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Her mit dem Traumjob!

Die Bewerbung macht’s

Schon im Kindergarten hatten wir feste Berufsvorstellungen. Feuerwehrmann, Lehrer oder Tierarzt waren damals ganz oben auf unserer Liste. Der Gedanke ist geblieben: Wir wollen heute immer noch unseren absoluten Traumjob finden. Gerade im Studium schwirrt uns immer wieder der Kopf, wie wir denn an diesen am besten (und einfachsten) gelangen. Spätestens aber mit dem Bachelor oder Master in der Tasche brennt es uns dann unter den Nägeln: Ja, wie nur wird jetzt unser Traum auch real? Wir wissen vielleicht endlich, was wir auch wirklich machen möchten – und jetzt? Die Lösung scheint ganz banal: Mit der perfekten Bewerbung ist alles möglich! Aber wie bewerbe ich mich denn heutzutage „richtig“ und welche Floskeln haben in einem Anschreiben so gar nichts mehr zu suchen?

Spätestens nach dem Studium müssen wir uns entscheiden, wohin es gehen soll

Spätestens nach dem Studium müssen wir uns entscheiden, wohin es gehen soll

Petra Carlile kann bei dem Begriff „Floskeln“ nur schmunzeln. Seit über zehn Jahren hat sie mit Bewerbungen hauptberuflich zu tun und weiß, wie schnell vorformulierte Sätze und Ausdrücke in die Hose gehen können. Als Karriere-Coach betreibt sie erfolgreich eine eigene Praxis in München und hat täglich mit Anschreiben, Lebenslauf & Co. zu tun. Sowohl Personaler als auch Bewerbungswillige können Rat bei ihr einholen und sie buchen. Die 43-Jährige ist dadurch bestens mit beiden Seiten vertraut: Mit der des Unternehmens und mit der des kleinen Bürgers. Für unikat verrät Karriere-Coach Petra Carlile, worauf es in einer Bewerbung wirklich ankommt und wozu man sein Studium bereits unbedingt nutzen sollte. Hier gibt es die ersten unikaten Tipps und Tricks vom Profi:

Petra Carlile weiß wie's geht, (c) eye in the sky fotoatelier christina reisbeck

Petra Carlile weiß wie’s geht, (c) eye in the sky fotoatelier christina reisbeck

Regelstudienzeit oder Praktika?

Als Student sollte man sich am besten vierteilen können. Einerseits sollen wir für den Job schon möglichst viel Erfahrung mitbringen, andererseits wird es aber ungern gesehen, wenn wir ein Semester mehr für den Abschluss benötigen. Also was soll es denn jetzt bitteschön sein: Ein knackig absolviertes Studium oder jede Menge Praktika? Denn beides – da sind wir an dieser Stelle mal ganz ehrlich –  ist wohl ohne die ersten grauen Haare zu riskieren, kaum zu bewältigen.

Petra Carlile: „Wenn ihr schon während des Studiums die Möglichkeit habt, Praxissemester, Praktika, Werkstudentenjob & Co. zu absolvieren, dann nutzt diese Chance! Oft beginnt man mit dem Studieren, obwohl man noch gar nicht weiß, ob man mit diesem Fachbereich auch wirklich hinterher sein Geld verdienen möchte. Mit einem Praktikum kann man das bereits überprüfen und alles weitere in die richtigen Bahnen lenken. Es lassen sich erste (und hoffentlich wichtige) Kontakte knüpfen und im besten Fall sogar schon ein persönliches Berufsnetzwerk aufbauen. Solche Punkte sind irre wichtig, um nicht hinterher im falschen Beruf aufzuwachen und sich dann mühsam umorientieren zu müssen.

