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Was ist Trauer?

Über das Schicksal und bedingungslose Liebe

Es ist nun über vier Jahre her, dass wir uns zum letzten Mal gesehen haben. Vier Jahre, geprägt von Trauer, Wut, Tränen, aber auch Freude, Zuversicht und Lachen. Und Einsehen. Resignation. Du fehlst. Du fehlst deinen Freunden, deinen Eltern, mir. Du fehlst auf dieser Welt. Und doch dreht sie sich weiter, ohne dich. Seit vier Jahren.

Trauer ist etwas Furchtbares. Vermissen ist ähnlich. Viele vermissen etwas, jemanden, der nicht mehr in unmittelbarer Nähe ist, der weggezogen ist. Die entlaufene Katze, den Sommer, das Meer. Trauer geht tiefer. Wir betrauern, was nicht mehr ist, was nicht mehr wiederkommt. Du kommst nicht mehr wieder.

Trauer macht Angst. Sie lähmt. Sie nimmt sich unsere Seele, unseren Körper. Keiner weiß, wann wir sie wieder zurückbekommen. Bis wir lernen, dass wir nie wieder so werden wie früher. Trauer verändert.

Vor vier Jahren dachte ich, Trauer ist wie ein gefrorener See, über den man gehen muss. Mal schlittert man gekonnt und sicher dahin, mal wird das Eis dünn, man wird vorsichtiger. Manchmal bricht das Eis, man bricht ein und muss versuchen, sich wieder aus dem eiskalten Wasser herauszukämpfen. Alleine schafft man das nicht immer, man braucht Freunde oder sogar Profis, die einem helfen.

Heute weiß ich, Trauer ist kein See. Es geht nicht darum, das Ufer zu erreichen. Trauer ist ein Fluss, ein gefrorener Fluss. Man muss lernen, Schlittschuh zu laufen.

Doch gleichzeitig kann Trauer sehr positiv wirken. Sie macht uns stark. Sie hilft uns, mit dem Schicksal umzugehen, zu akzeptieren. Sie zeigt uns, wie bedingungslos und stark unsere Liebe ist. Wie sehr wir lieben können.

Trauer: Manchmal fühlen wir uns alleine und manchmal brauchen wir genau das

Trauer: Manchmal fühlen wir uns alleine und manchmal brauchen wir genau das

Charlotte Horsch

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