue ich meine (fast freiwillige) Entscheidung rückblickend nicht. Das Studium hat mir die Möglichkeit gegeben, mich nebenher zu orientieren und das Richtige für mich finden zu können. Und so viel weiß ich: Mein Glück liegt nun einmal nicht in der Germanistik.

Lebt euer Leben - egal mit welchen Studium!

Lebt euer Leben – egal mit welchen Studium!

Andrea Hornsteiner

1 Kommentar

  1. Ich frage mich ja, was die Verfasserin ursprünglich studieren wollte und welches Ziel sie nun nach ihrem Abschluss verfolgt??! Von Germanistik keine Ahnung, da frage ich mich ja wozu man mind. sechs Semester an der Uni rumdümpelt wenn man hinterher nicht mal sagen kann, was dieses Fach eigentlich ausmacht? Mit welchen Erwartungen bist du ans Studium gegangen, dass du es unterm Strich so madig machst?

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Trackbacks/Pingbacks

  1. Traumjob Lektor? | unikat - […] und einige Monate später stolz das schillernde Cover im Hugendubel betrachten. Gerade Germanisten träumen von einem Job im Verlag und…

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