„Im Praktikum kann ich mich erst einmal ausprobieren und herausfinden, was mir liegt.“

Praktikum, Werkstudentenjob & Co. während des Studiums können nach dem Abschluss den Einstieg in ein Unternehmen immens erleichtern, quasi als eine Art Türöffner, auch für interne Stellen. Kenntnisse aus der Praxis und dabei geknüpfte Kontakte sind also immer wichtig, gerade wenn man frisch von der Uni kommt. Klar, ein zusätzliches Praktikum oder gar Praxissemester verlängern unter Umständen die Studienzeit. Aber ich halte solch wertvolle Erfahrungen für keine verlorene Zeit, im Gegenteil. Man findet heraus, was man möchte, welche konkrete Richtung man später geht, welche Branche einem liegt und noch viel mehr. Auch schon zu erkennen, was man künftig im Beruf nicht möchte, ist ein wahrer Gewinn.“

Wie geht es nach dem Studium weiter?

Die Freude über die endlich abgegebene Abschlussarbeit wird oft von dunklen Wolken überschattet: Wie geht es jetzt nur verdammt nochmal weiter? Und überhaupt: Was will ich denn? Bislang haben wir es wunderbar geschafft, alles von uns zu schieben und damit auch Zukunftsängste erfolgreich verdrängt. Nach der Schule etwas Vernünftiges studieren, nebenbei arbeiten, damit das Geld stimmt und vielleicht noch ein, zwei ehrenamtliche Sachen machen. So weit, so gut. Und jetzt? Für einen nahtlosen Übergang würde sich am besten natürlich die Super-Stelle perfekt machen. Aber wie bekommt man die auch?

Petra Carlile: „Meidet Stress und streckt eure Fühler deshalb mindestens ein halbes Jahr vorher aus! Bis auf wenige Unternehmen gibt es keine festen Bewerbungsfristen, die meisten stellen immer wieder laufend im Jahr ein. Man muss selbst zunächst einmal herausfinden, wie gerade die Situation auf dem Markt ist. Als Anlaufphase hilft es, sich erst einmal ein paar Unternehmen herauszusuchen, bei denen es noch nicht 100 Prozent darauf ankommt – üben hilft und bringt einem selbst die nötige Sicherheit! Aber lasst dabei nicht zu viel Zeit vergehen, vor allem wenn dieser Zeitraum im Lebenslauf als unerklärbare Lücke auftaucht. Da stellen viele Unternehmen dann das Engagement in Frage. Aber wie schon gesagt:

„Bereits vorher Unternehmenskontakte suchen und Praxiserfahrung sammeln!“

Stichwort Praktikum und Werkstudententätigkeit: Ihr habt schon im Studium die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln – macht das auch! Dann wisst ihr bereits, welche Unternehmen euch zusagen: Für den einen ist es das große Unternehmen, in dem man sich auf einen Bereich konzentriert, ein anderer zieht eher das mittelständische Familienunternehmen von nebenan vor, weil man mit allen Unternehmensbereichen in Berührung kommt und genau das das Spannende daran ist. Bewerbt euch bei euren Wunschunternehmen initiativ und sucht nicht nur engstirnig nach Stellenanzeigen. So ein aktiver Weg tut einem selbst gut, man arbeitet an sich selbst und weiß, was man möchte und was nicht und kann dafür einstehen. Das Wichtigste ist zu wissen, was man kann und dazu zu stehen. Seid selbstbewusst!“

Her mit dem Traumjob!

Her mit dem Traumjob!

Darf ich als Berufseinsteiger schon feste Gehaltsvorstellungen haben?

„Sich nicht unter Wert verkaufen“ – Ein Satz, den man immer wieder während dem Bewerbungswahnsinn leise zugeflüstert bekommt. Aber mal ehrlich: Gilt das auch für uns Studenten? Die meisten von uns haben vom Arbeitsmarkt bislang nicht viel mitbekommen. Mit einem Kaffee im Plastikbecher haben wir den lieben langen Tag auf den harten Klappstühlen in der Uni gesessen, leicht dösend so getan, als würden wir dem Dozenten zuhören und in der Freizeit die notwendige Lektüre für unsere ach so feine Eloquenz nachgeholt. Jetzt also lässt man uns auf die Arbeitswelt los und wir sollen auch noch finanzielle Ansprüche stellen dürfen?

