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Er fragt – Sie fragt

Er fragt sie  – die „Klo-Frage“

Unsere beiden Autoren eint ein Wunsch: Das andere Geschlecht zu verstehen. „Schnurzelburzel“ und „Honigmäulchen“ stellen sich in dieser unikaten Serie regelmäßig Fragen, deren Antworten die Gemütslagen, Vorstellungen und Gedankengänge des anderen Geschlechts erhellen sollen. Diese Woche:

Was macht ihr Frauen gemeinsam immer so lange auf dem Klo? 

„Klo?“ –  „Ich komm mit“. Da braucht es bei uns, lieber Schnurzelburzel, nicht viele Worte. Auch nicht, wenn die Schlange bis ins Kinofoyer reicht– ganz im Gegensatz zur Herrentoilette nebenan:  Dort herrscht nämlich bis auf die gut gefüllten Seifenspender und einem Vorrat an Toilettenpapier gähnende Leere. Wer also absolut keine Zeit hat oder seine Hände gern mit Seife waschen möchte, weicht  nach einem kurzen Check der Lage notfalls auch mal hierhin aus. Doch für gewöhnlich haben wir ja für einen  Toilettengang immer Zeit. Und weil das so lange dauert, müssen dort irgendwie wichtige Dinge passieren, von denen man euch bewusst ausschließt…

Ich kann dich beruhigen, die meisten von uns wollen auf dem stillen Örtchen weder Drogen nehmen, noch vor euch flüchten. Was auch immer ihr sonst noch an komischen Fantasien im Kopf habt – bei diesem Thema sollte man auch mal an ernstere Angelegenheiten denken. Bereits seit Grundschulzeiten haben besonders die Mädchen verinnerlicht, ausschließlich zu zweit auf Toilette zu gehen („und die Tür nicht abzuschließen“) – ersteres hat zumindest nachts und in Großstädten durchaus seinen Sinn. Nichtsdestotrotz hat uns diese Regel im Gegensatz zu anderem nicht viel ausgemacht: War es doch eine beliebte Gelegenheit zum Schwänzen des Unterrichts („Haltet ihr das nicht mal 90 Minuten aus?“), herumzualbern, und – zumindest dann in späteren Jahren –  Dinge zu bereden, die man einfach nicht im lauten Pausenhof zwischen Tür und Angel klären konnte. Doch obwohl diese Zeiten mittlerweile vorbei sind:

„The more things change, the more they stay the same”

Wir Menschen sind und bleiben eben Herdentiere: Wenn wir alleine in einer Traube sich unterhaltender Menschen stehen, fühlen wir uns unwohl, wir fangen an, uns selbst zu beobachten und nervös mit dem Handy herumzuspielen. Auch alleine in einer Schlange Richtung Toilette zu stehen, wenn alle um dich herum plaudern, kann sich manchmal unangenehm anfühlen – auf alle Fälle ist es aber langweilig. Auch deswegen gehen wir eben immer noch zu zweit oder gleich zu mehreren: Auf dem Klo wird geredet, gelacht, geheult und wieder nachgeschminkt und sich gelegentlich mal – versehentlich oder auch nicht – eingeschlossen. Wer hätte gedacht, dass ein so unscheinbarer, oft verschwiegener und vernachlässigter Ort mit so vielen Emotionen verbunden sein kann? Aber auch wenn der Toilettenbesuch gerade einmal keine hochemotionale Angelegenheit ist, verweilen wir trotzdem länger als nötig auf dem Abort und schleppen dazu auch gern unseren gesamten Hausrat mit, um Make-up und Haare zu richten und sich dabei ein bisschen über Banalitäten oder andere Leute zu unterhalten – letzteres funktioniert übrigens auch über die Kabinenwände hinweg ganz gut… Das ist meiner Meinung nach das,  wofür wir auf dem Klo meist am  längsten brauchen, und ich möchte euch nicht länger damit langweilen. Also noch den verwischten Lidstrich korrigiert, ein bisschen Puder nachgelegt und weiter geht der Tag – eine Sache fehlt aber noch: “Lass noch schnell ein Klo-Selfie machen…“ – „Nee, warte,  meine Haare sehen grade so doof aus… „

Dass man da schon mal die Zeit vergessen kann, liegt nahe – und irgendwie müssen ja über das ganze Leben verteilt auch drei auf der Toilette verbrachte Jahre zusammenkommen.

Liebe Grüße,

dein Honigmäulchen

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