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Heute besonders – morgen alltäglich?

Eine Probefahrt mit dem BMW i3

Stille – nachdem der Finger den Startknopf gedrückt hat. Draußen platschen dicke Regentropfen auf die Windschutzscheibe. Es riecht intensiv nach Neuwagen. Im Cockpit leuchtet ein Bildschirm auf: „BMW i“.

Das Zukunftsmobil von BMW ist der seit 2007 entwickelte BMW i3. 170 PS leistet der Elektromotor aus einer Hochleistungs-Lithium-Ionen-Batterie. Der Akku ist das am wenigsten nachhaltige Produkt in der sonst grünen Wertschöpfungskette des Elektroautos. Die Fahrgastzelle, auch Life Modul genannt, besteht aus mit Karbonfasern verstärktem Kunststoff.

Das moderne Cockpit des neuen BMW i3, (c) Mirjam Laubenbacher

Das moderne Cockpit des neuen BMW i3, Foto: DriveNow

Es herrscht reger Durchgangsverkehr bei der BMW Niederlassung am Frankfurter Ring. Der BMW i3 steht inmitten parkender Autos, neben einer Elektroladestation. Ein Flachbildschirm thront in der Mitte des Cockpits und hinter dem Lenkrad. Das Armaturenbrett besteht aus hellem Eukalyptusholz. Wenn man mit dem Finger darüberfährt, spürt man jede einzelne Holzfaser.

Zu 98 Prozent wiederverwertbar

Die Sitzpolster bestehen aus 53 wiederverwerteten Plastikflaschen. Sie wurden in einem aufwendigen aber nachhaltigen Prozess zu Fasern verarbeitet. „Wir machen aus diesem unliebsamen Abfall bequeme Sitzpolster“, erklärt BMW-Managerin Claire Cleuziou. Die Frage nach der Wiederverwertbarkeit des Fahrzeugs beantwortet Cleuziou mit einem Lächeln: „Der TÜV hat uns bestätigt, dass der i3 zu 98 Prozent wiederverwertbar ist.“ Das sind drei Prozent mehr als die EU verlangt.

Nachmittags halb vier – Rush-Hour in München. Eine verführerische Frauenstimme meldet sich zum Dienst. Schnell und unkompliziert wird die gewünschte Route durch Sprachsteuerung in Richtung Innenstadt festgelegt. Weder ruckelt das Auto noch brummt der Motor. Es ist totenstill. Ist das Auto wirklich noch an?

In nur 3,7 Sekunden beschleunigt der Elektroflitzer von 0 auf 60 km/h – perfekt für ein Stadtauto und den schnellen Ampelstart. Für eine möglichst lange Wegstrecke sollte man das Gaspedal nicht zu oft durchdrücken. Die Reichweite beträgt 130 bis 160 Kilometer. Für das Unternehmen DriveNow ausreichend. Mobilität in und um die Stadt herum ist das Geschäftsmodell des CarSharing-Anbieters. Der BMW i3 als emissionsfreies Elektroauto passt ins Konzept. DriveNow-Kunden können deshalb ab dem Frühjahr auf einen Kauf verzichten. Für viele, mit 34.950 Euro Einstiegspreis, ohnehin zu teuer. Die erste Stadt mit 30 dieser Elektroflitzer wird London sein.

Mit Leichtigkeit durch den Stadtverkehr

Der rechte Fuß drückt das Gaspedal durch. Ein leises Surren ist zu hören. Mit gefühlter Warp-Geschwindigkeit prescht der i3 geradeaus zur nächsten Kreuzung. Die Augen weiten sich, die Hände werden feucht. Adrenalin schießt durch den Körper. Die anderen Autos können mit der plötzlichen Beschleunigung nicht mithalten. Ihre Lichter entfernen sich im Rückspiegel.

Genug Platz im BMW i3, Foto: DriveNow

Genug Platz im BMW i3, Foto: DriveNow

CarSharing in Großstädten bietet ein enormes Geschäftspotenzial und doch greifen erst 1,7 Prozent der Führerscheinbesitzer darauf zurück. Das erläutert eine Studie des TÜV Rheinland, die am 13. Januar dieses Jahres veröffentlicht wurde. Lediglich sieben, der 45 Millionen Autofahrer würden demnach ihr eigenes Auto abschaffen. Immerhin verdopple sich die CarSharing-Nutzerzahl in Deutschland bis 2020 auf zwei Millionen. Laut den Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation, die im März 2014 publiziert wurden, wäre eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes dringend notwendig: Im Jahr 2012 seien sieben Millionen Menschen weltweit an den Folgen von Luftverschmutzung gestorben.

16:00 Uhr: Auf dem Weg zurück zur Niederlassung am Frankfurter Ring bewegt sich der i3 trotz hohem Verkehrsaufkommen mit Leichtigkeit durch die Stadt. Der Regen lässt nach. Die errechnete und angezeigte Restreichweite ist nach zehn zurückgelegten Kilometern von 100 auf 82 Kilometer geschrumpft.

Gegen Smogs in Metropolen

CarSharing wird die Automobilwelt nicht entscheidend verändern, prognostiziert die Studie des TÜV Rheinland. Doch es liegt im Trend und ist eine gute Alternative. Aurika Nauman, Pressesprecherin von DriveNow, ist überzeugt, dass man trotz weniger Eigenbesitz spontan bleiben kann: „Durch das Sharing-Konzept haben unsere Kunden im Geschäftsgebiet jederzeit ein Auto zur kurzzeitigen Nutzung in Reichweite.“ Der Beitrag zu einer emissionsfreieren Welt wird wirtschaftlich. Das Unternehmen macht seit Anfang des Jahres Gewinn. Zusammen mit der angestrebten Richtlinie der Bundesregierung von einer Million Elektroautos bis zum Jahr 2020, gibt es erste Möglichkeiten zur Bekämpfung des Smogs in Metropolen. Prof. Dr. Karl-Werner Brand ist Berater im Bereich Nachhaltigkeitsforschung. Er hält die Richtlinie der Regierung für unrealistisch: „Natürlich hat Elektromobilität nicht nur unmittelbare Emissions-, sondern auch Lärm-Vorteile. Aber das Umschalten auf eine gänzlich andere Versorgungs-Infrastruktur dauert.“

16:30 Uhr. Hinter der Niederlassung auf den Besucherparkplätzen steht ein 13 Jahre alter Renault. Im Auto ist es kalt. Beim Drehen des Schlüssels springt der Motor laut brummend an – im Rückspiegel wabert weißer Qualm. Für manche Menschen ein Auto, das einer aussterbenden Spezies angehört.

So macht Shoppen Spaß, Foto: DriveNow

So macht Shoppen Spaß, Foto: DriveNow

Mirjam Laubenbacher (Gastautorin)

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