Petra Carlile: „Auch hier ist es wieder die innere Einstellung, die entscheidet. Dem Unternehmer gegenüber sollte man gleich zu Beginn mit einer genauen (Gehalts-) Vorstellung gegenübertreten können. Man muss sich selbst im Klaren sein, was man kann und wer man ist. Der Studienabschluss in der Tasche ist doch schon der Beweis, dass ihr Disziplin und Engagement mitbringt. Ihr habt wertvolle Kenntnisse im Studium erworben. Macht die nicht schlecht und stellt euer Licht unter euren Scheffel. Zu Gehaltsfragen rate ich, sich erst einmal zu informieren. In Gehaltsspiegeln kann man online nachsehen, was Berufseinsteigern in diversen Bereichen gezahlt wird. Diese Angaben sind nicht in Stein gemeißelt, geben aber schon mal einen groben Richtwert. Nutzt mögliche Kontakte zum Beispiel aus dem letzten Praktikum, erkundigt euch diskret nach dem groben Einstiegshalt in der jeweiligen Firma, wendet Euch an Alumni, die ihr selbst noch kennt und die bereits ein paar Jahre Berufserfahrung gesammelt haben. Allgemein zahlen große Firmen meist übertariflich, kleine und mittelständische liegen oftmals drunter, bieten jedoch andere Möglichkeiten, wie Fahrkostenübernahme oder Telefonkostenzuschuss. Auch das sind Punkte, die ihr bei euren Gehaltsvorstellungen berücksichtigen sollte. Ein Tipp wäre auch sich auf eine Staffelung zu einigen. Wie zum Beispiel: Während der Probezeit Betrag X, nach der Probezeit Betrag Y und nach einem Jahr Firmenzugehörigkeit Betrag Z. Das fällt vielen leichter, sich Schritt für Schritt an die tatsächlichen Gehaltswünsche heranzutasten statt sofort knallhart Zahlen ins Gespräch zu bringen, die der Unternehmer als völlig überzogen empfinden könnte. Ihr vermittelt außerdem, dass Ihr konkrete Vorstellungen habt. Viele Unternehmen stellen dann viel weniger in Frage, nach spätestens einem Jahr mehr Gehalt zu zahlen, weil es für sie offensichtlich wird, dass eure Leistungen aufgrund eurer Betriebs- und Berufserfahrung auch viel mehr Wert sind denn als absoluter Einsteiger. Geht in euch und überlegt euch genau, welche finanziellen Ansprüche ihr habt. Immerhin müsst ihr von dem späteren Gehalt leben können.“

Werdet selbst aktiv für euren Traumjob und vor allem: Traut euch!

Werdet selbst aktiv für euren Traumjob und vor allem: Traut euch!

Partygänger, Langschläfer und Chiller – Irgendwann endet auch einmal das schönste Studentenleben. Nun wissen wir aber: Es gibt auch ein Leben danach. Ein Leben nach der Uni, den vielen Nebenjobs und dem lauwarmen Kantinenessen. Wobei das auch wieder die Begrüßung in unserem nächsten Lebensabschnitt sein könnte. Aber dazu fehlt dann wirklich nur noch eines: Der Traumjob.

Wie schreibe ich ein Anschreiben? Was muss alles im Lebenslauf stehen? Und welche Absicht steckt eigentlich hinter einem Motivationsschreiben? Wenn auch ihr schon fast den Durchblick im hart umkämpften Bewerbungs-Urwald verloren habt, gibt es hier die Lösung. Karriere-Coach Petra Carlile verrät jeden Monat unikate Tipps und Tricks in Sachen Bewerbung. Schickt uns eure Fragen!

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Mail an: karrierefragen@unikatmag.de

Andrea Hornsteiner

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