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Ein Stück Selbstständigkeit

Ein Back-Tag bei „Kuchentratsch“

Ein Stück Selbstständigkeit wird hier gebacken – und das nicht nur für die beiden Inhaberinnen Katrin (25) und Katharina (25), sondern auch für über ein Dutzend fleißige Seniorinnen und Senioren, die das Social Startup mit eigenen Rezepten und jeder Menge „Back-Begeisterung“ zum Leben erwecken.

„Spaß ist das Wichtigste“

Irmgard (76) beim Backen, (c) Rebekka Wiemer

Irmgard (76) beim Backen, (c) Rebekka Wiemer

Während es draußen an diesem sonnigen Freitagvormittag eher ruhig ist, geht es in der neu eingerichteten Backstube in der Münchner Landsberger Straße bereits sehr geschäftig zu. Irmgard (76) ist durch einen Artikel im Münchner Merkur auf das Projekt aufmerksam geworden und backt heute zum ersten Mal Probe: Linzer Torte und ein Apfel-Kuchen stehen bei ihr auf dem Programm. Ihr gefällt das Projekt. Und zugunsten der Inhaberinnen und der eigenen Freude am Backen findet sie es auch wichtig, regelmäßig daran teilzunehmen und nicht nur „wenn man gerade einmal Lust hat“. Während Irmgard ihre Linzer Torte mit Marmelade bestreicht, macht sich Kollegin Eva-Maria an die Zubereitung eines Maracuja-Kuchens. Anke, die sich mitunter auf veganes Backwerk spezialisiert hat und gerade für einen ebensolchen Apfelkuchen Margarine glatt rührt, ist durch ihre Tochter zu „Kuchentratsch“ gekommen. „Wenn Kuchen gefragt ist, werde ich immer gefragt“, lacht sie. Man sollte ihrer Meinung nach „Spaß am Backen haben, improvisieren können, flexibel sein und gut mit anderen zurecht kommen –  das reicht dann aber auch schon: Spaß an der Freude ist das Wichtigste.“

Anke  und Erika beim Rezepte-Austausch, (c) Rebekka Wiemer

Anke und Erika beim Rezepte-Austausch, (c) Rebekka Wiemer

Ein generationenübergreifendes Projekt

Maria Anna (65) ist ebenfalls schon länger dabei. Die ehemalige Übersetzerin widmet sich nun zweimal pro Woche ihrem Hobby. „Mir gefällt an Kuchentratsch das Innovative und die soziale Komponente – es sollte mehr solche generationenübergreifenden Projekte geben, gerade in München.“ Desweiteren entscheiden die Seniorinnen auch meist eigenständig darüber, was gebacken wird. „Bis auf einen „Auftragskuchen“ heute sind das immer meine eigenen Rezepte“, so die 65-Jährige.

Ist das Backen eine reine Frauensache?

Norbert backt auch in der Freizeit gerne für Familie und Freunde, (c) Rebekka Wiemer

Norbert backt auch in der Freizeit gerne für Familie und Freunde, (c) Rebekka Wiemer

Bei „Kuchentratsch“ seit heute definitiv nicht mehr. Ein paar Meter weiter bereitet nämlich Norbert  als erster männlicher Probebäcker eine Mandarinen-Quark-Torte zu. „Das ist mein Test-Kuchen und wenn ich die Prüfung bestanden habe, darf ich wohl wiederkommen“, meint er und lacht. Aus der Branche ist auch er nicht: „Ich habe mich einfach schon immer fürs Kochen interessiert und dann mit dem Backen angefangen.“ Zuhause backt der ehemalige „Schreibtischtäter“ gern für Familie und Freunde.

Dankbare Abnehmer gibt es immer

Gegen Mittag leert sich die Backstube langsam, doch für Katrin und Katharina ist der Arbeitstag noch nicht vorbei: Neben den Bürotätigkeiten müssen sie noch aufräumen und die restlichen Kuchen verpacken, die dann von festen Lieferanten abgeholt werden. Was passiert mit den Kuchen der „Probebäcker“? Abnehmer gibt es immer – notfalls wird das Gebäck unter den Nachbarn verteilt oder bei Unikat verlost!

Eva-Maria: "Nicht weil ich einsam bin, sondern weil ich einfach gern koche und backe", (c) Rebekka Wiemer

Eva-Maria: „Nicht weil ich einsam bin, sondern weil ich einfach gern koche und backe“, (c) Rebekka Wiemer

 

Ergebnisse des heutigen Backtages, (c) Rebekka Wiemer

Ergebnisse des heutigen Backtages, (c) Rebekka Wiemer

 

Irmgards "Testkuchen", (c) Rebekka Wiemer

Irmgards „Testkuchen“, (c) Rebekka Wiemer

Mehr Informationen zu „Kuchentratsch“ findet ihr auch hier.

 Rebekka Wiemer

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