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Wahre Liebe oder verdrehte Gefühle?

Im Schleier der Erinnerung: Great First Love

Die erste Liebe ist etwas ganz besonderes. Die meisten von uns haben sie mit 16 oder 17 Jahren erlebt. Manche früher, manche später. Doch eines hatten alle gemein: Das Gefühl geliebt zu werden. Ich meine wirklich, wahrhaftig und ohne Zweifel. Ist dieses Gefühl nach einigen Jahren verflogen, blicken viele mit einer Mischung aus Sehnsucht, Dankbarkeit und Bedauern zurück. Denn nur wenige von uns hält es beim ersten Partner.

Liebe ist Magie. Manchmal überrascht sie uns, oft ist sie wunderschön, (c) Christopher Klaus

Liebe ist Magie. Manchmal überrascht sie uns, oft ist sie wunderschön, (c) Christopher Klaus

Jeder Mensch fühlt anders. Liebt anders. Trauert anders. Doch immer wieder macht man Erfahrungen, die viele Menschen mit einem teilen. Und sei es nur unterbewusst. Die erste große Liebe gehört zu diesen Erfahrungen, die damit verbundenen Träume, Wünsche und Sehnsüchte zu den Gefühlen, die man anderen mitteilen kann, um sofort ein verständnisvolles Kopfnicken zu ernten. Dabei ist es gleich, ob man noch mitten drin steckt oder nach mehreren Jahren auf sie zurückblickt. Die erste Liebe beeinflusst unsere Art zu lieben, sie prägt sogar unseren Umgang mit zukünftigen Partnern. Manche Menschen spüren schon in jungen Jahren:

„Das ist der Partner für immer. Er ist der richtige, der Eine!“

Doch vielen Menschen geht es auch ganz anders. Sie wollen Erfahrungen sammeln, vertrauen vielleicht nicht auf ihr Gefühl oder sind einfach noch nicht bereit, sich ewig zu binden. In jungen Jahren keine Seltenheit. Doch blicken sie einige Jahre später zurück, hält oft ein Gefühl des Bedauerns Einzug. Im Schleier der Erinnerungen können sie die Beweggründe des jüngeren Ich nur noch auf rationaler Ebene hervorholen. Emotional zweifeln sie an ihrer Entscheidung. Das geht bei Weitem nicht allen so, doch bemerkt man es häufig bei jenen, die erfolglos versucht haben, das überwältigende Gefühl der ersten Liebe in darauffolgenden Partnerschaften wiederzubeleben.

Gefühle sind wie Gedanken, die entstehen oder plötzlich kommen. Beides lässt sich nur schwer wiederholen, (c) Christopher Klaus

Gefühle sind wie Gedanken, die entstehen oder plötzlich kommen. Beides lässt sich nur schwer wiederholen, (c) Christopher Klaus

Wieso ist es so schwierig, mit dem Gefühl des „Liebesverlustes“ umzugehen?

Zunächst einmal trifft eben dieses Gefühl wie gesagt viele Menschen. Die sogenannten „Fehlerlisten“, die Charaktere verschiedenster Sitcoms von ihrem Partner anfertigen, um nach einer möglichen Trennung nicht in Wehmut zu versinken, kommen nicht von irgendwo. Sie basieren auf dem Erfahrungspool vieler Menschen. Doch müsste es dann nicht auch einen allgemeinen Leitfaden geben, wie man im Nachhinein mit den diversen Auswirkungen der ersten großen Liebe umgeht? Nein, natürlich nicht. Denn so unterschiedlich wie die Menschen sind, sind auch ihre Gefühle. So wie der Umgang mit ihnen. Im konkreten Fall der Trennung vom ersten Partner gibt es jene, die sich komplett meiden (wobei die Gefühle auch halbwegs erfolglos verdrängt werden), solche, die zu guten, nein sogar zu besten Freunden wurden (was meiner Meinung nach nicht nur kompliziert ist, sondern komplett unmöglich) und schließlich gibt es die, die sich eigentlich noch gern haben. Nein, sogar sehr bis hin zu unglaublich gern. Aber auch hier können Zwischenformen auftreten, zum Beispiel wenn nur einer der beiden so empfindet. Oder wenn ein solches „sich gern haben“ immer mal wieder in die gegenteilige Richtung ausschlägt. „Du kannst mich mal gern haben“ ist nur einer der Ausdrücke, die sich gegenseitig an den Kopf geschmissen werden. Und das ist schade! Soweit muss es nicht kommen. Man muss nur hinterfragen, warum man noch so an der ersten Liebe hängt. Vermisst man nur das Gefühl der bedingungslosen und unerfahrenen Liebe? Oder vermisst man den Menschen, der dieses Gefühl in einem ausgelöst hat? Meistens lautet die Antwort: Beides.

Was vermissen wir wirklich: Das Gefühl oder den Menschen? (c) Christopher Klaus

Was vermissen wir wirklich: Das Gefühl oder den Menschen? (c) Christopher Klaus

Der Kampf um die Liebe ist es wert

Das Mysterium der Gefühle wird immer ein solches bleiben. Entscheidungen, die man trifft, werden zum großen Teil von ihnen bestimmt. Wir sind ja keine Roboter. Und an alle, die die erste Liebe noch vor sich haben: Genießt es! Es kann für immer sein, oder auch schnell wieder vorbei. Und solltet ihr später auf sie zurückblicken und ihren Verlust bedauern: Nehmt euer Herz in die Hand und kämpft! Für die Liebe und für euer Glück.

  Teresa Frank

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