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Er fragt – Sie fragt

Er fragt sie – Jeanskauf

Unsere beiden Autoren eint ein Wunsch: Das andere Geschlecht zu verstehen. „Schnurzelburzel“ und „Honigmäulchen“ stellen sich in dieser unikaten Serie regelmäßig Fragen, deren Antworten die Gemütslagen, Vorstellungen und Gedankengänge des anderen Geschlechts erhellen sollen. Diese Woche:

„Knackiger Po oder knallige Farbe – worauf achtest du ?“

Allein die Frage gibt mir das Gefühl, ein unergründliches Wesen zu sein. So als Frau. Dabei ist es doch ganz einfach: Natürlich achte ich auf beides! Und bevor ich mich fragen kann, warum Männer anscheinend von der weiblichen Psychologie eines Jeanskaufs fasziniert sind, beschreibe ich mal das Prozedere in der Umkleidekabine.

Am Anfang war die Entscheidung. Egal ob es beim Streifen eines Schaufensters oder durch wochenlange Planung passiert, eine Frau entscheidet, dass es Zeit ist für eine neue Jeans. Dabei ist es auch egal, ob sie schon ein paar Dutzend im Schrank hat oder nur eine einzige, dessen abgewetzte Stellen schon seit Monaten „hier“ schreien. Das kommt ganz auf die Frau an. Hat sie jedoch entschieden, dass die Zeit gekommen ist, hat sie allerhöchstwahrscheinlich auch ein Modell vor Augen. Ihre Traumjeans. Eine Jeans, die ihre Problemzönchen gekonnt kaschiert und ihre Vorzüge zu Tage bringt, egal ob schlank oder kurvig (Eine traurige Tatsache ist, dass Frauen in 99 Prozent der Fälle immer eine Problemzone finden und sei sie auch noch so unsichtbar). Und dabei spielt es natürlich eine Rolle, welche Farbe die Jeans hat. Hellblau (Pro: Sticht hervor, contra: Cellulitis schreit Hallo) oder dunkelblau (Pro: Umschmeichelt Kurven, contra: Gruftialarm), rot (Pro: Individuell, contra: Fällt auf – vor allem für eher schüchterne Frauen ein Problem) oder weiß (Pro: „Schätzchen, du siehst aus wie ein Engel!“, contra: Ziehen Kaffeeflecken magisch an), alle Farben werden im Entscheidungsprozess gegeneinander abgewogen und schließlich wird verkündet: „Freundin/Mama/Shoppingbegleitung/Freund: Ich brauche unbedingt eine hellblaue/dunkelblaue/rote/weiße/khakifarbene/gelbe/schwarze/rot-weißgepunktete… Jeans.“ Sorry für die Ausführlichkeit, aber du siehst, wir sind im Prozess voll ausgelastet. Was da für Zeit draufgeht! Denkst du. Falsch, das läuft innerhalb von Bruchminuten ab. Meistens. Aber gut, ist die Entscheidung der Farbe gefällt, hat man wie gesagt schon ein ungefähres Modell vor Augen, man hat ja ausreichend Zeit, sich im Internet über die unendlichen Möglichkeiten eines Jeansschnittes zu informieren. Mindestens einmal im Leben kreuzt dabei eine Frau Onlinetestfragen zum Thema des Birnen-, Apfel- oder Pflaumenpo an. Hat man schließlich traurige Gewissheit, ist man innerlich stolz auf sein eigenes Früchtchen und stiefelt los, um die perfekte Schale zu kaufen. Also die perfekte Jeans. Schließlich soll das Früchtchen ja knackig sein… du siehst, ein hochpsychologischer Prozess!

Schleppen wir uns dann endlich mit mindestens zehn auserwählten Modellen in die Umkleidekabine und ärgern uns noch schnell über die aufdringliche, anteilnehmende Verkäuferin („Also, Sie sind nicht einfach einzuschätzen, dabei bin ich schon seit acht Jahren im Geschäft. Ihre Figur ist wirklich … ungewöhnlich. Ich gebe Ihnen jetzt einfach mal Größe 38 bis 44 mit. Das Schiff schaukeln wir schon!“), beginnt die eigentliche Arbeit. Aus der alten Jeans rausschälen, in die neue Jeans reinschälen, feststellen, dass die super-ultra skinny Jeans nicht über die sportgestählte Wade passt, wieder rausschälen, neues Modell, 360 Grad Drehung im Spiegel, Doppelansicht durch zweiten Spiegel von hinten, als gut befinden und – natürlich die anderen acht Modelle auch noch anprobieren.

Denn gut ist meistens nicht gut genug. Sie muss perfekt sitzen, die Traumjeans. Und wenn du jetzt denkst, mein Gott seid ihr kompliziert ihr Frauen, dann muss ich sagen: Du hast recht. Aber das macht uns doch aus. Und wenn wir mit unserem perfekt eingeschnürten Apfelpo in der hellroten Jeans zufrieden sind, seid ihr es doch auch, stimmt’s?

Liebe Grüße

Honigmäulchen

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