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Mut den Kunstgeschichtlern!

Kunstgeschichte = Hobbystudium?

Schon immer mussten sich Studenten für ihr Studium rechtfertigen. Warum sie sich denn ausgerechnet für dieses und jenes entschieden haben und überhaupt: Was macht man damit später mal? Jedes Studium bringt seine Vorurteile mit sich. Aber stimmen die auch wirklich oder eben so ganz und gar nicht? In der unikaten Serie “Mein Studium, seine Vorurteile und ich” erzählen Münchner Studenten von ihren Erfahrungen.

Als Student(in) der Kunstgeschichte hat man es nicht leicht. Es fängt damit an, dass man meistens ein kleines, aber wahrzunehmendes Lächeln erntet, welches die noch eben leidenschaftlich ausgetragene Diskussion nach den Anforderungen und dem Stress im Studium bagatellisiert. Oft folgt ein „Achso, aber das klingt doch interessant!“. Kein „Achso, na da muss man ja nicht so viel lernen!“, was ich sofort in einem ebenfalls leidenschaftlichen Gefühlsausbruch dementiert hätte. Kunstgeschichte zu studieren heißt Bücher wälzen. Es heißt 90 Prozent Theorie und unbezahlte Praktika wie Sand am Meer. Und man muss lernen – viel lernen. „Aber es klingt interessant!“, ja logo, genau deswegen habe ich es mir ja ausgesucht! Mag es nicht unbedingt jedermanns Sache sein, meine ist es in jedem Fall. Zum Glück, denn wäre es anders, würde ich das Studium wohl nicht durchhalten.

In meinem ersten Semester Kunstgeschichte strahlte ich bis über beide Ohren. Das Vorlesungsverzeichnis quoll über vor interessanten Seminaren und Vorlesungen. Alles war neu und aufregend, die Themen, die Mitstudenten und die Tatsache, dass man nun tatsächlich Kunstgeschichte studiert. Man war von sich selbst überrascht. Man war stolz, so mutig zu sein. Ich wollte schon immer was mit Kunst machen. Für mich galt nicht „irgendwas mit Medien“, sondern „irgendwas mit Kunst“. Zukunftsängste oder Fragen nach dem beruflichen Ziel waren völlig in den Hintergrund gerückt. Man studierte ja. Man bildete sich weiter. Man war auf dem Weg, etwas zu werden.

Man wurde Bachelor of Arts! Na, das klang doch toll! Zumindest am Anfang.

Das hohe Lernpensum im ersten Semester, hunderte von Powerpoint-Folien mit tausenden von Kunst- und Bauwerken und abertausenden mit Klassifizierungen von deren Einzelteilen wuppte man. Man wollte alles wissen – man musste. Denn die hohe Zahl der Kunstgeschichtsstudenten musste reduziert werden. Es galt: Nur die Harten kamen in den Garten. Und ins zweite Semester. Dort war dann erstmal durchatmen angesagt, eine Art Ruhe vor dem Sturm, dem Sturm der Zukunftssorgen. Man hatte die ersten Klausuren und Hausarbeiten gemeistert und freute sich über neue Themen und neue Dozenten. Doch spätestens im dritten Semester hielt Ernüchterung Einzug in den bis dato aufregenden Studentenalltag und man musste feststellen: Neu? Nix da.

Als Student der Kunstgeschichte heißt es Bücher wälzen.

Als Student der Kunstgeschichte heißt es Bücher wälzen.

So kam es, dass sich langsam aber sicher viele Vorlesungs- und Seminarthemen ähnelten. Das lag zum einen an den Vertiefungsmodulen, die man belegen musste, zum anderen aber an dem hohen Theorieanteil unseres Faches. Um wissenschaftlich zu arbeiten, braucht man Wissen. Und in der Kunstgeschichte weiß man. Man weiß vieles – detailliert. Zumindest in der Theorie. Fakt ist, man kann nicht alles wissen. Das gilt wohl für jedes Studium. Trotzdem gilt bei uns: Wissen ist Macht. Zumindest auf dem Arbeitsmarkt. „Nur Bachelor of Arts? Nehmen wir nicht“. Unter einem Doktor geht auf dem Kunstmarkt selten was. Und wie in jedem Studium gibt es bei uns Studenten, die auch genau dort hinwollen. Hoch hinaus auf dem Kunstmarkt. Sie wissen viel, es scheint sie wissen alles. Es gibt aber auch jene, die Potential hätten, mit der Härte des Kunstmarktes jedoch nicht zurechtkommen. Und es gibt zuletzt solche, die sich zum Master durchringen, nur um endlich was zu sein. Denn Bachelor allein reicht ja nicht.

Natürlich ist mein Studium interessant. Natürlich braucht man Glück, um zu dem kleinen Kreis zu gehören, der es auf dem Kunstmarkt zu etwas bringt. Vor allem aber braucht es Mut, dieses Studium zu wagen und ebenso, um im großen Bereich der Kunst abseits der Museen und Galerien neue Wege zu gehen.

Teresa Frank

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